Kein Ansprechpartner mehr
18.07.2010 | 16:24 Uhr 2010-07-18T16:24:00+0200
Kettwig.Auf Essener Stadtgebiet befinden sich 23 kommunale Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von 243 Hektar und rund 235 000 Grabstellen. Hinter den nackten Zahlen verbergen sich Trauer und ehrendes Andenken.
Für die Stadt, die an allen Ecken und Enden Kosten senken muss, aber auch ein beträchtliches Einsparpotenzial. Das haben die zuständigen Ämter im Friedhofskonsolidierungskonzept formuliert. Ein langes Wort, das im Falle des städtischen Stadtwald-Friedhofes an der Nittlau nur eines bedeutet: Das gesamte Personal soll abgezogen werden.
Der Kettwiger Friedhof
war früher führend
Bestatterin Marion Schöpkewitz sieht dieser Entwicklung mit großer Sorge entgegen, denn „dieser Kettwiger Friedhof war früher führend, hat aber im Laufe der Jahre immer mehr an Akzeptanz verloren. Und wenn jetzt in der Bevölkerung rund geht, dass es dort keine Friedhofsgärtner mehr gibt, wird er weiter verlieren“. Wenn ein Grabstein wackelt, Fragen zur Bepflanzung auftauchen - Antworten wird dort bald keiner mehr geben können.
Ganz anders sei die Entwicklung des konfessionellen Friedhofs an der Brederbachstraße. Die Kettwiger Fachfrau erklärt: „Hier ist immer sehr viel getan, sehr viel investiert worden. Und die Angehörigen werden hier auch nicht alleingelassen - hier gibt es immer Ansprechpartner.“
Die wird es bald an der Nittlau nicht mehr geben. Mit allen Konsequenzen. Marion Schöpkewitz: „Der Friedhof hat einen besonderen Status. Er liegt versteckt am Wald, hat viele dunkle Ecken. Wenn dort die ersten Handtaschen geklaut werden, wird das Geschrei groß sein. Und die Unsicherheit, die bei vielen Besuchern jetzt schon herrscht, wird dann noch größer. Und auch die Grabpflege wird weiter zurückgehen. Da bin ich mir sicher.“
Der Gemeindefriedhof mache Gewinne - und mit dem Abzug des Personals auf dem städtischen Friedhof nehme die Stadt in Kauf, „dass die Einnahmen noch mehr schrumpfen“. Dass dort künftig kaum noch Grabstellen verkauft werden, befürchtet die Kettwigerin.
Dass man eine solche Entwicklung verhindern kann, zeige das Werdener Beispiel. Für den Friedhof am Heskämpchen habe sich die Politik eingesetzt. Dort werde zwar auch das Personal abgezogen, aber zumindest werden neue Sanitärräume gebaut.
Ein weiteres Problem spricht Marion Schöpkewitz an: „Es wird auch keiner mehr da sein, der den Angehörigen bei einer Aufbahrung die Trauerhalle aufschließt, damit sie in Würde Abschied nehmen können. Wir Bestatter haben einen digitalen Schlüssel und den soll ich nun den Angehörigen geben und ihnen sagen, dass sie sich den Verstorbenen selbst suchen sollen?“ Aber um immer dabei sein zu können, müsste Marion Schöpkewitz mehr Personal einstellen. Und an diesem Punkt wird es für die Geschäftsfrau auch schwierig.
Sie hat sich mit ihren Sorgen an die Bezirksvertretung gewandt - ohne Ergebnis. „Erst sagte man mir, ich könne mich zu Wort melden, dann wieder nicht, dann doch...“ Und letztendlich sei bei dieser Sitzung fast ausschließlich über Werden gesprochen worden. Nur Harald Neef von der SPD-Fraktion habe einige ihrer Bedenken vorgetragen. Allerdings „war ich irritiert darüber, dass die Leute, die dort sitzen, scheinbar selbst sehr wenig Ahnung hatten“, sagt Marion Schöpkewitz.
20:37
Hallo Frau Schoepkewitz,
Vielen herzlichen Dank für Ihren letzten Beitrag und Ihre Bemühungen. Damit haben Sie den Artikel doch mal mit weiteren Informationen untermauert.
