Kanonenofen wich Computern

Altenessen..  Die Neuessener Schule am Sonntagnachmittag: Gebannt lauschen einige Schülerinnen den Erzählungen der ehemaligen Schülerin Klara Schmidt. Die 89-Jährige erinnert sich noch ganz genau an ihren ersten Schultag in der Neuessener Schule im Jahr 1931. „Dort standen unsere Eltern, hinten in der Ecke gab es einen großen Kanonenofen, der befeuert wurde.“ Dort, wo der Hausmeister damals jede Pause Koks nachlegen musste, damit die Klasse warm blieb, steht heute, gut 83 Jahre später, eine Reihe von Computern.

Probleme, sich in ihrem alten Klassenraum zurecht zu finden, hat die rüstige Rentnerin dennoch nicht. „Hier habe ich gesessen, ziemlich in der Mitte“, erinnert sie sich. Was Klara Schmidt und rund 200 andere ehemalige Schülerinnen und Schüler am Sonntag in die Neuessener Schule führte: ein Ehemaligentreffen der ganz besonderen Art.

„Unsere Schule feiert dieses Jahr ihr 150-jähriges Jubiläum“, erklärt Schulleiter Thomas Kriesten. „Aus diesem Grund planen wir im Geburtstagsjahr viele Aktionen rund um die Schule.“ Eine davon – und damit auch der Beginn des Jubiläumsjahres – war das Ehemaligentreffen am vergangenen Sonntag. Zusätzlich auf der Agenda stehen beispielsweise noch ein Schulfest und eine CD-Produktion.

„Als wir das Ehemaligentreffen geplant haben, rechneten wir mit rund 20 Teilnehmern. Dass sich schließlich etwa 200 Ehemalige anmeldeten, übertraf alle unsere Erwartungen. Das Telefon stand nicht mehr still“, erinnert sich Kriesten.

Wer jedoch meint, dass ein Großteil der erschienen Ehemaligen noch zu einer weiterführenden Schule geht, irrt sich. Vielmehr waren es die etwas älteren Semester, die die Gelegenheit nutzten, alte Schulkameraden wiederzusehen und in Erinnerungen zu schwelgen. Einmal wieder nach vielen Jahren in seinem ersten Klassenraum zu stehen, für viele war allein das schon ein ganz besonderes Erlebnis.

Und auch für die heutigen Grundschüler war der Tag etwas Besonderes, gelebter Geschichtsunterricht gewissermaßen. Denn was die ehemaligen Schülerinnen und Schüler zu berichten hatten, kennen die Kinder zum Teil nur aus Büchern und Schwarz-Weiß-Filmen. Schreiben lernen auf Schiefertafeln, Fächer wie Handarbeit, gestrenge Lehrerinnen und Lehrer – all das klingt für die Heranwachsenden eher exotisch. Sie sind froh, dass sie heutzutage zur Schule gehen – und an der Neuessener Schule neben dem Unterricht noch ein vielfältiges Freizeitangebot nutzen können. Als eine der einzigen Grundschulen in Essen verfügt die Neuessener Schule zum Beispiel über eine „Zirkus-AG“, die bereits mit Förderpreisen ausgezeichnet wurde. Eine Vorstellung der AG gab es natürlich auch am Ehemaligentag. „So etwas hätten wir früher auch gerne gehabt“ – ein Satz, den man mehr als einmal von den Ex-Schülern hört.

Auch wenn sich sicherlich einiges geändert hat im Vergleich zu damals – die ehemaligen Schülerinnen und Schüler lassen sich nicht stören in ihrer aufkeimenden Nostalgik. Nicht wenige treffen alte Klassenkameraden wieder, man erkennt sich zwar nicht sofort, umso größer ist dann aber die Freude, wenn man sich an so manchen Streich erinnert, den man dem Lehrer gespielt hat. „Wir mussten immer aufpassen, da wir eine sehr strenge Lehrerin hatten. Da gab es nichts zu lachen“, erzählt Klara Schmidt und schmunzelt.