Kein leerer Hörsaal an der Uni Essen

Leere im Hörsaal?
Leere im Hörsaal?
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Was wir bereits wissen
Die erste Vorlesungszeit ohne Anwesenheitspflicht geht dem Ende entgegen – die Bilanz ist positiv. Bei der Umsetzung musste der AStA teilweise nachhelfen.

Essen.. Klausuren, mündliche Prüfungen, Hausarbeiten. Für Studenten steht in den Wochen vor dem Beginn der vorlesungsfreien Zeit eine Menge Arbeit an. Da ist es praktisch, dass eine rechtliche Klarstellung seit diesem Wintersemester dafür sorgt, dass die Hochschüler ihre Zeit flexibler einteilen können. Das Land hat im Herbst die generelle Anwesenheitspflicht abgeschafft – es darf also kein Problem mehr sein, die ein oder andere Seminarsitzung auszulassen und die gewonnen Stunden stattdessen ins Lernen zu investieren.

Präsenzpflicht gilt nun nur noch in Ausnahmefällen: Bei Exkursionen, Sprachkursen, Praktika oder praktischen Übungen. In Seminaren darf die Teilnahme keine Voraussetzung mehr dafür sein, am Ende zur Prüfung zugelassen zu werden beziehungsweise die Veranstaltung erfolgreich abzuschließen. Für Vorlesungen gilt diese Regelung schon seit einigen Jahren.

„Anwesenheitspflichtsmelder“

Nicht alle Dozenten der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben sich im laufenden Semester daran gehalten, kritisiert der Allgemeine Studierendenausschuss. Der AStA hat deshalb den sogenannten „Anwesenheitspflichtmelder“ auf seiner Internetseite eingerichtet. Dort können Studenten angeben, wenn sie Zweifel an der Umsetzung der neuen Regelungen haben. Der AStA überprüft daraufhin die Studienordnung des Faches und kontaktiert bei Bedarf die Dozenten.

„Der Melder wird sehr gut angenommen“, berichtet die Vorsitzende der Studentenvertretung, Julia Wenzel. „Bisher gibt es mehr als 100 Einträge.“ Außerdem seien rund 50 Meldungen bei Facebook und per Mail eingegangen. Überwiegend haben die Lehrenden die Kritik angenommen und in ihren Veranstaltungen die Pflicht fallen gelassen. In kritischen Fällen reicht der Ausschuss die Meldungen weiter an das zuständige Prorektorat für Studium und Lehre.

Laut Prorektorin Isabell van Ackeren geht es dabei um knapp 40 Lehrveranstaltungen. „Dies ist angesichts deren Vielzahl an der UDE eine geringe Zahl“, sagt van Ackeren. Nach Rücksprache mit den einzelnen Fakultäten sei etwa eine Hand voll Fälle übrig geblieben, die im Sinne des neuen Hochschulgesetzes möglicherweise kritisch sind. „Dies gilt es nun weiter zu prüfen“, so van Ackeren.

Der Hörsaal bleibt nicht leer

Für weitreichende Veränderungen, scheint die Abschaffung der Präsenzpflicht ohnehin nicht gesorgt zu haben. Van Ackeren:„Die wenigen tatsächlich kritischen Fälle zeigen, dass sich die Beteiligten mit den Regelungen insgesamt arrangiert zu haben scheinen.“

Das gilt auch für die Studenten. Es sei nicht so, dass die nun überhaupt nicht mehr zu den Veranstaltungen kommen. Gähnende Leere im Hörsaal? Zwar ein Horrorszenario für Dozenten, aber längst keine Realität an der Hochschule. „Die Studierenden leisten ihre Beiträge zum akademischen Diskurs“, so die Prorektorin. Viele der angehenden Akademiker schätzen aber die größere Flexibilität – sei es eben, um sich auf die anstehenden Prüfungen vorzubereiten oder neben dem Studium zu jobben.