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Kein Durchblick mehr im Essener Schilderwald

08.01.2013 | 06:00 Uhr
Kein Durchblick mehr im Essener Schilderwald
Schilder oder Schilda? Nicht nur an Baustellen ist es oft schwierig, den Durchblick zu behalten.Foto: Sebastian Konopka

Essen.  Niemand will die Schilder aufgestellt haben. Doch sie sind da und sorgen nun für Verwirrung. Die Verkehrsbehörde versucht nun, Licht in den dunklen Schilderwald zu bringen. Die Autofahrer können die vielen gleichzeitigen Informationen zu Parkzonen und Parkhäusern gar nicht wahrnehmen.

„Wir sind für jeden Hinweis dankbar“, sagt Waldo Dahl von der städtischen Verkehrsbehörde und meint den öffentlichen Aufruf der FDP-Ratsfraktion zum Thema Schilderwald. Die Liberalen hatten Bürger aufgefordert, überflüssige Verkehrsschilder zu melden. Die Telefone in der Geschäftsstelle liefen am ersten Tag der Aktion zwar nicht heiß, räumt Fraktionsgeschäftsführer Horst Janke ein, der ein oder andere sachdienliche Hinweis sei aber eingegangen. So kritisierte eine Anruferin die Hinweistafeln zum Verkehrsleitsystem schlicht als ungeeignet. In der Kürze der Zeit könne ein Autofahrer die vielen Informationen über Parkzonen und Parkhäuser gar nicht wahrnehmen.

Niemand hat die Schilder gezählt

Ob die Verkehrsbehörde auch für diesen Hinweis dankbar ist, bleibt dahin gestellt. Fest steht: Die Stadt hat längst den Überblick verloren, wie viele Hinweisschilder zwischen Karnap und Kettwig den Weg wo hin auch immer weisen. Gezählt hat sie jedenfalls niemand, räumt Waldo Dahl ein. Der Schilderwald sei mit den Jahren eben immer weiter gewachsen. Und es steht zu befürchten, dass der Wildwuchs weiter zunimmt. Denn so genannte regelmäßige Verkehrsschauen hat die Verwaltung mangels Personal mittlerweile eingestellt.

Die letzte Inspektion im Stadtbezirk V (Altenessen, Vogelheim, Karnap) zum Beispiel datiert von Ende 2010. Das Ergebnis fiel recht überschaubar aus: 13 alte Schilder wurden entfernt, fünf neue aufgehängt und 141 ausgetauscht, weil sie vermoost, verbeult oder das Scheinwerferlicht nicht mehr reflektierten. Dabei handelte es sich wohl gemerkt allesamt um Verkehrsschilder. Wo welches Schild aufgestellt wird, gibt die Straßenverkehrsordnung vor. Mit der Schilderwaldnovelle von 2008 nimmt der Gesetzgeber Verkehrsteilnehmer sogar stärker in die Pflicht. Statt an jeder Straßenbiegung vorzugeben, wo es lang geht, soll die Eigenverantwortlichkeit eines jeden Einzelnen gestärkt werden.

Übersichtlicher wurde es im Schilderwald dadurch nicht. Im Gegenteil. Dass der Wald vielerorts zum Dickicht geworden ist durch zahlreiche Hinweisschilder auf Möbelhäuser, Getränkemärkte, Autoschrauber und sonstige Gewerbetreibende, ohne dass dafür je eine Genehmigung erteilt worden sei, ist in der Verwaltung längst ein offenes Geheimnis. Versuche, das Dickicht zu lichten kamen bislang, warum auch immer, über Ansätze nicht hinaus. Dabei hat die Stadt doch für Werbeflächen eigens einen Vertrag mit einer Firma für Städtereklame geschlossen. Doch nur ganze 200 Hinweisschilder gehen auf diesen Vertrag zurück, heißt es bei der zuständigen Grundstücksverwaltung Essen, die prozentual an den Einnahmen beteiligt ist.

Städtischen Etat entlasten

Dass die FDP-Aufräumaktion den städtischen Etat entlastet, zieht Waldo Dahl in Zweifel. Die Erfahrung zeige, dass Bürger eher mehr als weniger Schilder wünschten. Zum Beispiel am neu gestalteten Ehrenzeller Markt in Altendorf, wo Zuwege für Behinderte an Markttagen regelmäßig zugeparkt seien, wie ein Anrufer beklagte.

Marcus Schymiczek


Kommentare
08.01.2013
14:44
Kein Durchblick mehr im Essener Schilderwald
von Erika_Denter | #1

Ich finde, es gibt viel zu viele FDP-Schilder: An Parteibüros und Parlamenten.
Aber sie arbeiten ja erfolgreich dran, das zu ändern...

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