Kaufen, kaufen – auch bei Eis und Schnee

Volles Haus im Einkaufszentrum Limbecker Platz. Trotz Regen und Schnee wurde es eng an den Kassen.
Volles Haus im Einkaufszentrum Limbecker Platz. Trotz Regen und Schnee wurde es eng an den Kassen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Samstag nach Weihnachten zählt traditionell zu den umsatzstärksten Tagen des Jahres. Viele Händler aus Essen waren zunächst besorgt, doch die meisten Kunden ließen sich vom schlechten Wetter nicht beeindrucken.

Essen..  Heiligabend ist zwar vorbei, doch das wichtige Weihnachtsgeschäft ist es noch lange nicht. Für die kommenden Tage rechnen Händler mit hohen Umsätzen. Viele Menschen haben schließlich wieder Geld in ihren Portemonnaies, Gutscheine wollen eingelöst werden und so manches Geschenk geht zurück in den Laden. Wie erwartet, wurde es auch am vergangenen Samstag voll in der Essener Innenstadt. Der erste verkaufsoffene Tag nach Heiligabend zählt zu den umsatzstärksten Tagen des Jahres. Doch viele Händler zeigten sich zunächst besorgt: Regen und Schnee schienen den Kaufleuten einen Strich durch die Rechnung zu machen.

„Das Problem ist nicht der Einkauf sondern die Anfahrt“, erklärt Oliver Schmidt, Center-Manager im Einkaufszentrum Limbecker Platz. „Die Leute werden durch Schnee verunsichert und meiden die Straßen.“ Doch ein Blick in das Shopping-Center zeigt: Die Zweifel haben sich nicht bewahrheitet. Trotz des schlechten Wetters bilden sich lange Schlangen an den Kassen, vor den Imbissständen gibt es keine freien Plätze mehr und auch in den Straßenbahnen wird es eng. Über die Limbecker Straße schiebt sich eine Menschenmenge in Richtung Einkaufszentrum, in fast jeder Hand ein Regenschirm. „Heute ist bei uns Hauptkampftag“, ruft ein Verkäufer über die Theke. In vielen Geschäften haben die Mitarbeiter keine Zeit für ein paar Fragen. Die Anspannung liegt sprichwörtlich in der Luft. Bei Starbucks warten 25 Personen auf einen Kaffee.

In der Parfümerie Douglas sieht es ähnlich aus. „Viele Kunden kommen momentan wegen unserer Rabattaktion ins Geschäft“, sagt Mitarbeiterin Margaretha Warzocha. „40 Prozent der Kunden wollen Gutscheine einlösen. Weitere zehn Prozent wollen etwas umtauschen.“ Bei der Parfümerie arbeiten in diesen Tagen zwölf Mitarbeiter gleichzeitig, um den Ansturm bewältigen zu können. Düfte und Pflegeprodukte gehören zu den typischen Geschenken unterm Christbaum.

Gutscheine werden immer wichtiger

Beim Elektronikmarkt Saturn läuft das Weihnachtsgeschäft auch „erwartungsgemäß gut“, sagt Thorsten Schrör, kaufmännischer Geschäftsführer. Gutscheine spielen für ihn eine immer größere Rolle. Machten sie vor vier Jahren nur zwei Prozent aller Umsätze aus, sind es mittlerweile zehn Prozent - Tendenz weiter steigend. „Viele Leute sagen sich, ich tu’ mir den Stress mit Geschenken nicht mehr an. Die Beschenkten sollen sich lieber selbst etwas aussuchen, dann ist jeder zufrieden“, so der Marktleiter. „In den letzten beiden Tagen vor Weihnachten gibt es außerdem viele Panikkäufe.“ Seit zwei Jahren bietet Saturn zudem einen Mix aus Online-Handel und klassischem Kaufhaus an. Kunden können ihre Waren im Internet bestellen und wenige Stunden später abholen. So müsse niemand auf den Postboten warten, erklärt Thorsten Schrör. „Wir stellen fest, dass vor allem viele Berufstätige in der Mittagspause zu uns kommen, um ihre Einkäufe abzuholen.“

Bei der Mayerschen Buchhandlung herrscht ebenfalls Hochbetrieb an allen Kassen. Bis zu 6.000 Kunden werden in der Filiale am Markt täglich bedient. Auch hier spielen Sonderangebote und Gutscheine eine entscheidende Rolle: „Wir zeigen uns beim Umtausch zurzeit super kulant und nehmen sogar Bücher zurück, die beim Online-Händler Amazon gekauft wurden.“ so der stellvertretende Filialleiter Alexander Husnik. Anders als so mancher Händlerkollege, zeigt sich Husnik vom Wetter nur wenig beeindruckt. Die Einkäufe seien schließlich nur aufgeschoben. Für ihn endet das Weihnachtsgeschäft daher auch erst Mitte Januar.

Pia Krebber kann aber nicht so lange warten – Schneematsch hin oder her. Die junge Mutter will heute zu ihrer Familie in die Nähe von Pforzheim reisen. Vorher muss aber noch eine Armkette umgetauscht werden. „Meine Mutter hat mir exakt die gleiche Kette vor zwei Jahren geschenkt. Mein Mann wusste das aber offensichtlich nicht“, berichtet die Duisburgerin und lacht. Zwar möge sie keine vollen und überhitzte Kaufhallen, doch nach dem Urlaub passe es zeitlich nicht mit der Fahrt in die Essener Innenstadt. „Mein Mann arbeitet im Schichtdienst, häufig auch an den Wochenenden. Daher heißt es für uns: Jetzt oder nie.“