Noch einige Anmerkungen meinerseits:
Hut ab vor der ev. Gemeinde und Ihren Investitionen, ein wirtschaftlich gesunder Friedhof, schön zu hören! Aber erstaunlich, das die Gemeinde dann doch kein Geld mehr hatte um die eigene Kirche zu restaurieren.....
Aber egal, auf jeden Fall ein positives Beispiel wie man es machen kann.
Aber mal eine Frage an unsere Gartenbaubetriebe in Kettwig:
Warum geht man nicht an die Stadt Essen heran und versucht eine Lösung zu finden für das Gelände der alten Stadtgärtnerei am Schmachtenberg?! Dort ein kleiner Parkplatz inkl. Gartenbaubetrieb, Verkauf von Blumen und Kränzen. Leichter kann man sein Geld nicht verdienen!!!
Wie gesehen der Hackmann machts am Brederbach-Friedhof, der Kreuselberg z.B. am Südwestfriedhof.
Und damit hätten wir hier eine mögliche Lösung für die Probleme des Schmachtenbergfriedhofs.
17:00
In den Brederbachfriedhof wurde durch die ev. Gemeinde in den letzten Jahren einiges investiert.
Es wurden neue Grabarten geschaffen, Wege neue gestaltet und gepflegt, Kapelle und Aufbahrungsraum renoviert, Kühlung eingebaut.
Die Kirche freut sich heute über einen gut angenommenen Friedhof, der sich wirtschaftlich rechnet und von Bürgern jeglicher (oder auch keiner) Religionszugehörigkeit genutzt wird.
Vor Ort steht die Friedhofgärtnerei Hackmann (mit Inhaber und Mitarbeitern) 6 Tage die Woche zu allen Fragen zur Verfügung. Ebenso die zuständigen Mitarbeiter im ev. Gemeindeamt an der Hauptstraße.
Die zentrale und offene Stadtlage ist in den letzten Jahren immer häufiger ein wichtiges Entscheidungskriterium für den Friedhof geworden. Das Sicherheitsbedürfniss ist, besonders bei alleinstehenden, älteren Damen, bei der Friedhofswahl ausschlaggebend gewesen.
Der Stadtwaldfriedhof hat eine sehr schöne, ruhige Lage jedoch wurde immer häufiger von Angehörigen gesagt bekommen: Wenn ich dort alleine auf dem Friedhof bin, hab ich Angst. Ist einmal in der Kettwiger Bevölkerung bekannt, dass es auf dem Friedhof kein festes Personal zu bestimmten Arbeitszeiten vor Ort ist, wird der Eindruck der Unsicherheit nur noch verstärkt.
Zum Thema Handtaschenklau: Dieses sollte lediglich ein Beispiel dafür sein, dass bei zusätzlichen negativen Vorfällen der Friedhof in der Kettwiger Bevölkerung, da bin ich mir ganz sicher, immerweniger genutzt wird.
Zum Thema noch vorhandenes Friedhofspersonal, möchten wir in keiner Weise negative Äußerungen aufkommen lassen, sondern im Gegenteil, die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern von Ort loben.
Evtl. ungepflegte Ecken am Friedhof kommen auch zu Stande durch Personalabbau und Arbeitszeitverkürzung, die schon vor einiger Zeit eingeführt wurde.
Zum Thema Werdener Friedhof: Die Planung für den Werdener Friedhof sah vor, Kapelle und Aufbahrungsraum komplett zu schließen, was durch den Einsatz von Herrn Hanslothar Kranz jedoch verhindert werden konnte. Die Kapelle und ein Aufbahrungsraum bleibt erhalten und eine Toilettenanlage wird neu eingebaut. Es wird also noch mal investiert. Der Abzug vom Friedhofspersonal lässt sich dort nicht aufhalten, was aber nicht so gravierende Folgen haben wird wie auf dem Stadtwaldfriedhof, dessen spezielle Lage ganz anders ist.
Der Nierdergang der Bestattungskultur, den auch die Stadt Essen heute in ihrem Artikel beklagt hat, wird aber leider durch solche Einsparungen weiter verstärkt.
Essen ist Kulturhauptstadt - gibt dieses Jahr viel Geld für Kultur aus -
Friedhöfe sind ein starkes Stück Kultur.
