Eröffnung des Treidelplatzes

Lagebesprechung: Freddy Kleinfeld, Angelika Schließmann, Hans Eisele, Dieter Kohnen, Mali Sirin sowie im Vordergrund der Heimatsvereins-Vorsitzende Carl-Hans Weber.
Lagebesprechung: Freddy Kleinfeld, Angelika Schließmann, Hans Eisele, Dieter Kohnen, Mali Sirin sowie im Vordergrund der Heimatsvereins-Vorsitzende Carl-Hans Weber.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Dieser einst so bedeutende Ort wird Ende des Monats offiziell eingeweiht. Heimatforscher erklären die Funktion vor allem für die Schifffahrt auf der Ruhr.

Essen-Werden..  Treidelplatz, das ist die offizielle Bezeichnung des Platzes unter der Gustav-Heinemann-Brücke in Werden – und so steht es auch im Amtsblatt der Stadt Essen. Deshalb lädt der Werdener Bürger- und Heimat-Verein, auf dessen Initiative der Platz so benannt wurde, der von der Brücke bis zur Anlegestelle reicht, die Bürgerschaft und auch alle anderen Interessierten am Samstag, 27. Juni, ab 16 Uhr zu einer feinen Einweihungsfeier ein. Der Biergarten „Werdener Wies’n“ öffnet an diesem besonderen Tag bereits um 12 Uhr. Also: hingehen.

Aaken wurden getreidelt

Im Vorfeld ist Peter Bankmann tief ins Archiv gestiegen und hat mitunter längst Vergessenes über diesen einst so bedeutenden Ort zutage gefördert. „In erster Linie soll der Treidelplatz an die ruhmreiche Schifffahrt im Ruhrtal erinnern.“

Wo heute die Gustav-Heinemann-Brücke steht, wechselte der Treidelpfad, also der Leinpfad, die Uferseite. Heute kaum noch vorstellbar: Die Ruhr (früher: Roer) zählte über 100 Jahre und zwischen 1780 und 1890 zu den wirklich stark befahrenen Schifffahrtsstraßen. Sie entspringt bei Winterberg, für die Schiffbarmachung eignen sich von den 220 nur 80 Kilometer – von Langschede bei Fröndenberg bis Ruhrort, wo zunächst 16 Ruhrschleusen entstanden.

Auch Werden war einst ein wichtiger Ort für die Ruhrschifffahrt, da hier bis ins Jahr 1830 die Ruhrzoll-Inspektion im Haus Heck ihren Sitz hatte und der Neukircher Hafen für allerlei Leben sorgte. Die Wartezeiten vor der Schleuse oder notwendige Reparaturen „zwangen“ die Schiffsleute zu Pausen. Werden wurde zu einer kleinen, aber geselligen Hafenstadt. Mit den rauen Aakesbaas (Ruhr-Schiffern) war sicher nicht zu spaßen.

Der Ruhrnachen oder auch Ruhraak war ein Plattbodenschiff ohne Kiel bis zu einer Länge von 34,50 Metern und einer Breite von fast fünf Metern. Bergauf wurden die Aaken getreidelt, also von Pferden über den Leinpfad mit einem bis zu 400 Meter langen Seil geschleppt, das am Mast befestigt war. Bei Fahrfehlern oder starker Strömung konnte es passieren, dass die Pferde ins Wasser gezogen wurden. Der Treiber hatte daher immer ein Messer dabei, um die Pferde bei Gefahr von dem Treidelseil zu befreien.

Wechselte der Leinpfad die Uferseite, wie an diesem Treidelplatz, mussten die Pferde auch die Seite wechseln – der „Überschlag“.

Um 1840 befuhren 377 Ruhraaken den Fluss, im Einsatz waren dabei 1508 Schiffer, 500 Pferde und 250 Treiber, 300 Austräger und sechs Lotsen. Pro Jahr wurden im Schnitt 45 neue Schiffe gebaut.

Der Ausbau der Eisenbahn und die Wanderung des Kohlenabbaus ins nördliche Ruhrgebiet bescherten der Ruhrschifffahrt 1890 dann aber das Aus.

In Werden erinnern noch heute die Schleuse Neukirchen und die Papiermühlenschleuse an die Zeit. Der Hafen Neukirchen, der sich etwa dort befand, wo heute das Clubhaus des Werdener Ruderclubs steht, verschwand mit dem Bau des Baldeneysees. Auf der Brehminsel ist der Nachbau einer Ruhraake auf dem Spielplatz aufgestellt.