Golfen im Selbstversuch

Volle Konzentration: Der Abschlag ist die halbe Miete, weiß Jan Walther. Aber man kann auch viel in den Sand setzen, oder in den Wald, oder . . .
Volle Konzentration: Der Abschlag ist die halbe Miete, weiß Jan Walther. Aber man kann auch viel in den Sand setzen, oder in den Wald, oder . . .
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Wer schön sein will, muss leiden . . . Beim Selbstversuch auf dem Golfplatz in Heidhausen stößt Reporter Jan Walther an so manche Grenze.

Essen-Heidhausen.. „Viele meinen, das sind nur ältere Herren, die in Knickerbockern spazieren gehen“, sagt Jochem Schumacher. Der Clubmanager beim Golfclub Heidhausen spricht gerade von den Mitgliedern des Vereins – und den Vorurteilen, mit denen der Golfsport zu kämpfen habe. Denn die Mitglieder würden eben überhaupt nicht diesem Klischee entsprechen.

Ich war bis jetzt noch nie auf einem Golfplatz. Richtige Vorurteile habe ich auch nicht. Eigentlich habe ich mir auch nie Gedanken über diesen Sport gemacht. Deshalb bin ich an diesem Tag vor Ort: Der Verein hat zum „Golf-Erlebnistag“ geladen, damit Laien das Golfen einmal näher kennenlernen können. „Wir wollen zeigen, dass Golf ein richtiger Sport ist“, sagt Schumacher. „Anstrengend beim Golf ist zum einen natürlich die körperliche Bewegung, zum anderen aber die Kombination, sich auch stets zu konzentrieren.“

Und dann geht es auch schon los, ich starte auf der Driving Range. Dort stehe ich auf einer kleinen Fläche aus Kunstrasen. Und vor mir sind mindestens 300 Meter freie Fläche, auf die ich den Ball gleich schlagen soll – ich bin mir gerade aber nicht so sicher, ob ich wirklich so viel Platz brauche.

Zunächst zeigen die Trainer, wie man den Schläger richtig anfasst: die rechte Hand muss zuerst an den Schläger; Daumen strecken und dann die linke Hand oberhalb der rechten Hand an den Griff setzen. Jetzt den kleinen Finger der rechten Hand abspreizen, als hätte man ‘ne Teetasse in der Hand, und beide Hände ineinander gleiten lassen – soweit die Theorie.

Nachdem mir die Trainer diesen Schritt einige Male erklärt haben, beherrsche ich den Griff schließlich. Nun geht es an die Technik und meine Haltung während des Abschlags. Ich soll Rücken und Arme gerade lassen und nur meine Schultern bewegen. All die Infos zu Haltung, Griff und Abschlag verwirren mich gerade aber doch etwas, so dass am Ende nicht mal mehr der Griff richtig sitzt – meine Hände sind zu verkrampft.

Nach gut 20 Versuchen schlage ich dann aber tatsächlich einen Ball 50 Meter weit – und höre dann auch mal besser mit dem Abschlag-Training auf, denn viel besser wird es heute sicher nicht mehr.

Ein Großteil der Spieler in Heidhausen ist gerade einmal Ende 20, einige sind auch jünger. Schumacher: „Wir haben auch ganz viele Kinder im Verein, die keine Eltern hier im Club haben.“

Den Abschlag habe ich ja gerade an der Driving Range „gelernt“. Am Putting-Green soll ich nun üben, wie ich den Ball schließlich behutsam ins Loch schlage.

„Wir spielen jetzt erst einmal Boccia, so wie die Herren in den Parks immer – das Spiel kennst du doch, oder?“ Fragt mich Claas-Eric Borges. Und ja. Ich kenne Boccia. Ich kann mir gerade aber nicht vorstellen, wie mir das hier helfen soll. Ich höre aber auf ihn und nehme einen Golfball in die Hand. Er wird wissen, warum ich die Bälle erst einmal zum Loch werfen soll, anstatt meine neu gewonnen Fähigkeiten am Schläger anzuwenden.

Borges ist schließlich Deutscher Lochspielmeister 2014 und zeigt den Neulingen schon seit drei Stunden, wie man den Ball möglichst schnell einlocht.

Der Ball und das Loch

Schon nach dem ersten Wurf merke ich, wie mir diese Übung helfen soll: Ich werfe den Ball nicht fest, das Loch ist bloß fünf Meter weg – trotzdem rollt er grandios am Ziel vorbei und auch noch den Abhang runter. Wir stehen zwar auf Rasen, allerdings ist dieser so kurz gemäht und platt gewalzt, dass der Ball einfach auch sehr gut rollen kann.

Borges drückt mir noch zwei Bälle in die Hand und möchte, dass ich die leichte Senkung auch in meinen Wurf einplanen soll. Langsam komme ich dem Ziel näher – der Ball rollt jetzt wenigstens nicht mehr aus dem Sichtfeld. Ich bekomme erneut einen Schläger, fasse ihn einfach genauso an, wie ich es eben beim Abschlag gelernt habe. Borges ist etwas erschrocken, dass ich auf Anhieb richtig greife. Ich habe ihm aber auch verschwiegen, dass ich schon mal beim Minigolf die Nase vorn hatte . . .