„Kanadische Gefangene von der Brücke geworfen“

„Es war noch im April 1945, als ein Jeep der amerikanischen Militärpolizei mich abholte zu einem Verhör in der ehemaligen Terboven-Villa* in Bredeney, in der sich der amerikanische Geheimdienst einquartiert hatte. Der Grund: Man wollte hören, was ich über die Ermordung einer kanadischen Fliegerbesatzung wusste, die bei einem Luftangriff abgeschossen worden war. Als Pflichtmitglied bei der so genannten Motor-HJ hatte ich im Juli 1944 nach Vollendung meines 16. Lebensjahres auf dem Hof der Polizeikaserne an der Norbertstraße die Prüfung zum Führen eines Polizeikraftrades bis 250 Kubikzentimeter abgelegt.

Am 23. Oktober 1944 erhielt ich aus Anlass des Großangriffes auf Essen die Einberufung als Kradlotse und Kradmelder zum Abschnittskommando II der Essener Schutzpolizei, das für Essen-West und Borbeck zuständig und in einem Gebäude des evakuierten Waisenhauses der Wilhelmine-Augusta-Stiftung an der Berliner Straße untergebracht war. Dorthin hatte man auch die kanadischen Flieger gebracht.

Ich erinnere mich, dass es noch recht junge Burschen waren. Der Leiter des Abschnittskommandos erklärte ihnen, dass sie nach der Genfer Konvention nicht der Polizei, sondern der Wehrmacht zu überstellen seien, deren nächste Dienststelle sich am Flughafen Essen-Mülheim befände. Auf dem Wege dorthin haben dann fanatische Nazis die Ermordung der Kanadier inszeniert und sie von der Wickenburgbrücke geworfen. Die Täter wurden später zur Rechenschaft gezogen.“

*Josef Terboven, Gauleiter von Essen, beging 1945 Selbstmord.