Das Waldhaus ist ein Zuhause auf Zeit

Das Waldhaus ist ein ehemaliges Zechenhaus, das mit viel Engagement saniert wurde.
Das Waldhaus ist ein ehemaliges Zechenhaus, das mit viel Engagement saniert wurde.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mit dem Waldhaus hat Hannelore Bartsch einen Treffpunkt für Menschen mit Behinderungen geschaffen.

Essen-Werden..  Die dicken Mauern des ehemaligen Zechenhauses halten die Sommerhitze fern. Innen ist es kühl, die Atmosphäre heimelig, durch die vielen Fenster fällt das Sonnenlicht. Hannelore Bartsch hat vorzubereiten, denn an diesem Morgen plant sie mit den Menschen, die sich regelmäßig im Waldhaus an der Straße Pörtingsiepen treffen, einen Ausflug.

Es sind Menschen mit Behinderungen, die bei ihr im Waldhaus ein Zuhause auf Zeit gefunden haben. „Immer samstags treffen wir uns“, sagt sie. „Wir wandern, wer kann, fährt mit dem Fahrrad. Wir duzen uns hier alle, sitzen gemeinsam mit den ehrenamtlichen Helfern um den großen Tisch.“

An diesem Morgen geht es in den Essener Norden. Zum Das Phänomania Erfahrungsfeld auf dem Gelände der Zeche Zollverein. Auch Heike wird mitfahren. Die 51-Jährige kommt schon seit Jahren ins Waldhaus. „Ihre Eltern hatten einen Malerbetrieb in Werden“, erzählt Hannelore Bartsch. „Sie ist ein ganz lieber Mensch, nur manchmal ein bisschen traurig.“

Seit weit über 40 Jahren engagiert sich Hannelore Bartsch für Menschen mit Behinderungen. Anlass war damals die Erkrankung ihres Sohnes Stefan. „Andere gingen nicht gut mit ihm um. Auf einem Spielplatz haben ihn Kinder bis zum Hals im Sand eingegraben. Das war schrecklich. Ich wollte nicht darauf warten, dass so etwas noch einmal passiert und ein Umfeld schaffen, in dem sich Menschen, die Einschränkungen haben, auch wohl fühlen können.“ Stefan ist heute 46 , arbeitet in einem Café in Kray. „Er ist selbstständiger als ich“, sagt Hannelore Bartsch und lacht.

Sie gründete den Ökumenischen Arbeitskreis für Behinderte, fand wenige, aber engagierte Helfer, die ihre Begeisterung teilten. Und auf Initiative des damaligen Bezirksbürgermeisters Hanslothar Kranz auch so etwas wie ein Zuhause. „Er rief mich an und erzählte, dass an der Straße Pörtingsiepen ein altes Zechenhaus steht, das abgerissen werden soll.“ Der Kommunalverband Ruhrgebiet übertrug ihr und ihrem Mann Siegfried das Haus - „doch dann begann erst die Arbeit“, sagt Hannelore Bartsch. Siegfried Bartsch, die beiden Söhne und Eltern der Schützlinge von Hannelore Bartsch packten an. „Überall roch es feucht, es musste so viel getan werden“.

Heute ist das Waldhaus ein kleines Paradies, mit viel Grün vor der Tür und einem Garten, „für den ich gut noch etwas Hilfe gebrauchen könnte“, sagt Hannelore Bartsch, denn „manchmal fehlt mir einfach die Kraft.“ Gebrauchen könne sie außerdem noch ein Gartenhäuschen und neue Auflagen für die Gartenmöbel“. Spenden sind herzlich willkommen, betteln war allerdings nie das Ding von Hannelore Bartsch. „Einmal im Jahr bekommen wir finanzielle Unterstützung von einer Stiftung.“

Der Kontakt zu Hanslothar Kranz ist nach wie vor eng. „Er stand von Beginn an an meiner Seite. Und wenn es irgendein Problem gibt, ist er zur Stelle.“ An einer Wand des Waldhauses hängen Zeitungsartikel über den Werdener Politiker. Aber auch unzählige Bilder, „die ich gemeinsam mit unseren lieben Menschen gemalt habe“.

Im Sommer sitzen die Waldhaus-Gäste viel im Garten. „Wir essen dann dort und feiern oder sitzen einfach zusammen und quatschen.“

Heike hat dem Gespräch aufmerksam zugehört. Sie lächelt ein wenig. „Sie freut sich auf den Ausflug“, sagt Hannelore Bartsch.