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Kamerunerin kämpft nach Ehe-Drama gegen drohende Abschiebung

23.05.2012 | 12:04 Uhr
Kamerunerin kämpft nach Ehe-Drama gegen drohende Abschiebung
Solidarität ist für die Frauen von Courage kein Fremdwort: Sie unterstützen die Kamerunerin Nicole Semek (l.), die abgeschoben werden soll. Susanne Keil (r.) vom Frauenverband hat sogar eine kleine Protestaktion vor der Essener Ausländerbehörde organisiert..Foto: Ulrich von Born/ WAZ FotoPool

Essen.  Ihr deutscher Ehemann wollte sie zur Prostitution zwingen. Die Kamerunerin Nicole Semek setzte sich erfolgreich zur Wehr, fand Zuflucht im Frauenhaus und baute sich Stück für Stück ein neues Leben auf. Hilfe fand sie beim Essener Frauenbündnis Courage, das jetzt vor der Ausländerrbehörde gegen die drohende Abschiebung protestierte.

Einen Traum wollte sie leben, einen Albtraum hat sie vorgefunden: Als die Kamerunerin Nicole Semek ihrem deutschen Ehemann Ende 2010 nach Essen folgte, brach ihre Welt zusammen. Der liebevolle, nette Kraftfahrer, den sie in ihrer Heimat kennengelernt und geheiratet hatte, wollte sie zur Prostitution zwingen, behandelte sie wie Dreck, wurde handgreiflich.

„Ich sollte ihm das Geld zurückzahlen, das er angeblich in mich investiert hatte“, sagt Nicole. Die 38-Jährige fühlte sich total ausgeliefert, war ohne Sprachkenntnisse, ohne Freunde, ohne eigenes Geld. Trotzdem habe sie sich standhaft gewehrt. Fünf Monate hielt sie es aus, dann eskalierte die Situation: „Mein Mann hat mich einfach rausgeschmissen.“ Nachbarn alarmierten die Polizei, die sie in einem Frauenhaus unterbrachte. Eine Anzeige gegen ihren Ehemann stellte sie nicht: Sie sei nur froh gewesen, diesem Albtraum entkommen zu sein. „Ich wollte Deutsch lernen, Arbeit finden und mir ein Leben aufbauen.“ Das ist ihr fast gelungen: Mittlerweile kann die zierliche Kamerunerin sich ohne Dolmetscher unterhalten, arbeitet ehrenamtlich bei den Schwestern Theresa, hat eine eigene Wohnung und, das ist das Wichtigste, Freunde gefunden.

 „Mit dem Abschiebungsbefehl folgen wir nur der Gesetzgebung“

Doch der Traum vom Leben in Deutschland droht erneut zu scheitern: Die Ausländerbehörde möchte sie in ihre Heimat abschieben. Grund sei die fehlende Integration, die kurze Dauer ihres Aufenthaltes und ihrer Ehe. In Kamerun, so die Behörde, sei sie besser aufgehoben. Auch ein Härtefall läge nicht vor: Für ihre Anschuldigungen gegen den Noch-Ehemann fehlten jegliche Beweise, teilt die Behörde auf Anfrage mit, zudem sei noch nicht mal ein Scheidungsantrag gestellt. „Mit dem Abschiebungsbefehl folgen wir nur der Gesetzgebung.“

„Die Scheidung konnten wir erst jetzt beantragen. Nach deutschem Recht muss man dafür ein Jahr lang getrennt leben“, erklärt Sigrid Agbely. Die Rechtsanwaltsgehilfin arbeitet in einer Gelsenkirchener Kanzlei, die sich auf Ausländerrecht spezialisiert hat. Zufällig trafen sich die beiden Frauen, die inzwischen gut befreundet sind. Sigrid Agbely war es auch, die den Kontakt zum Frauenverband Courage herstellte. „Das war mein Glück“, sagt Nicole. Denn Courage unterstützt sie im Kampf um ein Bleiberecht. Der erste Schritt ist getan: „Wir haben Klage gegen den Abschiebungsbescheid erhoben und erwägen, auch einen Härtefallantrag zu stellen“, erläutert Sigrid Agbely. Zusätzlich bereite der Anwalt von Nicole eine Anzeige gegen den Ehemann vor. Damit könne man die Abschiebung fürs Erste stoppen, weiß Agbely.

"Ich kann nicht mehr zurück"

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, trafen sich die Frauen gemeinsam mit Nicole Semek zu einer kleinen Protestaktion vor der Ausländerbehörde. „Wir wollten keine Konfrontation, sondern haben das Gespräch gesucht“, sagt Susanne Keil von Courage. Jörg Stratenwerth , Chef der Behörde, habe sehr verständnisvoll reagiert: „Er hat uns den Rat gegeben, Strafanzeige gegen den Ehemann zu stellen und uns zu verstehen gegeben, dass der Rechtsweg ja noch nicht abgeschlossen sei.“ Bis Ende 2013 kann sich der Entscheidungsprozess hinziehen. Zeit für Nicole, sich ihren Traum vielleicht doch zu erfüllen? „Das wünsche ich mir sehr. Denn nach Kamerun kann ich nicht mehr zurück. Für meine Familie bin ich eine Schande.“

Vera Eckardt



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