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Gesundheitswesen

Katholische Kliniken in Essen behandeln Vergewaltigte im Notfall

19.01.2013 | 12:00 Uhr
Katholische Kliniken in Essen behandeln Vergewaltigte im Notfall
Die Uniklinik Essen ist bestens für gynäkologische Untersuchungen ausgestattet.Foto: Sebastian Konopka

Essen.  Nachdem zwei katholische Kliniken in Köln ein Vergewaltigungsopfer abgewiesen haben, distanzieren sich die katholischen Kliniken in Essen von dem Fall. Sie würden einer Vergewaltigten eine Untersuchung nicht verweigern - sie aber ans Uniklinikum überweisen. Die Uniklinik sei besser ausgestattet.

Es ist zweifelsfrei eine Ausnahmesituation. Ohne Erinnerung irgendwo auf einer Parkbank aufzuwachen und einige Stunden später festzustellen, betäubt und missbraucht worden zu sein. Da sollte es doch die Regel sein, eine schnellst- und bestmögliche medizinische Behandlung zu erfahren. Eine 25-jährige Kölnerin erlebte etwas anderes: Gleich zwei katholische Kliniken weigerten sich, das Vergewaltigungsopfer zu untersuchen , weil die Beratung über die „Pille danach“ nicht ihren ethischen Grundsätzen entspreche. Essener Krankenhäuser katholischer Träger distanzieren sich von diesem Fall in Köln – aber ein Stück weit auch von Vergewaltigungsopfern. Denn die werden in den meisten Fällen zur Behandlung ans Uniklinikum übergeben.

Wir lassen keine Frau in einer solchen Situation alleine“, heißt es dazu aus dem katholischen Elisabeth-Krankenhaus . Vergewaltigungsopfer, die die Huttroper Klinik aufsuchen, würden dort selbstverständlich „emotional empfangen“ und vorerst betreut. Eine gynäkologische Untersuchung zur Beweis- und Spurensicherung, die für eine spätere Strafanzeige notwendig ist, gibt’s im Elisabethkrankenhaus dennoch nicht: „Wir übergeben die Frauen in der Regel ans Uniklinikum“, so Sprecherin Dorothee Renzel-Walter von der Contilia-Gruppe, dem Träger der Klinik. Dies geschehe ganz im Sinne der Patientinnen, die dort nicht nur eine fachkompetente, routinierte medizinische Behandlung erhalten, sondern im Fall der Fälle auch die „Pille danach“. „Das erspart den Opfern einen Weg,“ so Walter-Renzel, „ein Rezept dafür darf bei uns nicht ausgestellt werden. Das widerspricht nun mal der katholischen Grundordnung.“

Kein generelles Verbot

Ein generelles Verbot hingegen, Vergewaltigungsopfer zu behandeln, weil man sie im Zuge dessen über eine Abtreibung beraten müsste, gäbe es allerdings nicht. Und auch wenn sich die Gynäkologie des Elisabeth-Krankenhauses an keinen derartigen Fall erinnern kann: Für die ärztlichen Reaktionen im Fall aus Köln habe man absolut kein Verständnis.

Auch die Katholischen Kliniken Essen Nord, zu denen das Marienhospital in Altenessen, das Philippusstift in Borbeck und das St. Vincenz Krankenhaus in Stoppenberg gehören, betonen: „Wir weisen kein Opfer ab.“ Aber auch im Marienhospital, das als einziges der drei Häuser eine Gynäkologie-Station hat, setzt man nach einer möglichen Erstversorgung auf die Uniklinik, in der solche Patientinnen dann erst gynäkologisch untersucht werden. Gleiches Prinzip gilt bei den Kliniken Essen Süd, deren Gynäkologie sich im Katholischen Krankenhaus in Werden befindet. „Wir haben hier gar nicht die technischen Möglichkeiten für eine rechtskräftige Spurensicherung“, erklärt Sprecherin Manuela Raudasch. So müssten sie sich dort der Abtreibungsthematik „zum Glück“ gar nicht erst stellen.

