Karibische Klänge in der Philharmonie

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Dort, wo sonst das Publikum andächtig den Musikern lauscht, wurden die Besucher nun selbst zu Hauptdarstellern: bei der ersten Kubanischen Nacht in der Philharmonie, die gleich ausverkauft war. Statt Stuhlreihen warteten im Alfried-Krupp-Saal eine Tanzfläche, buntes Licht und heiße Rhythmen. Statt Klassik ertönten karibische Klänge erst aus der Konserve, zu späterer Stunde folgte Live-Musik.

Die ersten Schritte, leichte Drehungen und einfache Figuren, dazu Körperhaltung und eine gute Führung – all das hatten Teilnehmer der Workshops, die tags zuvor angeboten worden waren, bereits gelernt. Und so betraten wohl einige gespannt das Parkett, war ihnen doch mit Salsa Cubana nicht nur ein Tanz, sondern pure Leidenschaft versprochen worden.

Gut gefüllt war allerdings auch die Sitztribüne im Saal: Die Plätze erkämpften sich Gäste teilweise hart, um einfach nur zuzuschauen. Einen guten Platz in der ersten Reihe hatte sich etwa die Rüttenscheider Künstlerin Ilse Straeter gesichert: „Eigentlich wollte ich hier Tänzer malen, aber dafür ist es etwas zu unübersichtlich.“ Bewundernde Blicke hat sie dennoch für diejenigen, die sich aufs Tanzparkett wagten: „Da sind so viele tolle Paare bei“, sagt sie, „da kann man nur staunen.“

Gestaunt hatte mancher Besucher zunächst über die noch verschlossene Tür, als die Party eigentlich schon losgehen sollte. Solche Anlaufschwierigkeiten verlangten den Teilnehmern der ersten kubanischen Nacht zunächst eine gehörige Portion karibische Gelassenheit ab – denn der Einlass stellte sie auf eine harte Geduldsprobe. Besonders Ungeduldige klopften da bereits wütend gegen die Scheibe. Bis sich dann am Haupteingang um kurz vor acht eine der drei Glastüren öffnete. Es staute sich beträchtlich, da lediglich zwei Mitarbeiter Karten kontrollierten und Gästen Bänder anlegten.

Wer es erst einmal in den Innenraum geschafft hatte, erhielt allerlei Gelegenheit, die karibische Gelassenheit wiederzufinden: Sei es beim Mojito oder einer Portion Paella im Foyer.

Herz der Veranstaltung war jedoch der Alfried-Krupp-Saal, der sich in einen riesigen Tanzsaal verwandelt hatte. Bis die Band Timberlive endlich auftrat, sollten noch knapp drei Stunden vergehen. „Schon schade“, sagt Norbert Konopka, der mit seiner Frau gekommen ist. „Wir sind eigentlich hauptsächlich wegen der Live-Musik hier. Dass es damit erst so spät losgeht, haben wir nicht gewusst.“ Die Information hätten sie sich eher gewünscht. Ob sie sich denn noch aufs Parkett wagen wollen? „Na, wir lassen den Abend mal auf uns zukommen“, sagte er wieder versöhnlich.

Tatsächlich ließen sich anfangs nur vereinzelt Paare von den heißen Rhythmen, die die DJs auflegten, animieren. Doch eine gute Stunde später begann sich das Tanzparkett langsam zu füllen.

Und so wich Stunde um Stunde der anfängliche Ärger über die optimierungsbedürftige Organisation bei der Premiere der kubanischen Nacht der Freude über die karibischen Klänge.