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Gefährliche Herkulesstaude breitet sich entlang der Ruhr aus

23.07.2012 | 15:35 Uhr
Gefährliche Herkulesstaude breitet sich entlang der Ruhr aus
Am südlichen Ruhrufer in Kettwig breitet sich die Herkulesstaude mehr und mehr aus.

Essen-Kettwig.   Die gefährliche Herkulesstaude breitet sich auf den Ruhrwiesen in Essen-Kettwig explosionsartig aus. Spaziergängern drohen dadurch erhebliche Gesundheitsrisiken: Bei Kontakt mit der Haut kommt es zu schlimmen Verbrennungen. Doch der Stauden-Dschungel an der Ruhr ist wohl nur der Anfang. Die Samen der Pflanze sind schwimmfähig, der Fluss transportiert sie weiter. Die Plage wird sich ausweiten.

Einmal am Tag kommt Verena Steinhaus mit ihrem Dackelmischling Sonja zur Hundewiese. Die städtische Grünfläche beginnt am Ende der Straße zur Alten Fähre. Viel Platz, direkt an der Ruhr - ein Paradies für Frauchen und den Vierbeiner, denn hier dürfen Hunde ohne Leine mal so richtig toben...

Doch hier wächst nicht nur Gras, ranken am Rand die Brombeeren. Auch die ersten, recht kleinen Herkulesstauden machen sie hier breit. Nur wenige 100 Meter weiter beginnt das Natur- und Wasserschutzgebiet. Betreten verboten - das Schild ist nicht zu übersehen. Doch Trampelpfade, wo die Erde vom Regen der vergangenen Wochen noch matschige Pfützen bildet, zeugen davon, dass sich kaum einer an dieses Verbot hält. Und diese illegalen Wege führen durch riesige Felder übermannshoher Herkulesstauden.

Nicht unerhebliche Gesundheitsrisiken

Da lauern bei jedem Spaziergang nicht unerhebliche Gesundheitsrisiken, denn bei der Berührung der Stauden, selbst wenn sie völlig intakt sind, dringt Pflanzensaft in die Haut. Und in Verbindung mit Tageslicht entfaltet sich die Wirkung des darin enthaltenen Kontaktgiftes Furocumarine. Die gravierenden Folgen: Es kommt nach ungefähr 24 Stunden zu Rötungen, die Haut wirft Blasen und schmerzt - an diesen Stellen bilden sich später Pigmente. Die Verbrennungen heilen nur schwer ab.

Die Herkulesstaude breitet sich mehr und mehr aus. Die Samen - jede Pflanzen kann zwischen 10 000 und 50 000 schwimmfähige Samen ausbilden - werden durch die Ruhr weiter transportiert, bleiben an den Uferböschungen hängen und siedeln sich in dort an.

Das Ausrotten der Pflanze ist schwierig und langwierig. Ein Abschneiden, Ausreißen oder Abweiden durch Schafe sind nur scheinbar Lösungen. Die wichtigste Bekämpfungsmaßnahme ist das Ausgraben. Doch dabei müssen geschlossene Kleidung, lange Arbeitshandschuhe und feste Stiefel getragen werden. Ebenso wichtig: Jetzt im Juli müssten alle Samenstände eingesammelt und vernichtet werden. Doch es passiert nichts.

"Ein Verbrechen, was die hier machen"

„Das ist ein Verbrechen, was die hier machen“, sagt Christine Lümmen. Sie ist in Essen geboren und lebt jetzt in Göttingen. Gemeinsam mit Tochter und Schwiegersohn war sie vor einigen Wochen in ihrer Heimatstadt zu Gast. „Das hatte ich mir zum Geburtstag gewünscht.“ Doch was sie während der Ruhrtour mit der Weißen Flotte sah, hat sie entsetzt: „Zwischen Werden und Kettwig wuchern die Herkulesstauden in großen Mengen. Nicht auszudenken, wenn ein Kind da hineinfällt..“ Dass nichts zur Eindämmung dieser Plage getan wird, kann die Seniorin nicht verstehen.

Das Gelände gehört der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW). In der Vergangenheit wurde oftmals Schafherden eingesetzt. Sie fressen die für den menschlichen Körper giftigen Pflanzen auf und nehmen keinerlei Schaden. Doch selbst eine mehrfach Beweidung pro Jahr brächte kein Ergebnis, denn die Staude treibt immer wieder aus. Über Jahre müsste das Ausgraben und Vernichten der Samenstände erfolgen, um der Herkulesstaude endgültig den Garaus aus zu machen.

