Jonglieren zwischen den Welten
14.04.2010 | 18:40 Uhr 2010-04-14T18:40:00+0200
Essen.Im Science-Fiction-Spektakel „Avatar“ spielt Sigourney Weaver als Xenobotanikerin eine Spitzenkraft der Wissenschaft. In der Realität der Universität Duisburg-Essen sind Frauen nach wie vor in der Minderheit, nehmen die Herausforderung aber gerne an.
Der Weg zum Titel der Professur ist langwierig und schwer. Es reicht nicht, sich einfach nur für das Fach zu interessieren. Hervorragende Leistungen schon im Studium, Durchhaltevermögen und auch die Fähigkeit, sich zu präsentieren, sind unerlässlich, um eine der grundsätzlich eher raren Professuren zu ergattern. „Diese Schwierigkeiten hat aber jeder, der sich die Professur als Ziel steckt“, stellt Prof. Ursula Felderhoff-Müser (44), Zentrum für Kinderheilkunde am Universitätsklinikum fest. „Das sind keine Hürden, die die Weiblichkeit auferlegt.“
Bauwissenschaftlerin Prof. Natalie Stranghöner hat in einer Männerdomäne Fuß gefasst, die Professur selbst jedoch nie in ihrem Lebensweg geplant. „Aber ich hab mich nie versteckt und empfinde es als sehr angenehm, mit Männern zusammenzuarbeiten“, erzählt die 41-Jährige. Die enorme Verantwortung in ihrem Beruf sieht Stranghöner stets als Herausforderung aber nie als Belastung. „Es ist einfach toll, wenn ich durch Deutschland fahre und dann Brücken sehe, die ich während meiner Arbeit in einem Ingenieurbüro gebaut habe.“
Leben mit dem Titel erfordert Kompromisse
Bildungswissenschaftlerin Prof. Anne Schlüter wollte „immer schon Professorin werden, um Wissen weiterzugeben“. Durch ihr Engagement für eine Hochschulpolitik für Frauen spürt sie auch viel Gegenwind. „Doch das hat mein Bewusstsein für die Wichtigkeit umso mehr gestärkt.“
Während die Professorinnen den Weg zum Titel eher hürdenfrei liefen, bringt das Leben mit dem Titel jedoch so manche Schwierigkeiten und Kompromisse mit sich. „Das Lebensmodell muss passen und in meinem Focus stand immer die Karriere“, sagt Anne Schlüter, die daher auf eigene Kinder verzichtete, sich aber über einige Patenkinder freut. „Anspruchsvolle Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen, erfordert viel Selbstdisziplin und Organisation“, meint Felderhoff-Müser, Mutter von zwei Kindern. „Und man muss immer gucken, was unter dem Strich dabei herauskommt.“ Als alleinerziehende Mutter war Germanistik-Professorin Ursula Renner-Henke immer auf Unterstützung angewiesen. „Ich hab viel nachts und zu Hause gearbeitet, aber für die Kinder war es sauschwer eine Mutter zu haben, die da aber doch nicht anwesend ist“, so die 59-Jährige. „Familie und Job zu vereinbaren, ist ein Jonglieren zwischen den Welten“, so Stranghöner. „Aber Kinder sind das größte Glück und stehen deswegen immer vor der Karriere.“
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