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Keine Angst vor Intelligenzbestien

23.01.2008 | 21:28 Uhr

BILDUNG. Nach viel versprechenden Anfängen sollen die Grundschulen stärker als bisher auf hochbegabte Kinder achten.

Regine Schupetta erkennt ihren jüngsten Sohn kaum wieder. Vor ein paar Monaten noch ein verängstigtes Kind, das fast nach jedem Schulbesuch den Tränen nah war, jetzt ein selbstbewusster Schüler, der nach dem ersten halben Jahr am Gymnasium ein Zeugnis nach Hause gebracht hat, wie es besser nicht sein könnte. Von Deutsch bis Sport, von den Kopfnoten über Englisch und Religion: ein Sehr Gut steht da neben dem anderen - ausnahmslos bei Severin Schupetta.

Vor einem Jahr war das noch anders. "Ich musste um die uneingeschränkte Gymnasialempfehlung für Severin kämpfen", sagt seine Mutter. An der Altenessener Grundschule habe man seine Hochbegabung nicht erkannt. Severin selbst sagt, er sei "gedrückt" worden: Wenn er sich zu sehr über exzellente Noten freute, gab es anschließend Ärger auf dem Schulhof, erzählt er.

Solche Szenen soll es an Essener Schulen künftig deutlich seltener geben. Seit 2005 bereits arbeitet ein Netzwerk von acht Essener Schulen daran, hochbegabte Schüler frühzeitig zu entdecken und ihre Talente besser zu fördern. Im zweiten Halbjahr soll das wissenschaftliche Fazit vorliegen, doch bereits jetzt ist die Schulverwaltung überzeugt, dass es gelingt, das Expertenwissen dieser acht Schulen nutzbar zu machen, damit auch alle anderen Schulen in Essen von dem Knowhow beim Umgang mit Hochbegabten profitieren. Denn Hochbegabung kann zur Belastung werden. "Ein Schüler hat uns mal gesagt: Jetzt weiß ich endlich, was mit mir los ist. Ich habe gedacht, ich bin behindert", berichtet Petra Schreiber-Bartels von der Karg-Stiftung, die die integrative Förderung hochbegabter Kinder mit 16 000 Euro unterstützt hat. Damit es ihnen nicht so ergeht, wie Severin, der vor zu guten Zensuren zittern musste.

STEPHAN HERMSEN

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