Julia Hansen ist in Essen auf dem Pfad der Erinnerung

Kurz vor der Vorstellung auf der Bühne des Rathaus-Theaters : Julia Hansen ist bis Mitte Februar in der Komödie„Der Vorname“ zu sehen.Foto:Alexandra Roth
Kurz vor der Vorstellung auf der Bühne des Rathaus-Theaters : Julia Hansen ist bis Mitte Februar in der Komödie„Der Vorname“ zu sehen.Foto:Alexandra Roth
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Schauspielerin Julia Hansen hat während des Folkwang-Studiums prägende Jahre in Essen verbracht. Die Komödie „Der Vorname“ führt sie wieder in die Heimat.

Essen.. Heimat ist für sie Südindien und Afrika. Der Vater arbeitete als Volkswirt in der Entwicklungshilfe, die Mutter stand ihm bei seinen Projekten zur Seite, die Tochter ging auf eine internationale Schule. „Das Fundament für meinen Beruf wurde dort gelegt. Ich wollte immer singen, spielen und tanzen“, sagt Julia Hansen.

Die Kindheit und Jugend in Somalia und Sambia hatten sie auf ein Leben mit Unwägbarkeiten gut vorbereitet. „Offenheit, Spontaneität, Improvisieren zu können, ist etwas Essenzielles, und Lebensfreude. Ich habe gelernt, die Dinge zu nehmen, wie sie sind und etwas Gutes daraus zu machen“, erzählt sie und muss gar nicht betonen, wie oft ihr diese Fähigkeiten weitergeholfen haben - nicht nur im Studium, bei dem sie ganz im Geist der Folkwang-Hochschule die geliebten Künste vereinigen konnte.

Die Liebe zu Klassikern

Die Choreografin Pina Bausch gehörte zu ihren Lehrern sowie die Schauspieler Renate Heuser und Thomas Goritzki, zu denen sie nie den Kontakt abreißen ließ. „Es waren so prägende Jahre“, meint Julia Hansen. Mit ihrem Kommilitonen, dem blinden Pianisten Jörg Siebenhaar, erprobte sie erste Jazzprogramme, mit Ameli Dziemba swingt sie heute im Trio. Zu den wichtigen Erinnerungen zählt aber vor allem der erste Vertrag am Jungen Theater Casa Nova. Für sie war es „das erste Heraustreten“.

Dann ging es nach Bielefeld und Göttingen, wo die Allrounderin zur ersten Schauspielerin am Platze wurde. Sie verkörperte mit Hauptmanns „Christiane Lawrenz“ und der Eustache und der Gertrude in Kleists „Familie Schroffenstein“ ihre Liebe zu Klassikern, spielte die großen Musicalrollen in „My Fair Lady“ und „Evita“, sang Jazz, Chanson und Oper.

"Ich mag den Geruch der Stadt"

2010 beendete sie die Festengagements nach 17 Jahren. „Ich wollte in meinen besten Jahren noch mal in das Risiko gehen, alles neu überdenken“, erklärt die 46-Jährige. Sie gibt den Lesungen mit Heikko Deutschmann und Charles Brauer mehr Raum, haucht seit einem Jahr den Songs der Andrew Sisters mit der Formation „The Three Sisters“ neues Leben ein und geht auf Theatertournee, wenn die Kriterien stimmen: „Es muss ein interessantes Stück sein, eine tolle Begegnung mit Kollegen oder einem Regisseur, bei dem ich noch etwas lernen kann.“

Gleich zwei Mal ist ihr das gelungen. Mit „Fettes Schwein“ von Neil La Bute und „Der Vorname“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière. Der komödiantische Streit um den Vornamen Adolphe hat Julia Hansen die erneute Zusammenarbeit mit den Schauspielern Martin Lindow und Benjamin Kernen beschert und mit der Anna die Rolle einer Karrierefrau zwischen Souveränität und Verletzlichkeit. „Das ist ein schöner Spannungsbogen“, befindet sie. Dennoch bleibt es eine Herausforderung, jeden Abend das Publikum aufs Neue zu erobern.

Das zweiwöchige Gastspiel in Essen macht es ihr leichter. „Ich mag den Geruch dieser Stadt, die Sprache und die direkte Art der Menschen“, sagt die Schauspielerin, die immer noch in Göttingen lebt. „Wenn ich hier bin, betrete ich alte Pfade, besuche Kollegen wie Jan Pröhl oder Wolfram Boelzle und schaue, ob das Häuschen, in dem ich mal gewohnt habe, noch steht. Essen ist für mich auch eine Heimat geworden.“