Uniklinikum ist besser ausgestattet

Tatsächlich ist das Uniklinikum bestens ausgestattet: Fachärzte, vor allem Gynäkologen und Rechtsmediziner, sind rund um die Uhr vor Ort. Sie sind routiniert im Umgang mit medizinischen Gutachten im Falle eines Sexualdelikts. Sie wissen genau, was zu tun ist, um rechtskräftige Beweise zu sichern. „Die Polizei Essen arbeitet in solchen Fällen eng mit uns zusammen“, bestätigt Sprecher Burkhard Büscher. Frauen, die sich nach einer Vergewaltigung an die Polizei wenden, werden von den Beamten grundsätzlich ins Uniklinikum gebracht. Das bestätigt auch Polizeisprecherin Tanja Hagelücken.

Vergewaltigungsopfer
Die Kirche ist an ihrer Moral gescheitert - ein Kommentar

Ärzte sollen helfen und heilen. Das ist kein altmodisches hippokratisches Verständnis, sondern ihre Aufgabe. Einen Monat, nachdem zwei katholische Kliniken ein Vergewaltigungsopfer abwiesen, bestätigt ihre Leitung schließlich genau das: Man hätte helfen müssen.

Insgesamt 78 Fälle von Vergewaltigungen (inklusive sexueller Nötigung), wurden 2011 in Essen zur Anzeige gebracht. „Die Frauenklinik am Universitäts-Klinikum ist in solchen Fällen sehr erfahren“, so Hagelücken, „aber generell könnte jede Klinik eine solche Untersuchung durchführen.“ Die Technik – eine Kamera für Beweis-Aufnahmen, Tupfer für den „Forensischen Abstrich“ der Täter-DNA und der auszufüllende Untersuchungsbogen – ließe sich jederzeit anfordern. Die zuständigen Polizeibeamten können diesen „Werkzeugkoffer“ in jede Klinik mitbringen.

Im Huyssensstift der Evangelischen Kliniken Essen Mitte hingegen gibt es diese medizinischen Geräte zur gynäkologischen Spurensicherung. Auch die „Pille danach“ erhält man hier ohne Diskussion. Den Fall der 25-jährigen Kölnerin hält die Klinik für einen „Skandal“.

Julia Rathcke



Kommentare
25.01.2013
02:01
Katholische Kliniken in Essen behandeln Vergewaltigte im Notfall
von Xavinia | #33

Also, ich finde dieses Geschwurbel befremdlich. Entweder hilft man einem Vergewaltigungsopfer oder man hilft ihm nicht. Es gibt doch kein "ABER"!?

Eine klare Positionierung sieht anders aus. Von wegen... "emotional empfangen" und "betreuen"... das ist keine ausreichende Hilfeleistung für Vergewaltigte! Dazu gehört für mich die Spurensicherung zwingend dazu und das sollte wirklich in JEDEM Krankenhaus Standard sein.
Wie wäre es denn, wenn Kath. Krankenhäuser für die "Pille danach" einen entsprechenden Gynäkologen in der unmittelbaren Umgebung kontaktiert und dieser dann ein Rezept in die Klinik bringen lässt? Notfalls mit Taxifahrer...
Auf jeden Fall muss da eine akzeptable Lösung her. Geht nicht, gibt´s nicht.

20.01.2013
19:14
Katholische Kliniken in Essen behandeln Vergewaltigte im Notfall
von Sandy2007 | #32

SUPER! Heisst also für das Opfer, dass sie sich zweimal untersuchen lassen muss...was ja nach einer Vergewaltigung doppelt und dreifach unangenehm ist! Wieder neue Ärzte, wieder die Geschichte erzählen... macht der Frau ja auch unheimlich Spaß!
Ich kann über diese Doppelmoral der kath. Häuser nur noch den Kopf schütteln... wo man bisher nur mit Mitarbeitern so herablassend und unter Drohungen umgegangen ist, trifft es jetzt auch Patienten...bin mal gespannt, wann der erste Moslem oder Evangelische Pat. abgewiesen wird, weil es ja nur den EINEN Gott gibt und man gefälligst an den zu glauben hat!

20.01.2013
11:54
Katholische Klinik Essen behandelt Vergewaltigte im Notfall
von Kassad | #31

Also, alle die meinen, Krankenhäuser sollten in die städtische Obhut wechseln, dem sei mal die prekäre Haushaltslage der Kommunen ins Bewußtsein gerufen.
Die Stadt Essen würde sich "freuen" noch mehr auf´s Auge gedrückt zu bekommen.
Denn von selbst und von Steuermitteln trägt sich ein Krankenhaus nicht.

