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Keine Angst vor Wind und Wetter

26.01.2013 | 00:27 Uhr
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Keine Angst vor Wind und Wetter

Das Thermometer zeigt minus sechs Grad, ringsherum ist die Landschaft weiß getüncht und vom Wind werden langsam die Gesichtsmuskeln steif. Wenn man selbst am liebsten den Kopf unter die Bettdecke stecken möchte, dann strecken die Mädchen und Jungen aus Essens einzigem Waldkindergarten ihre Nasen in die klirrend kalte Luft.

Der ehrenamtliche Helfer Harald Reichelt hat schon mal ein kleines Feuerchen angezündet, während die dreijährige Louise noch nicht so richtig weiß, was sie nun nach dem Holzsammeln anstellen möchte. Dann zischt sie plötzlich los, rennt mit ihren gefütterten Stiefelchen zum Iglu, wo sich schon eine gehörige Anzahl bemützter Knirpse beschäftigt. Aufwärmen? Quatsch! „Mir ist doch nicht kalt“, sagt Louise noch und ist schon weg.

Eine typische Waldkindergarten-Szene. Im Mittelpunkt des Konzepts steht die Auseinandersetzung mit der Natur - auch bei Regen, Schnee und Kälte. Der Naturraum setze Grenzen, an denen sich die Kleinen „abarbeiten“ und wachsen könnten. Er ist in gewisser Weise jeden Tag gleich und biete somit Sicherheit, verändert sich aber auch abhängig von den Jahreszeiten und vom Wetter. „Dies bietet Raum für Entdeckungen und Entwicklung“, heißt es in der Eigendarstellung des Vereins.

„Wenn Schnee liegt ist es überhaupt kein Problem, die Kinder zu beschäftigen“, berichtet die Erzieherin Mareen Morgenroth, die sich trotz ihres Studiums der Sozialarbeit derzeit nichts Schöneres beruflich vorstellen kann als hier zu arbeiten. Sie ist eine von drei Erzieherinnen, die Tag für Tag die 20 Kinder zwischen drei und sechs Jahren am vereinseigenen Bauwagen in Empfang nehmen. Hier, hinter dem Ponyhof im Grugapark nahe der Lührmannstraße, hat der Verein eine Heimat gefunden. Und hier ist auch der Freiluft-Spielplatz. Der ist erheblich beliebter, als der Bauwagen, in dem die Kinder frühstücken und zu Mittag essen. „Da können sie sich beschäftigen, wenn ihnen kalt wird. Aber genutzt wird er nicht oft“, sagt die Erzieherin.

Bis auf wenige Ausnahmen ist handelsübliches Spielzeug tabu, weil es - anders als die Natur - die Phantasie zu wenig anregt. „Ansonsten machen wir aber das, was normale Kindergärten auch machen – nur draußen“, sagt Mareen Morgenroth. Montags und dienstags ist Waldtag, im Sommer häufiger. Dann geht's gemeinsam in den Wald nahe der Sternwarte in Schuir. Eine Plane schützt dort vor Regen, zur Not schlüpft man beim befreundeten Bauern unter.

Zu hart für manche Kinder? Abbrecher wegen des Wetters habe es noch nicht gegeben. Auch wenn die Nasen mal kalt werden.

Markus Grenz

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