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Auf den Spuren des Werdener Talers

27.12.2011 | 14:59 Uhr
Auf den Spuren des Werdener Talers
Heinz Josef Kramer half bei der Recherche zum Thema Werdener Taler.

Essen-Werden. Ein ganz profaner Anlass brachte mich dazu, diese Geschichte zu schreiben: Für selbstgebackene runde Plätzchen brauchte ich einen Namen und nannte sie, weil mir im Moment nichts anderes einfiel, „Werdener Taler“. Nun wurde ich gefragt. Nach dem Warum und Woher.

Eine der ältesten

Münzstätten des Landes

Was macht man dann? Man beginnt zu recherchieren und ist plötzlich mitten drin: 1724 und weiter zurück auf 1670 und liest, dass Werden schon 974 das Münzrecht erhielt. Werden ist eine der ältesten Münzstätten in Deutschland.

Auf den Spuren des, oder, besser gesagt, der Werdener Taler half mir ein Experte der Numismatik (Münzhistorie) – der ehrenamtliche Betreuer dieses Bereichs beim Ruhr-Museum, Heinz Josef Kramer.

Die nach seiner Meinung älteste Werdener Münze sei ein Denar des Kaisers Heinrich IV. (1084-1106), der eine ziemlich große Verbreitung gehabt haben müsse, denn er sei immer wieder geprägt worden.

Ein Vorgänger Kramers im Ehrenamt, Hans Spaeth, hat im vergangenen Jahrhundert festgestellt. „dass von den 34 Äbten, die seit der Erwerbung des Werdener Münzrechts regierten, nur 13 von diesem Recht Gebrauch machten“.

Dazu gehörten jedenfalls Abt Adolphus IV. Borcken (1667-1670), der einen Werdener Taler herausbrachte (eine dieser Münzen ersteigerte die Stadt Essen 1944 in der Schweiz), und Abt Theodor Thier (1719-1727), der 1724 jenen Werdener Taler prägen ließ, der sich auch späterhin großer Beliebtheit erfreute. Denn 1959, zum 1150. Jubiläum von Werden, wurde er „wiederentdeckt“: Die Sparkasse ließ diesen Reichstaler nachprägen.

Von 1973 bis 1975 wurde noch einmal eine Anfertigung herausgebracht. Von der Umschrift ist auf der Vorderseite abzulesen: „Theodorus“ und „Werdinensis“. Der Titel: „Theodor von Gottes Gnaden des Heiligen Römischen Reiches Abt von Werden und Helmstedt“.

Die Rückseite des Talers zeigt das Werdener Kloster und darüber, in den Wolken, den heiligen Ludgerus. Der Taler hat einen Durchmesser von 41,9 Millimeter und wiegt 29,25 Gramm. Vom viertletzten Abt von Werden, Anselm Sonius, wurde 1756 ein weiterer Taler herausgegeben, der dem von 1724 aufs Haar gleicht.

Abt Sonius machte zum letzten Mal Gebrauch vom Werdener Münzrecht. Er förderte auch das wirtschaftliche Leben in seinem Ländchen Werden, ließ eine Porzellanfabrik in Heisingen errichten, eine Glasfabrik in Werden und gründete zusammen mit einem Kaufmann eine „Gesellschaft zur Beförderung von Kohle auf der Ruhr“.

Ein Streit mit

Friedrich dem Großen

1765 geriet er mit Friedrich dem Großen in Streit, weil die Preußen viel Geld für die Verpflegung ihrer Truppen forderten. Der Alte Fritz ließ den renitenten Abt verhaften und unter militärischer Bewachung bei den Kapuzinermönchen so lang festhalten, bis das geforderte Lösegeld von 10 000 Reichstalern bezahlt war.

Hans Spaeth meinte dazu in einem Aufsatz: „Da zu diesem Taler keine Stückelungen (Sechstel- und Zwölfteltaler) geschlagen worden sind, liegt die Vermutung nahe, dass ein großer Teil von ihnen dazu diente, jene 10 000 Reichstaler voll zu machen, das Lösegeld“.

Heinz Josef Kramer, der die Schätze der Numismatik in Essen nicht nur hütet, sondern dafür sorgte, dass seit 1991 der Bestand dieser Objekte von 5721 auf 19 643 (2008) aufgestockt werden konnte, wacht im Ruhr Museum auch über 85 Münzen aus Werden.

Darunter liegt ihm der Taler von 1724 besonders am Herzen. Er hat alle diese Münzen akribisch aufgelistet, und so kommt man auf etwa zehn Werdener Taler. Wie rohe Eier behandelt Kramer jene historischen Essener Münzen, die nach dem 2. Weltkrieg aus dem Brandschutt heraus gekratzt wurden.

Seit etwa zehn Jahren können sich auch private Münzsammler beim Ruhr Museum in vereinbarten Sprechstunden Rat und Anregung holen. Der Service ist kostenfrei.

Ohne die kundige Führung durch Heinz Josef Kramer hätte das Journalisten-Team wohl lange suchen müssen, um den Werdener Lieblingstaler von 1724 zu finden. Hätten wir doch bloß schon im Kulturhauptstadtjahr mit dem Finger auf den Silberling gezeigt. Das wäre für alle ein Erlebnis geworden.

Was wäre aber, wenn sich noch einmal - wie im Jahr 1959 - ein Sponsor aufraffen würde, um den Werdener Taler von 1724 ins Leben zurück zu rufen? Er könnte als Auszeichnung gelten für verdiente Bürger.

Der Werdener Taler, vielleicht ein Hoffnungsträger in der Euro-Krise?

Felicitas Kaptein

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http://www.derwesten.de/staedte/essen/kettwig-und-werden/auf-den-spuren-des-werdener-talers-id6194856.html
2011-12-27 14:59
Kettwig und Werden