Kettwig, ein Phänomen

Wenn man Stadtteil-Lokalpatriotismus an der Art öffentlicher Wortspiele messen kann, dann ist die Meisenburgstraße, von Süden aus betrachtet, die perfekte Metapher: Erst kommt Kettwig und dann ganz lange nichts. Kein anderer Stadtteil wie Kettwig wird so oft bemüht für Marken-, Geschäfts- und andere Namen.

Gestern fuhr ich hinter dem Auto einer Fahrschule aus Kettwig her, ich las die Werbeaufschrift: „Kett-Car“. Außerdem gibt es in Kettwig ein Modegeschäft, das heißt „Kett-Walk“, und „MarKett“ gibt es auch, glaube ich. Lebensmittel. Und die anderen Stadtteile? Nichts dergleichen! Haben Sie je erlebt, dass es einen Friseur an der Stadtgrenze zu Mülheim gibt, der sich schlichtweg „Haarzopf“ genannt hat? In Kettwig gibt es „Kett-Car“, doch warum nennt sich keine Fahrschule im Osten der Stadt „Kraysverkehr“? Warum gibt es keinen metallverarbeitenden Betrieb im Südosten, der „Kupferdreh“ heißt? Oder ein „Angelgeschäft Fischlaken“, das von mir aus auch Bettzeug führt? Und keine Seniorenstifte mit Filialen in Altendorf, Burgaltendorf, Altenessen?