Karibischer Wirbelsturm in der Philharmonie

Michel Camilo ist ein vielgeliebter Dauergast beim Klavierfestival Ruhr. Gemeinsam mit der WDR Big Band zeigte er jetzt in der Philharmonie, wer in Sachen karibisches Hexenwerk der Meister aller Tasten ist. Natürlich mit seinen bewährten Rhythmikern Lincoln Goines (Bass), Cliff Almond (Drums) und Eliel Lazo (Percussion), die es im Alfried-Krupp-Saal im Laufe der atemberaubenden Tour de force immer wieder beben, krachen und donnern ließen.

Das war ein schillernd vielseitiges Vergnügen, dank der klug gebauten Arrangements von Michael Mossman, der den Kölner Radio-Jazzern einiges abverlangte. Die groovten gewohnt bravourös und setzten solitisch immer wieder spritzige Glanzlichter ins zwischen delikater Farbenpracht und eruptiver Ekstase oszillierende, mit einem Schuss „New York Flavor“ gewürzte Gebräu aus Latin und Jazz.

Lustvoll jonglierte der 61-jährige Pianist mit der Historie, feierte gewitzt alte Freunde („Mongo’s Blues“) und setzte mithilfe von Mossmans lodernder Trompete schließlich die Philharmonie „On Fire“. Tosender Jubel - und dann kassierte bei der Zugabe „Caribe“ der Steinway Prügel wie noch nie zuvor in seinem Leben. Ein Wirbelsturm war nichts gegen Michel Camilos fliegende Finger, die nun in High-Speed höchst perkussiv den Saal zum Überkochen brachten. Wahrlich ein Grande Finale!