„Kalinka“ zum Staunen

Ausgezeichnete Klavierspieler sind sie alle, ausgezeichnet daher schon reihenweise mit ersten Preisen. „Ausgezeichnete Kinder“ hatten auch dieses Jahr wieder im Rahmen des Klavier-Festivals Ruhr ihr Podium und halfen gleichzeitig durch ihr Spiel anderen Kindern, denn der Reinerlös des Konzertes geht an den Deutschen Kinderschutzbund Essen für den Bau eines neuen Notaufnahmehauses in Borbeck.

Die Preisträger, die sich im Alfried-Krupp-Saal präsentierten, waren allesamt Sieger beim 52. Landeswettbewerb NRW und beim 10. Rotary Klavierwettbewerb und wurden in frischer, charmanter Moderation vorgestellt von Guido Hammesfahr, bekannt als Fritz Fuchs aus der TV-Reihe „Löwenzahn“. Da durfte man dann erfahren, dass Anny Chen nicht Pianistin sondern Filmstar werden will und dass ihre Partnerin Kerstin Tang schon eine Klasse übersprungen hat. Zusammen boten sie eine vergnügliche Polka und einen klangsinnlichen Dvořák. Im vierhändigen Duo erfreuten auch Leandro Lupu und Martin Birnbach mit dem virtuos hingelegten 5. Ungarischen Tanz von Brahms, während Milo Tieu und Rosalie Katjana Schüller durch Neue Musik Aufmerksamkeit erregten: das postimpressionistische „Imbalance II“ von Olav Lervik, ein Auftragswerk fürs Klavierfestival 2010. Solistisch ließ Jan-Aurel Dawidiuk mit der Toccata BWV 911 als gestalterisch enorm reifer Bach-Interpret aufhorchen, während Viktor Soos in einer von Liszts Paganini-Etüden klingelnd-galoppierende Bravour hoch zwei servierte. Und mit einem lebenden Liszt namens Alexander Rosenblatt setzten Marielle Gaßner und Jolana Both noch eins drauf: russische Melodien wie „Kalinka“ schwindelerregend arrangiert und kaltschnäuzig ausgeführt. Toll!