Käufer für Traditonskneipe gesucht

Friedhelm Hüfing vor der Kettwiger Kneipe, die er verkaufen will.
Friedhelm Hüfing vor der Kettwiger Kneipe, die er verkaufen will.
Foto: WAZ FotoPool

Essen-Kettwig..  Bei ihm gibt es Brathering, Gulaschsuppe, Graupensuppe und Frikadellen. Alles selbst gemacht und die perfekte Begleitung zum gepflegten Bier. Friedhelm Hüfing ist seit Oktober 1997 Wirt der Kettwiger Traditionskneipe „Am Eck“. Doch jetzt hat der 74-Jährige genug, will das Haus verkaufen, das er damals vom legendären Wirtsehepaar Irmchen und Günther Müller erstanden hat.

Wie es dann hinter dem Tresen weiter gehen soll, davon hat er genaue Vorstellungen. „Hier wird seit 163 Jahren Bier ausgeschenkt. Und das muss auch so bleiben. Es gibt ja in Kettwig kaum noch richtige Kneipen.“

Eine „Braustube“ könne er sich gut vorstellen, mit einer richtigen Brauhausküche und netten, nicht zu teuren Gerichten. „Aber ich kann nicht gleichzeitig in der Küche stehen und vorn zapfen. Das wird mir alles zu viel, und ich habe ja nun auch mittlerweile das gehobene Renteralter erreicht.“ Als Pächter wäre ein Pärchen ideal und „wenn man noch den hinteren Raum dazu nimmt, kann man hier auch gutes Geld verdienen“, sagt Friedhelm Hüfing.

Und außerdem sei ja da auch noch der Biergarten. Den hat er sich 2001 konzessionieren lassen. „Ich habe schon von vielen Gästen gehört, dass das ‘Eck’ die schönste Kneipe Kettwigs ist.“

46 Jahre ist er im Geschäft, war 22 Jahre lang Brauereivertreter, hat dann erfolgreich die „Jagdhütte“ in Heiligenhaus geführt und aus gesundheitlichen Gründen wieder verkauft. Friedhelm Hüfing wohnt direkt über seiner Kneipe, und „im Dachgeschoss gibt es noch eine Wohnung, die aber nicht fertig ausgebaut ist.“

Wenn er das Haus verkauft hat, wird er ausziehen müssen. Das weiß er. Schon jetzt mag er gar nicht an diesen Abschied denken, „aber das Haus ist meine Rente, von dem Verkaufserlös werde ich leben müsse. Ich habe einfach keine Alternative.“

Die Gastronomie ist kein leichtes Geschäft. Das Rauchverbot, die immer wieder steigenden Bierpreise, das veränderte Freizeitverhalten, die Konkurrenz in anderen Stadtteilen. 70 Prozent seiner Gäste sind Stammkunden, im Sommer kommen auch viele Touristen. Aber die meisten von denen schätzen das alte Fachwerkhaus mehr als Fotomotiv. Und an manchen Abenden steht er allein im Schankraum, hinter seiner Theke.

„Ich habe damals sehr viel Geld hier reingesteckt. Alles ist aus massiver Eiche, nur das Rückbüfett ist geblieben. Nach und nach habe ich immer mehr ausgebaut. Und das muss doch was wert sein.“