Keine Sperrzone mehr im Wald

Die grüne Sperrzone ist aufgehoben. Auch wenn es keine Betretungsverbote mehr für den Essener Wald mehr gibt, sollten die Flächen abseits der Hauptwege möglichst gemieden werden. So drohen etwa im Schellenberger Wald viele vom Orkan Ela stark beschädigte Bäume jederzeit umzukippen.
Die grüne Sperrzone ist aufgehoben. Auch wenn es keine Betretungsverbote mehr für den Essener Wald mehr gibt, sollten die Flächen abseits der Hauptwege möglichst gemieden werden. So drohen etwa im Schellenberger Wald viele vom Orkan Ela stark beschädigte Bäume jederzeit umzukippen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Elf Monate nach dem Orkan Ela bekommt die Stadt keine Ausnahmegenehmigung für weitere Verbote. Spaziergänger müssen selbst auf mögliche Gefahren achten.

Essen.. Jetzt ist es endgültig: Die Sperrzone für den Essener Wald ist vollständig aufgehoben. Schon Ende März lief die Ordnungsverfügung des Regionalforstamtes Ruhrgebiet für ein allgemeines Betretungsverbot aus. Nun wird für Essen auch keine Ausnahme gemacht. Wie berichtet, hatte Grün und Gruga (GGE) wegen der verheerenden Verwüstungen durch Orkan Ela den Antrag gestellt, dass die städtischen Waldflächen südlich der A40 bis auf 29 Hauptwege für die Erholungssuchenden weiter tabu bleiben. Doch der Ruhr-Metropole wird keine Sonderrolle zugesprochen.

Der 1750 Hektar große Wald kann ohne Einschränkungen aufgesucht werden. Aber: „Jeder ist für sich selbst verantwortlich“, betont Michael Börth von „Wald und Holz NRW“. Sowohl die Regionalforstbehörde wie auch Grün und Gruga appellieren an alle Waldbesucher, weiter besonders vorsichtig zu sein und auf herabstürzende Äste und wacklige Bäume zu achten.

Das Landesforstamt Ruhrgebiet stuft die Risiken, die von den sturmgeschädigten Bäumen ausgehen, inzwischen als „waldtypische Gefahren“ ein, auf die sich jeder Besucher einstellen muss. Heißt: Der Zutritt zum Wald ist erlaubt, aber „auf eigene Gefahr“.

Städtischer oder privater Wald?

Die Regionalforstbehörde befürchtet, dass sich ein zu lange geltendes Verbot sozusagen „abnutzen“ könnte. Ela liegt schon fast ein Jahr zurück. „Inzwischen hatten wir Christian und Niklas, und vor wenigen Tagen war hier wieder Sturm“, berichtet Börth. „Wir haben eine Verkettung von extremen Wetterereignissen.“ Auf die könne man aber nicht immer mit einem Waldverbot reagieren. Wichtiger sei es, die Waldbesucher zu mehr Vorsicht anzuhalten. „Wir wollen deren Blick schärfen und sie in die Lage versetzen, potenzielle Gefahren selbst zu erkennen“, sagt Börth. Da lautet die erste Regel: „Passt im Wald auf euch auf – immer“

Grün und Gruga (GGE) kann die Argumentation des Landesforstamtes nachvollziehen. Zumal „die Besucher auch nicht erkennen können, ob sie sich gerade in einem städtischen oder in einem privaten Wald befinden“, weiß GGE-Sprecher Eckhard Spengler. Und was für einen Sinn macht ein Verbot, wenn es gleich hinter der Grundstücksgrenze auf privatem Boden nicht mehr gilt, obwohl auch dort geschädigte Bäume umknicken könnten?

Appell an Landesregierung

Die Besucher müssen nun selbst einschätzen, ob sie einen bestimmten Wanderweg passieren wollen oder lieber umkehren und einen anderen Pfad einschlagen. GGE-Sprecher Eckhard Spengler rät dazu, achtsam zu bleiben. „Ich selbst schaue jetzt auch immer nach oben, wenn ich durch den Wald gehe. Dann sehe ich, ob möglicherweise Äste runterfallen könnten.“ Ein weiterer Tipp: „Benutzen Sie möglichst nur die Hauptwege, die von uns geprüft worden sind.“ Abseits der Wege und auf manchen Trampelpfaden drohen noch erhebliche Gefahren.

Die nach dem Orkan Ela aufgestellten Warnschilder lässt GGE stehen, um die Besucher stets an die Risiken zu erinnern. Rund die Hälfte des Essener Waldes befindet sich im städtischen Besitz. 170 Kilometer nutzbare Hauptwege sind inzwischen von Akutschäden geräumt und auch für Rettungsfahrzeuge nutzbar, teilte die Stadt mit. Viele kleinere Wege – gerade auch private – sind aber nach wie vor durch umgestürzte Bäume blockiert. Der städtische Umweltausschuss appellierte jüngst an die Landesregierung, dabei zu helfen, das Essener Wanderwegenetz wieder intakt zu setzen. Nach dem Orkan Kyrill hatte NRW im Sauerland auch eingegriffen.