07:32
Mit den von mir angesprochenen teilweise horrenden Kosten für Bestattung und Pflege bin ich durchaus bei Ihnen was die Thematik Weniger Geld in der Tasche betrifft.
Aber:
Wenn inzwischen viele Tote über die Grenze geschafft werden, um dort in Krematorien billiger als in Deutschland verbrannt zu werden, dann ist da Geiz mit im Spiel, tut mir leid, das muss man leider so sagen.
Insbesondere wenn es sich um Angehörige handelt, die sich sowas durchaus leisten können!!
Man sollte sicherlich nicht sein gesamtes Geld für den Unterhalt einer Grabstelle für die verstorbenen Angehörigen investieren, aber der Zustand vieler privat gepflegter Gräber auf den Friedhöfen spricht Bände!
Und: Da Frau Moseler-Worm eigentlich nur Frau Schöpkewitz zitiert, frag ich doch bei der Quelle mal direkt nach;-)
23:48
Geiz-ist-geil-Mentalität unserer Gesellschaft??
Vielleicht liegt es ja auch daran, das die Menschen einfach immer weniger Geld zur Verfügung haben.
Und Ihre Frage an Frau Schöpkewitz sollten Sie vielleicht lieber an Frau Sabine Moseler-Worm stellen. Denn die hat der Artikel verfasst.
22:25
Eine Frage an Frau Schöpkewitz:
Es wäre schön mal zu lesen was genau an der Brederbachstraße besser gelöst ist. Wer investiert dort, wer ist der Ansprechpartner? Klar wird das leider im Artikel nicht?!
Und der Werdener Friedhof? Ein neuer Sanitärraum macht zwar viel her, ersetzt aber nicht den Ansprechpartner auf dem Friedhof, oder können Toiletten-Schüsseln neuerdings mündlich Auskunft geben?!
Aber mal im Ernst:
Bzgl. der Geschichte des Stadtwaldfriedhofs: Früher war am Stadtwaldffriedhof auch die Stadtgärtnerei mit 10-15 Mann für die Pflege der städtischen Anlagen, so das am Friedhof immer jemand vor Ort war, da sich die Arbeitsbereiche überlagert hatten. Auch nach der Eingemeindung hat das noch alles einigermassen funktioniert, obwohl man in den letzten Jahren immer mehr Abstriche machen musste. Immer weniger Personal, immer weniger Budget zur Verfügung, kein Geld für Neupflanzungen oder zur Ausbesserung von Schäden (siehe kaputte Zäune), aber da kann man den armen Friedhofsmitarbeitern keinen Vorwurf für machen.
Zum Charme des Stadtwaldfriedhofs: Viele Besucher des Friedhofs sind angetan von der Lage und dem Waldcharakter des Friedhofs, daran kann es eher nicht liegen. Und Handtaschen-Klau wird auch nicht mehr oder weniger vorkommen wie früher, das ist Unfug.
Was aber gerade älteren Menschen sehr schwer fällt sind die steilen Wege, da wäre ein zweiter Parkplatz oben am Berg oder auf dem Gelände der alten Gärtnerei sinnvoll.
Was aber wirklich hier ein Grund für den Niedergang unserer Friedhofskultur ist die Geiz-ist-geil-Mentalität unserer Gesellschaft; für die Angehörigen muss ein kleines Urnengrab genügen, früher war eine grosse Familiengruft ein Muss.
Dazu kommt auch der Wunsch der Verstorbenen selbst, den Angehörigen nicht weiter zur Last zu fallen, sei es bei den Kosten, sei es bei den Pflegeaufwänden für das Grab. Hinzu kommt der Trend zur anonymen Bestattung.
Aber was man auch beachten muss: Die Preise für die Bestattungen, Sarg, Gruft etc. haben es aber auch in sich, gerade was den Preis für eine Waldgruft auf dem Stadtwaldfriedhof betrifft, oder nicht?!?! Da hat man auch von der Stadt aus nicht schlecht dran verdient.
Es wäre schön, wenn wir Kettwiger selbst eine Lösung finden würden, von der Statd Essen kann man nicht mehr viel erwarten...