Jonathan Darlington kommt beim Publikum an
20.01.2008 | 18:46 Uhr 2008-01-20T18:46:22+0100Er leitete die Duisburger Philharmoniker
Jonathan Darlington ist ein Mann fürs Publikum. Er findet die Nähe, mit Musik und Persönlichkeit gleichermaßen. Dass die Philharmonie am Freitagabend nur dürftig besucht war, hängt kaum mit dem erfolgreichen Dirigenten zusammen. Regionalorchester scheinen es schwer zu haben in Essen - die heimischen Philharmoniker und die Bochumer Symphoniker mit ihrem Mahler-Zyklus einmal ausgenommen.
Diejenigen aber, die gekommen waren, erlebten mit den Duisburger Philharmonikern ein bemerkenswert exakt spielendes Orchester und ein Programm, das dem Spielzeit-Motto "Voilà la France!" in besonderer Weise gerecht wurde. Claude Debussys berühmtem "Pre?lude à l'après-midi d'un Faun" verliehen die Musiker viel impressionistischen Glanz. Großartig, wie das Orchester die Piani und Pianissimi auskostete.
Höhepunkt des ersten Teils aber war - nach Camille Saint-Saens' schwungvoll interpretiertem "Le Rouet d'Omphale" - die Sinfonische Dichtung "Pohjolas Tochter" von Jean Sibelius. Welch emotionale Dichte, welch lebendig vermittelte Dramatik. Man traute sich kaum zu atmen während der letzten Takte, war gefesselt von einer faszinierenden musikalischen Spannung.
Olivier Messiaens 1960 uraufgeführte Komposition "Chronochromie" (Zeitfarben) als Hauptwerk des Abends zu präsentieren, erlauben sich nicht viele Dirigenten. Darlington ging das Wagnis ein und wurde vom aufmerksamen Publikum schließlich nicht enttäuscht. Allerdings waren Programmheftleser diesmal klar im Vorteil. Denn im Grunde muss man eine Ahnung von den hoch komplexen Konstruktionsmechanismen haben, um in Messiaens Klang- und Rhythmuswelt vorzudringen.
Dass dies den Duisburger Philharmonikern vorzüglich gelang, spricht für Dirigent und Orchester, die wir in Essen gerne wiedersehen wollen.
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