Katzenjammer im Essener Tierheim
20.10.2011 | 12:34 Uhr 2011-10-20T12:34:00+0200
Essen.Die Kapazitäten an der Grillostraße sind erschöpft, die Kosten wegen kranker Tiere steigen. Für Katzen gibt es bereits einen Aufnahmestopp. Die Tierschützer hoffen auf Kastrations-Pflicht für Katzen in Essen ab 2012, um den Problemen Herr zu werden.
Guppys Fell ist struppig, ihr Auge trüb. Über den Rippen der Katze wächst ein Tumor. Wahrscheinlich kratzt sie sich wegen einer Futtermittelallergie die Ohren wund. Ob ihr Besitzer sie wegen der Krankheiten nicht mehr haben wollte, erfahren die Mitarbeiter im Tierheim wohl nie. Bei ihnen lebt Guppy zurzeit in Quarantäne und sucht eine Gnadenbrotstelle, nette Menschen, die sie für die Zeit aufnehmen, die ihr bleibt. „Guppy ist munter und frisst gern“, sagt Pflegerin Marzena Medrik.
Fast 200 Katzen warten zurzeit an der Grillostraße auf ein neues Zuhause. Das heißt: Aufnahmestopp. Für Abgabetiere gibt es Wartelisten. Nur Fundtiere dürfen sie nicht abweisen. Die Situation hält seit Wochen an. Von Jahr zu Jahr werde es schlimmer. Die Quarantänestation quillt über, die Krankenstation ist rappelvoll, beschreibt Gaby Rautenberg. In den Katzenzimmern, die mit flauschigen Decken und Kratzbäumen nett aussehen mögen, herrsche für die Katzen purer Stress, weil zu viele auf zu engem Raum hocken.
In der Box gegenüber von Guppy sitzt Riverboy, den sie im Wasser gefunden haben. Sein Mäulchen war voller Wunden. Er wird bestimmt wieder ein stattlicher Main-Coon-Kater werden: „Er fängt an, sich zu putzen“, sagt Denise Achnitz. Vorsichtig verarztet sie seine Augen mit Salbe. Bevor Riverboy ausziehen darf, wird er kastriert. Ließen verantwortliche Halter ihre Tiere kastrieren, würde die Katzenflut wohl um 80 Prozent schrumpfen, schätzt Gaby Rautenberg. Stattdessen kommen nun noch die Herbstwürfe und der ungewollte Katzen-Nachwuchs ins Heim.
Registrierung sinnvoll
Das Thema Kastration landete bereits im Ordnungsausschuss. SPD und Grüne hatten den Antrag auf ein Kastrationsgebot für frei laufende Katzen gestellt. Immerhin gibt es Städte wie Paderborn, in der das seit 2008 gilt. Im Essener Rathaus einigte sich die Politik mangels konkreter Gefahr für den Bürger darauf, landes- oder bundesrechtlichen Regelungen nicht vorzugreifen und auf einen kommunalen Einzelweg zu verzichten.
Das Land habe keine Handhabe, den Kommunen die Kastrations-Pflicht aufzuerlegen, sagt Wilhelm Deitermann, Sprecher des NRW-Umweltministeriums. Das sei nur zur Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung möglich. Und dabei müsse man die individuelle Situation jeder Stadt betrachten. Es gebe aber den Weg, die Kastrations-Pflicht im bundesweiten Tierschutzgesetz aufzugreifen. Er weist nach Berlin, wo die Gesetzgebungskompetenz für den Bereich des Tierschutzes liege. Vom Land gibt es für Tierheime in diesem Jahr bis zu 2000 Euro Zuschuss aus dem Förderprogramm für die Kastration streunender Katzen.
Den Antrag hat das Essener Heim gestellt. „Aber wir haben 2010 mit dem Katzenschutzbund 12 000 Euro für die Kastration verwildeter Katzen bezahlt“, sagt Tierheimleiterin Bärbel Thomassen. Dazu kommen Katzen, die bei ihnen landen, weil Besitzer die Kosten nicht mehr tragen können. Es gebe mehr Senioren, die mit Tieren leben. Wenn die Menschen ins Pflegeheim müssen, bleiben die Tiere übrig. Andere werden ausgesetzt. Viele Abgabe- oder Fund-Katzen werden erst im Tierheim kastriert. Eine Registrierung wie bei Hunden hält die Leiterin für sinnvoll. Sie hoffe auf die Kastrations-Pflicht für Katzen ab 2012. Selbst dann würden sie die positiven Folgen frühstens 2014 spüren. Daher müsste sich bei den Haltern etwas ändern: „Viele geben heute Verantwortung schneller ab“. Vermehrt landeten so kranke Tiere im Tierheim. Die Kosten für Tierarzt und Medikamente steigen kontinuierlich.
Auch Rettich wird im neuen Zuhause weiterhin Tabletten brauchen. Der Kater kam mit gelben Schleimhäuten und Ohren ins Tierheim, sagt Denise Achnitz. Vielleicht wollte ihn sein Besitzer wegen der Lebererkrankung loswerden.
Pflegestellen gesucht
Das Tierheim sucht dringend Pflegestellen für Katzenmütter und für Notfälle, die den stressigen Tierheim-Alltag nicht verkraften. Zum Adventsbasar lädt das Tierheim am Samstag, 12. November, 11 bis 14 Uhr, ein.
Es öffnet: Di, Mi, Fr: 13-17 Uhr; Do: 13-19 Uhr; Sa: 11-14 Uhr. Info: Tel: 0201 / 32 62 62 oder: tierheim-essen.org
16:09
Das Essener Tierheim sieht mich auch nie wieder.
