Anrollern fürs Friedensdorf

Auf dem Porthofplatz in Essen-Werden luden die Vespa-Fans zu einer Benefiz-Aktion ein.
Auf dem Porthofplatz in Essen-Werden luden die Vespa-Fans zu einer Benefiz-Aktion ein.
Foto: WAZ

Essen-Werden..  Da staunten die Friedensdorf-Kinder nicht schlecht: Über 100 Motorroller sind am Samstag hupend und knatternd auf dem Dorfplatz der Heimeinrichtung in Oberhausen vorgefahren.

„Es sind wahnsinnige 4200 Euro insgesamt zusammen gekommen. Im Dorf selber waren die Kinder so begeistert von den Rollern, dass die Leitung die Kleinen auf unseren Rollern langsam im Dorf mitfahren ließ. Selbst die starken Rollerfahrer unter uns waren gerührt und hatten feuchte Augen.“ Carsten Schulz, Klub-Chef des AVR (Altblech Vespa Ruhrgebiet) zog Bilanz des Treffens von rund 150 Vespa-Fahrern auf dem Porthofplatz.

Wegen behördlicher Probleme wurde der offizielle Korso abgesagt. Schulz, 36, Sparkassen-Mitarbeiter: „Aber Kleingruppen fuhren ab 14 Uhr mit ihren Rollern ins Friedensdorf nach Oberhausen. Den Kindern hatten wir einen Besuch versprochen und wollten dies auch einhalten.“

Bei Sonnenschein, Kaffee und Kuchen wurden 120 Lose innerhalb von 20 Minuten auf dem Porthofplatz - mittlerweile zum kleinen Mekka der Vespa-Liebhaber avanciert - verkauft. Dazu gab es eine Versteigerung von T-Shirts und Reparatur-Gutscheinen, immer zu Gunsten der Friedensdorf-Kinder.

Allen Teilnehmern an diesem Wochenende ist die Liebe und Leidenschaft zur Vespa gemein. Die Alterspanne reichte von 18 bis 78 Jahren. Sie alle verbindet der Spaß an dem besonderen Fahrgefühl, einem gemütlichen Stil.

Es reihte sich eine Vespa an die nächste. Ob rot, orange, lila oder silber - die gesamte Farbpalette fand sich auf dem Parkplatz neben dem Mariengymnasium wieder. Die weitesten Teilnehmer rollten aus Lohne und Nienburg in Niedersachsen an. Sonstige Kennzeichen aus dem Ruhrgebiet: DU, GE, BOT, WES, ME, HER, OB, RE. Das älteste Modell wurde 1960 gebaut.

Carsten Schulz und Ehefrau Ines fahren seit Mitte der 1990er Jahre den Kult-Roller, für den Liebhaber-Preise gezahlt werden. „Die Vespa - italienisch für Wespe - heißt so, weil der Motor summt wie eine Wespe“, schwärmt Schulz, der mit 15 Helfern das Treffen vorbereitet hat.

Welches Gefühl ihm das Fahren vermittelt? „Das kann man schwer beschreiben. Man sollte es einfach selber einmal ausprobieren und sehen was es auslöst, wenn man mit einer Gruppe Vespas unterwegs ist! Wir lieben es, die Roller zu erhalten und somit deren eigene Geschichte auf der Straße zu bewegen.“

Welchen Typ er fährt, werkelt und schraubt? „Ich habe mich auf die PX Serie eingeschossen. Wir schrauben fast alle selber daran. Oft unternimmt der Freundeskreis des AVR größere und kleine Touren im Ruhrpott. Die Schaltrollerszene im Ruhrgebiet ist sehr aktiv. Oft werden Ausfahrten zu befreundeten Vespa-Clubs in Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen oder Duisburg abgehalten. Die unterstützen uns auch bei unserer Charity Veranstaltung,“ sagt Schulz.

Besucher Alfred Munsch war einer der ersten Vespa-Fahrer in den 1950er Jahren in Werden: „Damals noch ohne Helm und Schutz, wir legten uns dreimal hin, alles ist gut gegangen. Das ist hier heute pure Nostalgie, und ich bewundere die Teilnehmer und deren Engagement für das Friedensdorf Oberhausen.“