Kalte Halde

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er es mal so richtig kalt haben möchte, fährt im Winter ins Sauerland, in die Alpen, nach Nord-Norwegen, Grönland, an die Pol-Kappen – oder er schläft ‘ne Nacht auf der Schurenbachhalde. Jetzt staunen Sie, aber so ganz von der Hand zu weisen ist das nicht: Während sich am Sonntag unten in den Gärten Karnaps und Altenessens die Menschen mit Südterrasse bereits in der wärmenden Sonne räkelten, kletterte unsereins mit den Kurzen die Halde hinauf – zum Drachensteigen. „Was wollt ihr? Drachensteigen? Heute geht doch kein Wind“, spotteten noch die Nachbarn. Mag sein, dass dies für jeden popeligen Hügel im Ruhrgebiet gilt, nicht jedoch für die Schurenbachhalde, der einzigen real existierenden Mondoberfläche Essens. Um es kurz zu machen: Die Drachen gingen ab wie Schmidts Katze, wir mussten die Kinder an Pflöcken am Boden festbinden, sonst wären sie mit abgehoben. Der Wind oben – als würde ein Eisfön über die weite Steppe des Emscherbruchs blasen, und zwar auf höchster Stufe. Nach einer Stunde haben wir dann die festgefrorenen Kinder vom schwarzen Bodengestein losgeschlagen und sie mit den Drachen nach Hause fliegen lassen. Als wir unten das Karnaper Tal hinterm Deich erreichten, saßen die Kinder bereits mit ‘ner Limo auf der Terrasse: „Puh, eine Hitze ist das heute, Papa. Können wir nicht mal bei offenem Fenster schlafen?“ Sie staunen, aber so ist das im Norden mit unseren Halden.