Verena Steinhaus hat mittlerweile den Spaziergang mit Sonja beendet. Das Naturschutzgebiet hat sie auch in der Vergangenheit noch nie betreten, und auf der Hundwiese wird sie künftig auf die Herkulesstaude achten - „und immer in sicherem Abstand bleiben“.

Sabine Moseler-Worm



Kommentare
25.07.2012
09:44
Gefährliche Herkulesstaude breitet sich entlang der Ruhr aus
von ruhry | #13

Selbst wenn Schafherden diese Pflanze nicht vernichten aber "kleinhalten" können, warum lässt man nicht einen oder mehrere Schäfer mit ihren Herden längs der Ruhr ziehen? In Hattingen hat man sich vor einigen Jahren meines Wissens damit beholfen.

Ansonsten fielen mir einige Kriminelle, Schläger und Randalierer ein die sich längs der Ruhr "bewähren" könnten.

25.07.2012
09:12
Gefährliche Herkulesstaude breitet sich entlang der Ruhr aus
von Nervenverloren | #12

Ausgraben und verbrennen ist die einzige Möglichkeit, dem Zeugs Herr zu werden.
Das muss aber im Frühjahr passieren, wenn die Pflanzen noch klein sind und gerade austreiben.
Warum kann das denn nicht mal mit Engagement der Bürgerinnen und Bürger passieren?
Wie sagte einst Kennedy? "Frage nicht was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst!"
In diesem Sinne sollten gemeinsame Aktionen angeregt werden, dann können die Städte das auch stemmen. Ich wäre dabei, denn mich ärgert das Zeugs auch!

24.07.2012
22:19
Gefährliche Herkulesstaude breitet sich entlang der Ruhr aus
von Unverkennbar | #11

Es liegt ja nicht nur am Hundedung sondern auch an den Tonnen von Brot, die von Minderbemittelten an die hiesigen Gewässer zur Entenfütterung gebracht werden. Minderbemittelt, da anscheinend unfähig die Schilder zu lesen, die Entenfütterung untersagen.

24.07.2012
21:28
Gefährliche Herkulesstaude breitet sich entlang der Ruhr aus
von Gothaur | #10

Es gab bereits in den 90igern Berichte über Dörfer in Rußland und der Ukraine, die geradezu umzingelt waren, durch diese Pflanze. Die Menschen trauten sich nicht mehr, ihre Kinder draußen spielen zu lassen, da es immer wieder zu Hautkontakte und entsprechend schwerer Verbrennungen kam.
Dazu muß man vielleicht auch mal verdeutlichen, daß der Saft dieser Pflanze durchaus, zumindest was die Hartnäckigkeit betrifft, was vom natürlichen Napalm hat. Denn es brennt nicht nur einmal. sondern über längere Zeit immer wieder, wenn die betroffenen Stellen dem Sonnenlicht ausgesetzt werden.
Gruß

24.07.2012
21:18
Gefährliche Herkulesstaude breitet sich entlang der Ruhr aus
von hamicha | #9

Jo,hab ich am Montag auch feststellen können.
Da z.B. Schafe u.a. dies Problem nicht beheben können und es sich immer weiter vermehren wird - evtl. sogar in Symbiose mit den unsäglichen Kanada-Gänsen ,die waren vor ein paar Jahren auch noch nicht heimisch und lassen trotzdem fast Jeden in ihre Hinterlassenschaften treten? -
bietet sich doch evtl. kontrollierte Brandrodung an ?

An eine Bodensanierung durch Auskoffern des ganzen Geländes mit z.B. Radladern wird eh nicht zu denken sein.
Na, wie kommt es nur,daß auf der anderen Ruhrseite keine / kaum Pflanzen dieser Gattung zu sehen sind ?
Nimmt der Wind nun auch schon Bakschisch ?

