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Pfingst Open Air

Eher geschmeidiger Natur

28.05.2012 | 16:51 Uhr
Eher geschmeidiger Natur
Verstärkte Sicherheitskontrollen und Tascheninspektion beim Pfingst Open Air.

Essen-Werden. So früh, so voll. Das Pfingst Open Air 2012 zieht. Völkerwanderung schon am zeitigen Nachmittag Richtung Löwental, Richtung Festivalgelände. Gewachsen ist es stetig, und aufgewachsen sind die Generationen mit ihm. Ein Klassiker und eine der letzten „umsonst und draußen“- Veranstaltungen. Es hat sich früh etabliert und auch gehalten.

Ausnahmezustand

An die 20 Mal war ich mit dabei, anfangs als kleiner Steppke von gaaanz weit hinten, mit den Jahren dann schaute ich von ganz vorn und auch Backstage gebannt zu, wie die Musiker die ganze Sache angingen: Wie sie die Verzerrerpedale der Bodeneffektgeräte malträtierten, oder wann so mancher Stromgitarren-Held die Tonabnehmer seines Instrumentes in Echtzeit modifizierte, damit zum Beispiel das Solo genau so klang wie auf dem Album.

Beim Pfingst Open Air konnte man seinen Stars immer schon sehr nahe kommen - und zu nahe kommen die Besuchermassen während des Ausnahmezustandes den Werdener Anliegern im Löwental dann auch schon mal ein wenig. Während unsereins sich dem Getümmel der Generationen mal flugs mit einem Huscher über die Brücke entziehen kann, hat das Ehepaar Hautz „der Belagerung die vergangenen 22 Jahre am Stück standgehalten“ und auch ein paar Anekdötchen parat...

Michael „Mike“ Hautz zieht mit einem massiven Augenzwinkern „seine Akkreditierung“ hervor, ohne die unser Hallenwart wohl sein Haus und seinen Hof nicht mehr so einfach betreten können wird...

Einzäunung der Privatgelände während des Zeitfensters der Großveranstaltung ist das Stichwort. Scheinbar sind diese Zäune wohl nicht immer ausreichend untereinander vertäut gewesen, sodass sich mancher durch Alkohol verwirrte Wildpinkler dann doch seinen torkeligen Weg zum schnuckeligen Privatgarten bahnen konnte. „Dann muss man halt auf der Lauer liegen“ stellt das Ehepaar trocken fest. Die beiden sind Country-Musik-Fans und wirklich alles andere als Spießer.

Unfreundlich seien die jungen Leute ja eigentlich nie gewesen, auch wenn man sie auf frischer Tat bei perfiden Bierschmuggel-Manövern in die Glasprohibitionszone des Festivalgeländes erwischt hatte. Zielstrebig und bestimmt habe man die Hopfen-Täter des Privatgeländes verwiesen - sagt Dagmar Hautz und lächelt verschmitzt.

Nicht ungefährlich geht es für Familie Witzel während des Ausnahmezustandes zu. In ihrer unmittelbaren Nähe befindet sich die Flaschenschleuse. Sie dient dazu, harten Alkohol und vor allem Glas vom Festivalgelände fernzuhalten. Die „Vorglühmentalität“ der heutigen Generation findet hier ihr jähes Ende. So kommen dann schon mal Johnny Walkers oder Jim Beams hastig geleerte Hüllen im hohen Bogen über die heimische Hecke auf die Terrasse geflogen.

Der Flüssigkeitsverbrauch von tausenden Gästen und dessen unumgängliche Folgen wird die Beach-Anlage der WTB-Volleyballer wieder unter ein Pipi-Trommelfeuer stellen, das sich (nicht) gewaschen hat. Immer wieder ist die Verlockung für etwa 75 Prozent der männlichen Musikfans leider einfach zu gering, sich in megalange Warteschlangen vor den Dixi-Toilettenhäuschen einzureihen. Magisch zieht da der Zaun der Sportanlage nebst Botanik an...

Ob die WTB-Volleyballer und Leichtathleten sich auch erst akkreditieren müssen, um ihre Anlagen zu bewachen sei dahingestellt. Jedenfalls lief der behördlich geforderte Fluchtweg über den Sportplatz, was definitiv nach dem Loveparade-Unglück eine Premiere darstellt.

Organisator Gerd Dubiel hat definitiv mit der Auswahl seines musikalischen Programms die wirklich wüsten Combos zu Hause gelassen. Das so erreichte Publikum war an diesem Pfingstmontag dann auch wohl eher geschmeidigerer Natur.

Erik Reich

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