Gastronomen zum Seerosenfest – „Kosten fressen uns auf“

Der Standort Unterwasser des Kettwiger Seerosenfestes – zwischen Ruhr und Altstadtkulisse.
Der Standort Unterwasser des Kettwiger Seerosenfestes – zwischen Ruhr und Altstadtkulisse.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
War der Vorgänger des Seerosenfestes die erste Gourmetmeile der Region, gibt es heute viel Konkurrenz. Die Gastronomen plädieren aber für Erhalt.

Essen-Kettwig.. Der Kassensturz am Ende des Kettwiger Seerosenfestes 2014 sorgte für Ernüchterung. 2000 Euro musste jeder der zehn Gastronomen, die sich an der dritten Auflage der Gourmetmeile beteiligt hatten, zuschießen. Gesunkene Besucherzahlen und gestiegene Kosten ließen die Veranstaltung in die Miesen rutschen.

2012 wurde die Meile an Ruhr und Stausee verlegt

Momentan ist nicht klar, ob das Seerosenfest Zukunft hat (wir berichteten). Vom 14. bis 16. August soll es in diesem Jahr stattfinden. Doch noch geben der Heimat- und Verkehrsverein (HVV) als Veranstalter und die Gastronomen kein grünes Licht. Reinhard Schriever vom Hotel-Restaurant Sengelmannshof war schon dabei, als der HVV 1998 mit der musikalisch-kulinarischen Meile den Vorgänger an den Start brachte. Damals nur von Samstag bis Sonntag, mitten in der Altstadt, auf dem Marktplatz und vor dem Rathaus. Und mit einem Alleinstellungsmerkmal, denn „die Kettwiger Meile war die erste Gourmetveranstaltung in der Region. Mittlerweile ist der Markt satt, es ist nichts Besonderes mehr. Und als Gastronom geht man da hin, um Geld zu wechseln. Die Sicherheitsauflagen haben sich drastisch erhöht, die Kosten steigen von Jahr zu Jahr“, sagt Schriever. „Aber das Seerosenfest wird stattfinden - wir stemmen das. Vielleicht in Zukunft in anderer Form.“

Nach der 14. Meile kam 2012 die Verlegung an Stausee und Ruhrufer. Einen Veranstaltungstag mehr hatten sich die Gastronomen gewünscht, doch Gespräche mit den Marktbeschickern, die auf den Freitag hätten verzichten müssen, verliefen im Sande. Mit dem Standortwechsel kam auch die Umbenennung in „Kettwiger Seerosenfest“. Die Resonanz war groß, die Besucher kamen von weit her. Sicherlich auch angezogen von großen Namen, denn sowohl Berthold Bühler mit seinem Team vom Zwei-Sterne-Restaurant „Résidence“ als auch Hugenpoet-Küchenchefin Erika Bergheim gehören zum festen Stamm der Kettwiger Gourmetfeste.

Zweigeteiltes Fest

Veranstaltungen Doch das Seerosenfest war von Beginn an zweigeteilt. Während einige Gastronomen ihren Platz Unterwasser hatten – zwischen der Ruhr, dem Mühlengraben und den angrenzenden Fachwerkhäusern – ging’s auf der anderen Seite weiter: jenseits der Ruhrbrücke, vor der wenig heimeligen Baustelle zum Wohnbauprojekt „Kettwiger Seepromenade“ am Stausee.

Dort ist während des Seerosenfestes der Stammplatz des Restaurant-Teams von „Der Bonner Hof“. Chefin Ursula Matzke-Stüllgens ist auch seit 1998 dabei, hat lediglich eine Babypause eingelegt. „Ich bin sicher, dass es dieses Fest auch weiterhin geben wird. Und wenn, dann bin ich auf jeden Fall dabei, denn ich bin vom Standort Kettwig hundertprozentig überzeugt.“ Eine Rückkehr in die Altstadt kann sie sich auch gut vorstellen, „damit der Einzelhandel wieder etwas von dem Fest hat – so wie es damals mit der Meile auch gedacht war“. Doch erneute Gespräche mit den Markthändler blieben erfolglos.

Markthändler wollen nicht auf den Freitag verzichten

Jörg Kaiser vom Hotel-Restaurant Schmachtenbergshof: „Wir dürfen das Fest nicht sterben lassen, denn wenn es in diesem Jahr nicht stattfindet, ist es tot. Die Kosten fressen uns zwar mittlerweile auf, aber wir werden das hinkriegen – wir müssen das hinkriegen.“