Kein Platz für junge kreative Köpfe
19.10.2010 | 10:18 Uhr 2010-10-19T10:18:00+0200
Essen.Die Schattenseite der Kulturhauptstadt: Die „Freiraum 2010“-Initiative fürchtet eine Sackgasse. Im Juli hatte das Aktionsbündnis das ehemalige DGB-Haus besetzt. Dieter Gorny setzt sich weiterhin als Vermittler ein.
Im Internet können sich junge Künstler und andere Interessenten unter www.freiraum2010.de über die Ziele des Aktionsbündnisses, die Chronologie der zweitägigen Besetzung des ehemaligen DGB-Hauses und Solidaritätserklärungen befreundeter Initiativen informieren. Ansprechpartner ist Joscha Hendricksen unter Tel. 0176-22625851.Die „Freiraum 2010“-Gruppe trifft sich dienstags im Haus Storp 9, Storpstr. 9.Auch dazu sind alle Interessenten eingeladen, um über neue Aktionen zu beraten.
Essen ist nicht Stuttgart, aber auch hier gibt es Hängepartien - zum Beispiel bei der Frage, ob es für junge Kunstschaffende Entwicklungschancen in den eigenen Stadtmauern gibt, Freiräume für Arbeits- und Ausstellungsmöglichkeiten.
Nicht unbedingt ein schlagzeilenträchtiges Thema im Kulturhauptstadtjahr und seinen Leuchtturmprojekten. „Aber wir dürfen uns bei Ruhr 2010 nicht nur an steigenden Tourismuszahlen orientieren. Was kommt danach? Wie geht das Ruhrgebiet mit nachwachsenden Künstlern um, wie kann es deren Abwanderung verhindern? Wir müssen uns doch von der Vorstellung lösen, dass nur, weil sie nicht im städtischen Kulturetat stehen, sie keine Kultur machen.“ Der das sagt, ist ausgerechnet der künstlerische Direktor der Ruhr 2010 GmbH, Dieter Gorny. Auch er weiß, das sich überall im Revier leerstehende Räume befinden, die von jungen kreativen Köpfen genutzt werden könnten. In Essen zum Beispiel die ehemalige VHS, das Berufskolleg in Holsterhausen und auch das Jugendzentrum an der Papestraße.
Im Forum Kunst und Architektur am Kopstadtplatz nimmt er sich an diesem Vormittag viel Zeit für seine Vermittlerfunktion bei der Gruppe „Freiraum 2010“. Deren Kern, sagt ihr Sprecher Joscha Hendricksen, zählt 25 Mitglieder, aber es gebe weitere 200 Interessenten, Maler, Tänzer, Fotografen, Bildende Künstler.
„So lange wir noch keinen Raum haben, gehen wir eben auf die Straße“
Im Juli hat das Aktionsbündnis zwei Tage lang das ehemalige DGB-Haus an der Schützenbahn besetzt, weil die jungen Leute im dortigen, ehemaligen 220 Quadratmeter großen Verdi-Café eine Chance witterten, ein „Haus der künstlerischen Arbeit“ zu schaffen. Aber jetzt sind die Vermittlungsbemühungen von Gorny ins Stocken geraten, weil die Verhandlungen mit dem Hausbesitzer, der Berliner Vermögens- und Treuhandgesellschaft (VTG) des DGB, nicht vom Fleck kommen. Gorny will nicht resignieren, klagt aber: „Wir brauchen mehr Offenheit für solche Gespräche. Da müssen sich beide Partner bewegen, aber beim DGB sieht man das nur aus der Sicht der Immobilienwirtschaft - und das ist kurzsichtig.“ Die Zeit der „Geheimdiplomatie“ sei aber vorbei.
Jetzt ist plötzlich die Rede von Renovierungskosten in Höhe von mindestens 13000 Euro, weil Brandschutzauflagen in dem Verdi-Café erfüllt werden müssten. Das kommt den „Freiraum“-Suchern nicht geheuer vor, aber Gorny verspricht ihnen, anderswo Türen für ihr Projekt auftreten zu wollen: „Wir finden in der Nordstadt ein Domizil, aber das ist eine mühsame Angelegenheit. Wir müssen in Düsseldorf und Berlin dafür werben, dass sich kulturelle Investitionen in junge Leute lohnen. Auch neben seinen Kulturtempeln ist das Ruhrgebiet doch als Baustelle interessant.“ Deshalb wolle er auf die Suche nach Zuschussgebern für ein „Kunstprojekt temporärer Art“ gehen.