Dort hat man es anscheinend nicht nötig. Habe in den letzten Jahren mehrmals nach einem Hund geschaut. Jedesmal wieder abserviert worden. Wahrscheinlich lag es an meinem Anzug mit Krawatte den ich dienstlich tragen muss. Ich war wohl nicht würdig. Vielleicht hätte ich mich vorher umziehen sollen. Egal, der BMT bietet auch noch Tiere in Not an. Und wir haben ein sehr tollen Hund gefunden. Die Leute dort sind auch super nett ! Mussten allerdings bis nach Frankfurt fahren. Das haben wir gerne in Kauf genommen.
13:38
Inwiefern?
13:28
Essener Tierheim.....nach den gemachten Erfahrungen: NIE WIEDER!!!!!
09:33
@13 kenne das Recklinghausener Tierheim nicht, aber sie hatten einmal ein Problem dort. Mir ist nichts von einer häufig dort bekannt. Wenn man dort unzufrieden ist, sollte man zur Liebe des Tierschutzes ein anderes Tierheim suchen, anstatt Züchter zu unterstützen. Letzendlich geht es um das Wohl des Tieres im Tierheim und nicht um menschliche Probleme untereinander. Es geht im Ruhrgebiet viele überfülte Tierheime. Da ist wohl kaum immer das Tierheim schuld sondern einfach die Unachtsamkeit und das Fehlverhalten des Menschen.
Danke,
09:23
Ach ja wie schön. Nach den Erfahrungen die wir dieses Jahr mit Tierheimen gemacht haben, vor allem dem in Recklinghausen, wundert es mich auch gar nicht , dass die Tierheime so überfüllt sind. Man trifft auf eine geballte Inkompetenz. Wenn man sich etwas mit Katzen auskennt, merkt man ganz schnell das die Mitarbeiter keine Ahnung haben. Trotz überfüllter lager ist es sehr schwierig ein Tier zu bekommen und es wir am ende nur falsch vermittelt, weil erst die ,,Problemtiere weg sollen. An den Vertrag wurde sich seitens des Tierheims auch nicht gehalten und musste alles über den Anwalt regeln. Alles in einem kann man davon nur abraten, vor allem in Recklinghausen. Dann lieber ein paar Euro mehr ausgeben und ein Tier vom Züchter nehmen.
19:05
Was ,bitteschön,ist eine Karanthärestation?
19:35
Täglich werden Tausende von Tieren geschlachtet,und keiner der Hunde und Katzenverliebten fragt beim Metzger ob das dem Kalb oder Lamm Spass machte, getötet zu werden.Wenn eine Katze schon einen Tumor und andere Krankheiten hat, würde sie sich wohl freiwillig einschläfern lassen.Warum werden in Tierheimen Tiere jahrelang in Käfigen und Zwingern gehalten. Für viele Leute ist das Tierquälerei pur.
16:51
gab vor kurzen einen schönen Bericht über Zuchtverbände. da geht es auch nur ums Geld und nicht um das Wohl der Tiere.
wir hatten vor kurzen eine Dame die Katzen züchtet auch im DEKZV. wurde vor kurzen noch kontrolliert und es wurde angeblich nichts beantstandet. ein Disaster vor Ort. komisch wenn alles seriös abläuft
14:20
@8 - sehr guter Kommentar! Wenn man diesen Ansatz nun auch noch bei den Hunden umsetzen könnte, wäre man der Lösung des Problems schon ein ganzes Stück näher gekommen.
13:45
@6 klar sind auch gewerbliche Züchter manchmal nicht die beste Wahl. Aber immerhin gibt es da schon entsprechende Strukturen die leichter zu kontrollieren sind. Es gibt dort einen Dachverband, der entsprechend auch seine Züchter kontrollieren kann. Zudem muss man für diese Mitgliedschaft dort auch Geld zahlen und es stehen Menschen die Ahnung haben, noch dahinter. Was die wenigsten privaten Haushalte sagen können. Zudem wird dort auf die Auswahl der Elterntiere geachtet. (wenn man denn nicht grad das schwarze Schaf erwischt hat) Dazu kommt noch das gewerbliche Züchter ja ebenfalls Steuern zahlen müßen und so auch Geld in die klammen Kassen kommen kann.
Und im Prinzip ist jede Katzen- und Hunderasse ungesund - weil dieses hundertprozentige gleiche Aussehen ja nur aus Inzucht irgendwann enstehen konnte.
Und wenn man ein ganz einfaches Rechenspiel mal durchgeht, z,b ein Züchter hat 3 Katzen und lässt die decken, daraus könnten ca 15 Katzen entstehen. Die verkauft er zu einen Preis von ca. 900-1200€. Nun stelle man sich vor, nur die Hälfte dieser Miezen wird von den neuen Besitzern wieder gedeckt, sprich ca 6 Katzen a wieder 5 Welpen = 30 Katzen. Und das zieht sich immer so weiter ... und genau deswegen sind die Tierheime überfüllt. Ein guter Züchter wird seine Katze nicht jedes Jahr decken lassen, gute Züchter suchen schon nach Interessenten vor dem Deckakt und achten auf die neuen Leute und nehmen auch ihre Katzen wieder zurück, falls was nicht so gut läuft. Ebenso kann ein Züchter sich nicht zuviele Fehler erlauben, da er sonst aus seinen Zuchtverband fliegt. Und bei den Preisen die ein Züchter nimmt, wird sicherlich schon häufiger überlegt ob man sich eine Katze überhaupt leisten kann.