24.07.2012
20:41
Geniale Idee, #6,
von BauerKleppe | #8

überall, wo niemand reinlatschen soll, lassen wir die Herkulesstaude wuchern.
Dummerweise war auch das an der angesprochenen Stelle aufgegstellte Verbot zum Schutz einer Flora und Fauna gedacht, die durch die Herkulesstaude nun verdrängt wird, also schlicht nicht mehr existiert. Die Staude verdrängt hier alles andere, weil sie hier nicht hingehört und daher auch nicht von natürlichen Verwertern in Grenzen gehalten wird.
die so entstehenden HS- Monokulturen haben keinerlei ökologischen Wert mehr. Wenn es das ist, was Sie für erstrebenswert halten...lieber erstmal etwas weiter denken und dann posten.

1 Antwort
Gefährliche Herkulesstaude breitet sich entlang der Ruhr aus
von Gothaur | #8-1

Genau darin, nämlich in der agressiven Verbreitung liegt ja der Sinn dieser agressiven Säfte. Diese greifen ja auch im Erdreich benachbarte Pflanzenkulturen an, und zerstören das Wurzelwerk und so kann sich dann der Bärenklau ungehindert weiter verbreiten.
Gruß

24.07.2012
19:12
Natur und Schutz
von bearny | #7

Es stimmt schon, daß die Staude schon länger im Gespräch ist.
Aber, aus den Augen, aus dem Sinn, und auf diese Art können vielleicht nicht nur viele Kinder vor schweren Verbrennungen bewahrt werden.
Dumm ist nur, daß den Städten schlichtweg das Geld zur Beseitigung fehlt. Und wirkliche natürliche Feinde hat diese Art hier wohl auch nicht, da importiert. Vielleicht sollte man ein paar solcher Riesenbärenklauverputzer hier loslassen? Fraglich nur, wie man die dann wieder los wird..
Aber zu @6: Dummerweise hält sich so ein Gewächs nicht an Ge- und Verbotsschilder. Und ich habe das Zeug sehr oft auch außerhalb von Flüssen gesehen.
Und an dem beschriebenen Wegesrand ist das Zeug auch nicht besser, wenn man z.B. mit dem Fahrrad aus welchen Gründen auch immer in dem Gewächs landet. So als Beispiel.

24.07.2012
18:28
Wenn sich schon die Städte nicht um den Naturschutz kümmern, macht es die Natur selber
von Emagic | #6

Dieser Gedanke kam mir grad beim lesen des Artikels. Eigentlich ist die Herkulesstaude doch sehr gut gegen Vandalen im Naturschutzgebiet. Wenn ein paar der "Helden" die immer die Naturschutzgebiete als Spielplatz nutzen und dort Verwüstungen anrichten,Bekanntschaft mit der Staude machen, werden sie wieder die öffentlichen Wege nutzen. Und wer lässt schon sein Kind am Flussufer spielen? Ich jedenfalls nicht und auf den Wegen können auch die Kinder bleiben. Eine Gefährdung der Öffentlichkeit sehe ich durch diese Staude nicht.

24.07.2012
17:18
Gefährliche Herkulesstaude breitet sich entlang der Ruhr aus
von Gothaur | #5

Herkulesstaude, Gemeiner Bärenklau, Giant Hogweed! Diese gefährliche Pflanze hat viele Namen.
Diese Nachricht als Sommerloch abzutun, sorry, ist naiv!. Klar, es wird schon lange vor dieser Pflanze gewarnt und es kann nur ein völlig falsch verstandener Umweltschutz der Grund sein, diese über Jahrzehnte hinweg, trotz ihrer Gefahren, und ihres agressiven Verbreitens, unbeachtet zu lassen. Hier in Mülheim wurde bereits schon so in den 90igern argumentiert.
Diese Pflanze fand im übrigen auch schon gegen Ende der 60iger in der Kunst Beachtung. Als die Gruppe Genesis auf der LP "Nursery Crime" mit ihrem Stück "The Return Of Giant Hogweed" diese Pflanze besangen.
Aber egal. Diese Pflanze muß mit Stumpf und Stil ausgemerzt werden, nicht nur oberflächlig abgehackt. Nur dann kann man ihrer noch Herr werden.
Und das in einer Zeit, wo allenthalben Geld fehlt und gerade in Sachen kommunalen Umwelt- und Naturschutz rigoros eingespart wird.
Gruß

24.07.2012
15:34
Gefährliche Herkulesstaude breitet sich entlang der Ruhr aus
von knutknutsen | #4

Jedes Jahr nen schöner Sommerloch-Füller. Das Problem war schon in den 90ern zu meinen heiteren Uni-Zeiten bekannt.

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