„Jugendliche brauchen Treffpunkte“

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Rellinghausen..  Wenn heute um 16.30 Uhr die Bezirksvertretung II bei der Jugendhilfe, Schürmannstraße 7, tagt, geht es erneut um den Bolzplatz an der Sartoriusstraße. Grün & Gruga schlägt vor, durch einen Zaun zu verhindern, dass dort zwischen 19 und 8 Uhr gespielt wird. Anwohner hatten sich über Lärm beschwert.

Die Kinderbeauftragte der BV II, Elke Zeeb von den Grünen, zeigt dafür wenig Verständnis: „Nur weil sich ein oder zwei Nachbarn beschweren, kann man Kindern und Jugendlichen ja nicht verbieten, den Platz zu nutzen“, hält sie das Ansinnen von Grün & Gruga für übertrieben. Der Bolzplatz, einer von über 100 im Stadtgebiet, wie Frank Felden von der Jugendhilfe erklärt, liegt unmittelbar neben dem Flüchtlingsheim, durch Büsche von der Straße abgeriegelt. „Gerade Jugendliche suchen Orte, wo sie sich außerhalb von Vereinen, flexibel und ohne Bezahlung treffen können. Wo wäre das besser möglich als hier, wo die Stadt mit dem Kunstrasen eigentlich optimale Bedingungen geschaffen hat?“, so Frank Felden. Das Spielen nur bis 19 Uhr zu erlauben, wie es aktuell ein Schild vorschreibe, sei schon schwierig, weil viele Kinder aufgrund des offenen Ganztags erst um 15.30 Uhr nach Hause kämen.

Laut Felden ließen sich die Treffpunkte von Jugendlichen in drei Kategorien einteilen: In rund 90 Prozent der Fälle gebe es keine Probleme. Bei einigen gebe es Streitpunkte, die aber lösbar seien, und nur in sehr wenigen Fällen spielten tatsächlich Drogen und Kriminalität eine Rolle.

Essen habe sich damals bewusst „Großstadt für Kinder“ genannt. Nur für Jugendliche gebe es offenbar keinen Raum, sich zu treffen“, beklagt Elke Zeeb. „Andere Kommunen kennen solche Probleme offenbar nicht in dieser Form“, hat Elke Zeeb recherchiert. Gemeinsam mit Felden will sie in Zukunft ein Fußball-Turnier auf dem Bolzplatz organisieren und auch die Nachbarn zum Grillen und Kennenlernen einladen – auch um den Dialog vor Ort wieder in Gang zu bringen. Auch über Ballfangnetze, die den Geräuschpegel weiter senken würden, könne man nachdenken.

Während des Gesprächs versuchten zwei Jungen, auf dem Bolzplatz zu kicken, obwohl es schon nach 19 Uhr war. Die Sicherheitsleute, zuständig für das Flüchtlingsheim, erklärten ihnen, dass das verboten sei. Daraufhin lösten die Jungen das Problem auf ihre eigene Art: Sie gingen ein paar Meter weiter und kickten auf dem Vorplatz des Heims.