Eltern müssen Schließdienst für Bolzplatz machen

Auf dem Bolzplatz der Schule an der Ruhr - am Standort Mintarder Weg - kann auch in den Sommerferien gekickt werden. Eltern haben einen Schließdienst organisiert
Auf dem Bolzplatz der Schule an der Ruhr - am Standort Mintarder Weg - kann auch in den Sommerferien gekickt werden. Eltern haben einen Schließdienst organisiert
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Wenn Anwohner nicht den Schließdienst für den Bolzplatz der Schule an der Ruhr übernommen hätten, bliebe die Anlage in den Ferien geschlossen.

Essen-Kettwig..  Wenn Kinder spielen, kann es auch schon mal lauter werden. Und das ist auch gut so. Wenn allerdings das Ruhebedürfnis von Bürgern und der Bewegungsdrang des Nachwuchses aufeinanderprallen, ist Ärger programmiert.

Und besonders am Thema Bolzplatz erhitzen sich die Gemüter. Die Anlage auf dem Gelände der Schule an der Ruhr am Mintarder Weg sorgt gleich zweifach für Probleme. Zum einen gibt es eine Familie, die auf der anderen Straßenseite wohnt und sich immer dann bei der Polizei beschwert, wenn die zulässigen Öffnungszeiten - um 16 Uhr im Winter und um 19 Uhr im Sommer muss Schluss sein - nicht eingehalten werden und wenn Kinder dort spielen, die älter als 14 Jahre alt sind. Denn auch das ist laut städtischer Satzung nicht erlaubt.

Die zweite Schwierigkeit: Da der Hausmeister der Schule für das Auf- und Zuschließen zuständig ist, hätten die Kinder den Bolzplatz in den Ferien nicht nutzen können. Und sein Dienst endet eh um 16.30 Uhr. Kein Kicken - wenn sich nicht sechs Familien, allesamt Anwohner der Anlage, bereit erklärt hätten, abwechselnd den Schließdienst zu übernehmen.

Dafür gab es von Sozialdezernent Peter Renzel auch lobende Worte und von einem Vertreter des Schulamtes den Schlüssel. Eine Lösung sei das allerdings nicht - findet Beate Moll, die sich seit vielen Jahren für den Bolzplatz engagiert. Sie machte ihrem Ärger bei diesem Gespräch auch Luft: „Warum ist die Anlage nicht generell geöffnet? Ich kann das gar nicht mit ansehen, wenn die Größeren außerhalb der Öffnungszeiten über den hohen Zaun klettern, um Fußball zu spielen und sich die Kleinen durch ein Loch zwängen müssen.“

Anspruch auf Nutzung der Anlage

Eric Stein, der mit seiner Frau und vier Kindern in unmittelbarer Nähe wohnt: „Wir haben uns trotz des Fluglärms bewusst hier für Kauf eines Hauses entschieden - wegen der Sportanlage. Und wir kommen heute auch nicht als Bittsteller, sondern die Kinder haben einen Anspruch darauf, diese öffentliche Anlage zu nutzen. Wir haben auch die Nase voll von Bürgern, die dagegen kämpfen.“

Seine sicherlich provokativ gestellte Frage an Peter Renzel: „Warum nehmen wir nicht einfach die radikale Lösung und bauen den Käfig ab?“

Guntmar Kipphardt stößt die Diskussion um eine Satzungsänderung an. „Wenn Kinder spielen, ist das kein Lärm. In dieser Hinsicht hat sich viel getan. Vielleicht sollte man die städtischen Vorgaben mal hinterfragen und schauen, ob sie noch zeitgemäß sind.“

Peter Renzel erinnerte daran, „dass wir hier eine besondere Situation haben, denn die Anlage befindet sich auf einem Schulgrundstück - und alle Schulhöfe haben nun einmal bestimmte Zeiten“. Doch vielleicht könne man etwas in Richtung Spielplatzpatenschaft machen. „Die Mitarbeiter des Kinderbüros können da bestens beraten“.

Generelle Öffnung sei problematisch

Eine generelle Öffnung sei allerdings mehr als problematisch, weil es „in anderen Stadtteilen auf den Bolzplätzen nicht immer so friedlich zugeht wie in Kettwig. Wenn dort ältere Jugendliche die Anlagen nutzen dürften, kommen oftmals die Kleinen nicht mehr zum Zuge. Und wir machen keine eigene Satzung für Kettwig.“

Die Situation um den Bolzplatz am Mintarder Weg bleibt eine Hängepartie. Fakt ist: Bereits im dritten Jahr kümmern sich Anwohner darum, dass die Kinder in den Ferien dort spielen können. Der Belag ist mittlerweile in einem schlechten Zustand, der Basketballkorb kann nicht mehr genutzt werden. Es besteht dringender Sanierungsbedarf.

Übrigens: Auf der Straße dürfen Kinder bis 22 Uhr spielen.