Familienfest im Flüchtlingsheim

Mir ist ganz heiß, drum Wassereis: Diese drei jungen Damen gönnten sich eine erfrischende Abkühlung.
Mir ist ganz heiß, drum Wassereis: Diese drei jungen Damen gönnten sich eine erfrischende Abkühlung.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das große Familienfest hilft den Bewohnern und macht einmal mehr eindrucksvoll auf deren oft sehr traurige Lebenssituationen aufmerksam.

Essen-Werden.. „Es wird Zeit, dass das Flüchtlingsheim am Löwental wieder in den Vordergrund rückt.” Mit dieser Aussage gibt „Werden hilft”-Initiator Andreas Brinck den Takt für das Familienfest für, das an diesem Sonntag viele Werdener auf das Gelände der Unterkunft für Asylbewerber lockte. Dort haben die kleinen Bewohner zusammen mit den Besuchern die Hüpfburg zum Wackeln gebracht, auf die Torwand geschossen oder sich zu Löwe und Tiger umschminken lassen, während die Großen bei Würstchen, Kuchen und Softdrinks angeregte Gespräche führten.

Ursprünglich hatte sich das Netzwerk „Werden hilft” gegründet, um die Flüchtlinge zu unterstützen, die ins geplante Übergangsheim auf dem Kutel-Gelände untergebracht werden sollen. „Doch kürzlich ist bei einem unserer Treffen der Gedanke gereift, dass wir auch den Menschen helfen sollten, die bereits jetzt in Werden Schutz suchen – eben hier im Löwental”, so Brinck.

Jubb am Wesselwerth

Da kam das Familienfest, das das Jugend- und Bürgerzentrum (Jubb) am Wesselwerth initiiert hat, gerade recht. So gehören die Mitglieder des Netzwerks zu den vielen Helfern, die das Fest auf die Beine gestellt haben, um Geld für ein Spielgerät zusammenzubekommen – aber auch, um Hemmschwellen zwischen den Flüchtlingen und Werdenern zu überwinden. Und das hat bereits im Vorfeld bestens geklappt.

„Alle Bewohner bringen sich ein”, freut sich Monika Mathiszik vom Jubb. Viele hatten bereits bei den Vorbereitungen mitgeholfen und auch beim Fest selbst standen sie am Grill oder betreuten die Spielangebote zusammen mit anderen Helfern – etwa vom Jugendamt, vom Caritasverband, der Evangelischen Kirchengemeinde, den Kitas Rummeplott und Christi Himmelfahrt, dem Awo-Jugendwerk oder dem Kindergarten „Budenzauber“.

Andere Besucher freuten sich ganz einfach über das bunte Programm – wie etwa Stefan Loos, der sich die Jazz-Band „Mallalatett” zu Gemüte führte, die die musikalische Untermalung übernommen hat. „Die sind richtig gut”, lobte Loos – und dieses Urteil kam von einem echten Experten, schließlich ist er die eine Hälfte des Essener Gitarrenduos.

Loos’ Frau Inge Knaps kam derweil mit einem Bewohner des Hauses im Gespräch, der erzählte, warum er mit seiner Familie von Mazedonien nach Deutschland geflohen ist: „Ich hoffe, dass meiner Tochter hier geholfen werden kann”, so Vagfed Demov. Denn die gerade mal 15 Monate alte Sirma leidet unter einer Lippen-Kiefern-Gaumenspalte, die ihr die Nahrungsaufnahme erheblich erschwert. „In Mazedonien können wir uns die notwendige Behandlung einfach nicht leisten.”

Unterstützung

Doch auch in Deutschland laufe längst nicht alles reibungslos ab: „Man hat uns gesagt, wir müssen sechs Wochen warten, bis geklärt ist, ob Sirma hier behandelt werden kann – wenn es für uns schlecht läuft, werden wir in dieser Zeit aber wieder abgeschoben.” Inge Knaps versprach dem Familienvater Unterstützung: „Ich werde Sie bei den notwendigen Gängen zu den Ärzten und Behörden begleiten.”

Auch solche Begegnungen und spontanen Hilfsangebote machen das Fest zu einer wichtigen Veranstaltung. „Wenn man nach Deutschland kommt, dann ist nicht nur die Sprachbarriere für viele ein Problem”, betont Najibulla Ahmadsadah. „Man kennt sich auch nicht mit den Sozialgesetzen aus, weiß oft nicht, welche Behördengänge überhaupt alle notwendig sind, um sein Recht auch geltend zu machen.” Der Bezirksvertreter der Grünen weiß genau, wovon er spricht – ist er doch einst 1998 selbst als Flüchtling nach Deutschland gekommen und hat dort zunächst in einem Flüchtlingsheim in Höxter gelebt. „Kein wirklich schönes Leben”, erinnert er sich. Da ist es gut, dass Dinge wie das Familienfest das Leben der Flüchtlinge im Löwental wenigstens zeitweise verschönern.