Auch der jungen Künstlergruppe ist klar, dass sie für ihr Anliegen Solidarpartner brauchen, eine Hoffnung könnte das Unperfekthaus sein. Joscha Hendricksen schwankt am Ende zwischen Hoffnung und Resignation: „So lange wir noch keinen Raum haben, gehen wir eben auf die Straße. Wir sind doch alle Stadtkünstler und brauchen ein Laufpublikum für unsere Aktionen. Deshalb wird es nicht leicht sein, ein vergleichbares Gebäude wie das ehemalige Verdi-Café in der Nordstadt zu finden.“
17:43
Zitat aus o.g. Artikel: ...eine Hoffnung könnte das Unperfekthaus sein.
Im Unperfekthaus sind bereits sehr viele Künstler, Internet-Gruppen, Computerleute, gesellschaftliche Initiativen usw. aktiv. Wir haben noch genug Kapazitäten für Gruppen, die sich einfach nur unter optimalen Bedinungen treffen wollen. Aber für bildende Künstler, die längerfristig Raum brauchen, die Dinge im Haus deponieren/ausstellen wollen, da haben wir ein echtes Platzproblem. Das UpH könnte doppelt so groß sein, es wäre auch dann voll...
Es gibt einfach unglaublich viele Menschen, die Ideen & Energie haben, die aber Freiräume brauchen. Und ich persönlich glaube, daß einfach nur ein leeres Gebäude nicht wirklich hilft! Das Konzept des Unperfekthauses ist, PUBLIKUM zu den Kreativen zu bringen. DAS ist der Engpaß. Unbekannte Künstler haben ein riesiges Problem, gesehen zu werden. Es geht nicht um den Raum, es geht um das Gesehen-Werden-Wollen.
Dieses Konzept Publikum zu den Kreativen bringen funktioniert im UpH inzwischen ziemlich gut, wir haben bis zu 350 Gäste pro Tag. Eigentlich müßte man versuchen, diese Aufgabe Publikum zu den Kreativen bringen auf die City Nord auszudehnen, das Unperfekthaus wird in Kürze dazu ein Konzept anregen. Aber es geht nicht alles so schnell wie man hofft, und ich freue mich, daß die Ruhr2010 mit der e-c-c-e soeben in diesem Sinne ein richtig gutes Video veröffentlicht hat. Ich hoffe, ich darf das hier verlinken:
http://www.2010lab.tv/video/kreativquartier-der-noerdlichen-innenstadt-essens
Reinhard Wiesemann
(Inhaber des Unperfekthauses)
14:37
Stefan Laurin kann man nur recht geben. Gorny stilisiert sich hier wahrlich als Retter der heimatlosen Kreativen und verfolgt im Grunde doch nur seine eigenen Karriereziele, die ihn im besten Fall direkt in die Hauptstadt Die Spatzen pfeifen dies sogar schon von den Dächern!
Nach dem Jahr Kulturhauptstadt werden die Verantwortlichen sich zunächst Großartiges in ihre Lebensläufe schreiben, um sich dann an das nächste Großprojekt anzudocken. Wort- und vermeintliche Hoffnungsblasen wie Kreativwirtschaft werden zerplatzen, Versprechungen werden sich als Worthülsen erweisen. Im Westen nichts Neues.
12:35
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14:47
es ist ja allein schon wichtig, dass wenigstens etwas angeregt wird! dabei darf es natürlich nicht bleiben...aber bitte liebe stadt- es wird sich ja wohl raum finden! nein esMUSS raum gefunden werden, damit vorallem dieser seltsame schatten der kulturhauptstadt in 2011 verschwindet!
11:41
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11:34
@1
das hast Du aber schön gesagt.
ich glaube das man selber machen muß.
von den offiziellen ist nicht mehr zu erwarten als das die einen evtl. in ruhe lassen.
was im bochumer westend passiert(rottstr./fkt) ist doch ein leuchtendes beispiel.
in der zumsammenwachsenden metropole gibts raum satt - also nehmt ihn Euch.
ganz viele veranstaltungen der kulturhaupstadt fand ich übrigends trotzdem geil.
11:09
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