Und private Kliniken sind auch kein Deut besser. Wer es hier nicht weiß, in Oberhausen hat die Helios-Klinik, welche vom Fresenius-Konzern getragen wird, vor kurzem eine NOTFALLAUFNAHME verweigert, wegen angeblichem Personalmangel.
Wir reden hier nicht von einer Folgeuntersuchung sondern tatsächlich von einem Notfall.
Der Unterschied ist ja vielen hier nicht klar.

Wenn wir jetzt auch noch die Organ-Skandale Revue passieren lassen, merken wir, dass es in jedem Krankenhaus nicht mit rechten Dingen zugeht. Ganz gleich wer der Träger ist.
Mir scheint eh, hier geht es vielen gar nicht mehr das Thema Krankenhaus Versorgung, sondern nur darum ihren Unmut über die Kirche auszulassen.

20.01.2013
11:23
Katholische Klinik Essen behandelt Vergewaltigte im Notfall
von dcberger | #30

Es kann und darf nicht sein, dass religiöse Eiferer entscheide wie der Arzt mit einem Vergewaltigungsopfer, oder auch sonst irgendeiner Behandlung vorschreibt wie zu verfahren ist!
Der Arzt ist einzig und allein seinem Eid verpflichtet! Der Eingriff in die Behandlungsfreiheit durch die Kirche sollte umhehend vom Gesetzgeber unterbunden werden, schließlich leben auch sogenannte christliche Hrankenhäuser von Zuschüssen und Vergünstigungen der Allgemeinheit.

1 Antwort
Katholische Klinik Essen behandelt Vergewaltigte im Notfall
von Kassad | #30-1

Ein Arzt ist und bleibt seinem Eid verpflichtet. Nach ca. 30 kommentaren sollten auch Sie gemerkt haben, dass Notfälle an JEDEM Krankenhaus gleich behandelt werden.
Vorrausgesetzt das Krankenhaus hat die entsprechende Fachabteilung und entsprechende Notfallaufnahme, versteht sich.

20.01.2013
10:06
Katholische Klinik Essen behandelt Vergewaltigte im Notfall
von xxyz | #29

Es ist doch toll, dass ein Krankenhaus und dann noch ein christliches erklärt, dass es in Notfällen hilft!

Vielleicht sollten die Verantwortlichen über ihren Beruf nachdenken, Gesetze lesen und auch mal in die Bibel schauen.

20.01.2013
01:05
Holsterhauser | #27
von schRuessler | #28

oder die Protestanten?
Oder doch die Moslems?
Oder gar die Atheisten?
dei Europäer
oder doch die Amerikaner
oder gar Afrikaner?
Blonde Menschen?
oder doch eher die dunkelhaarigen?

19.01.2013
23:03
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #27

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

19.01.2013
22:47
Führt endlich die Trennung von Staat und Kirche ein!
von vantast | #26

Dann würde es solche unnötigen und beschämenden Vorfälle nicht geben und auch bessere Arbeitsbedingungen hier und anderswo. Die abgewiesene Patientin zahlte auch ihre Steuern und ihre Krankenversicherung!!!
Die reaktionäre Kirche paßt nicht mehr für bürgerliche Aufgaben, auch nicht in den Schulen. Sie ist leider immer noch ein Staat im Staate.

19.01.2013
22:44
@Schorlemme | #24
von vaikl2 | #25

Wenn Sie ernsthaft der Ansicht sind, eine Staatsanwaltschaft hätte hier ermittelt, haben Sie natürlich recht mit der Feststellung, dass bestimmte Bevölkerungsschichten einfach nicht in der Lage sind, Artikel zu lesen *und* zu verstehen.

19.01.2013
22:31
@vaikl2
von Schorlemme | #24

"Ein anmaßender Dummkopf aus dem Spießermilieu ,,"

"...aber der gemeine Spießbürger scheint generell in dieser Hinsicht eher minderinformiert zu sein."


Tiefer kann das Niveau hier nicht mehr sinken. Ich wünsche Ihnen noch einen guten Abend. ansonsten verweise ich noch auf das Ergebis der staatsanwaltschaft Köln.

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