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Spindler-Villa

Der vergessene Bunker von Essen-Schuir

28.09.2013 | 12:00 Uhr
Gänsehaut-Atmosphäre: In dem riesigen Bunker-Gewölbe sind noch alte Telefonkabel erhalten. Durch die Decke bahnen sich Stalaktiten ihren Weg.Foto: Knut Vahlensieck

Essen.  Wer auf der Suche nach einem außergewöhnlichen, neuen Eigenheim ist, könnte An der Meisenburg in Schuir fündig werden. Dort steht die einstige Spindler-Villa leer, die neben 1200 Quadratmetern Wohnfläche einen der größten Privat-Keller der Stadt bietet: Ein riesiges Bunker-Gewölbe aus dem Zweiten Weltkrieg.

Der Anblick des riesigen Bunker-Gewölbes in 30 Metern Tiefe lässt den Betrachter in Ehrfurcht erstarren. Ganz ähnlich den Stalaktiten, die sich trotz meterdicker Betondecken ihren Weg ins Dunkel gebahnt haben. Die Luft in den breiten Röhren, in denen locker zwei Autos nebeneinander fahren könnten, ist feucht und kühl. Ein kleiner Frosch flüchtet hüpfend vorm Schein der Taschenlampe. Von der Decke hängen alte Funker-Kabel. In einem der unzähligen Gewölberäume verrottet eine Toilette, woanders nagt der Zahn der Zeit an einem rostigen Bettgestell. Nicht nur das Klima hier unten verursacht Gänsehaut. Schon nach dem ersten Treppenabsatz auf dem Weg in die Tiefe erinnert ein auf die Wand gezeichnetes, gelbes Hakenkreuz an die dunkelste Zeit dieser Mauern.

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Eine alte Villa in bester Lage. Ein wenig renovierungsbedürftig vielleicht. So weit nichts Besonderes, allerdings befindet sich unter dem Anwesen eine alte Bunkeranlage.

Der einstige Generaldirektor der Stinnes-Zechen, Walter Spindler, ließ den massiven, nüchternen Bau zwischen 1931 und 1935 recht versteckt An der Meisenburg mit weitem Blick ins Ruhrtal für sich und seine Familie errichten. Offenbar wohl wissend, dass der Krieg kurz bevor stand. „Unseren Informationen nach sollte im Falle eines Krieges im Bunker das gesamte Stinnes-Archiv gelagert werden. Wir vermuten, dass da unten auch gearbeitet wurde, das Gewölbe verfügte ja über eine komplette Infrastruktur“, erklärt Heiko Kirschstein, Geschäftsführer der Pro Casa Immobilien GmbH, der die beeindruckende Immobilie zurzeit im Auftrag von Eigentümer Jochen Roeser vermarktet.

Grundstück mit Tennisplatz

Die einstige Spindler-Villa, die der Generalbevollmächtigte der Stinnes-Zechen zwischen 1931 und 1935 erbauen ließ.

Der Essener Unternehmer hatte ursprünglich 2009 mit seiner vier Generationen umfassenden Familie dort einziehen wollen. „Wir entschieden uns schließlich für ein anderes Objekt, ganz in der Nähe meines Elternhauses. Wenngleich mein Herz an diesem Ort hängt; wir hatten bereits alle Räume verplant“, sagt Roeser. Über Platzmangel könnte sich sein potenzieller Nachfolger nicht beschweren: Allein die Wohnfläche bietet über 1200 Quadratmeter Fläche auf drei Etagen, hinzu kommt ein 5360 Quadratmeter großes Grundstück inklusive Tennisplatz. Einer der größten, privaten Bunker der Stadt natürlich noch nicht mitgerechnet.

Über dessen Nutzung während des Zweiten Weltkriegs liegen keine Dokumente vor. „Spannend ist, dass der Bunker auch in den ursprünglichen Architekten-Plänen überhaupt nicht eingezeichnet ist. Dort ist lediglich eine Abstellkammer zu finden“, sagt Frank Kups, Architekt bei Pro Casa. Allein die Größe des Gewölbes – nur der Hauptgang des Bunkers ist gut 300 Meter lang – lässt jedoch darauf schließen, dass dem versteckt gelegenen Haus in Nazi-Deutschland eine besondere Rolle zukam.

Bunker eignet sich leider nicht als Weinkeller

Für Jochen Roeser war der Bunker vor vier Jahren eine echte Überraschung: „Kurz vor dem Kauf haben wir uns die Anlage mit Vertretern der Feuerwehr und des Bundes für Naturschutz angesehen. Zudem schaut einmal im Jahr jemand von der Stadt nach dem Rechten.“ Ursprünglich hatte Roeser darüber nachgedacht, in einem Teil des Bunkers einen Weinkeller einzurichten, verwarf die Idee aber wieder: „Der Weg für ein gutes Gläschen wäre doch zu weit.“

 

Vergessener Bunker unter der...

Unternehmer Jochen Roeser hat bereits viel Arbeit in das riesige Anwesen gesteckt, das direkt an das Landschaftsschutzgebiet grenzt. So entkernte er die Immobilie vom Keller bis ins Dachgeschoss bereits komplett, womit drei völlig leere Etagen zur Verfügung stehen. Elemente wie der Eingangsbereich mit den Original-Fliesen aus den 1930er Jahren und das alte Holz-Treppenhaus blieben erhalten, der Rest ist sanierungsbedürftig. Zum Kaufpreis in siebenstelliger Höhe kommt also noch ein entsprechender Renovierungs-Aufwand hinzu. Derzeit würden bereits Gespräche mit potenziellen Käufern geführt, die künftige Nutzung ist noch völlig unklar.

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Kommentare
29.09.2013
11:07
Der vergessene Bunker von Essen-Schuir
von Siggi333 | #3

Es muss noch etwas hinzugefügt werden.Die Klinik wurde nicht aus Platzmangel aufgegeben sondern aus Kostengründen.Teilweise war die Klinik überhaupt...
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Der vergessene Bunker von Essen-Schuir
Der vergessene Bunker von Essen-Schuir
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/kettwig-und-werden/der-vergessene-bunker-von-essen-schuir-id8499012.html
2013-09-28 12:00
Essen,Schuir,Bunker,Zweiter Weltkrieg,Verkauf
Kettwig und Werden