Kein Denkmal-Aktionismus

Das Privathaus von Berthold Beitz abreißen? Es war klar, dass diese Nachricht emotionalisiert, auch wenn bei der Stadt und bei Thyssen-Krupp die Vehemenz der Diskussion wohl unterschätzt wurde. Auf den ersten Blick wirkt es wahrhaft schnöde, wie der Konzern derzeit symbolische und reale Werte versilbert und alte Zöpfe abschneidet, die zu Lebzeiten des Patriarchen als unantastbar galten. Geschickter wäre es allemal gewesen, rechtzeitig offen zu erläutern, warum die Zeit für konzerneigene Yachtclubs und Jagden abgelaufen ist und eben auch das Beitz-Haus kein Museum werden soll.

All dies kann man durchaus rechtfertigen. Ein kluges Unternehmen sollte zwar schon aus Eigeninteresse seine Wurzeln pflegen, Vorstandschef Heinrich Hiesinger ließ allerdings mehrfach durchblicken, dass bei Thyssen-Krupp dabei mitunter des Guten zuviel getan wurde. Die Ehrfurcht vor sich selbst ist mit ein Grund für die schwierige wirtschaftliche Lage, in die der Konzern durch rückwärtsgewandte Entscheidungen geriet.

Was das Unternehmen nicht will, muss die Stadt nicht durch Denkmal-Aktionismus ausgleichen. Die Verdienste von Berthold Beitz werden in Essen unvergessen bleiben, weil sie jeder fast täglich vor Augen hat. Dies durch eine besondere Würdigung zu unterstreichen, ist angemessen. Zu gegebener Zeit.