JOE – ein Festival für Überzeugungstäter

Die Programmmacher freuen sich auf die 19. Auflage des JOE-Festivals: Patrick Hengst (re.) und John-Dennis Renken.
Die Programmmacher freuen sich auf die 19. Auflage des JOE-Festivals: Patrick Hengst (re.) und John-Dennis Renken.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Wenn die Jazz Offensive Essen ruft, spielen auch große Künstler mal für kleines Geld. Vom 15. bis 18. Januar ist wieder für gute Auftritts-Atmosphäre gesorgt

Essen.. Große Namen mit großen Gagen auf die Bühne bringen kann jeder. Wenn Patrick Hengst und John- Dennis Renken über die Programmplanung des JOE-Festivals sprechen, dann hört man nicht nur die Begeisterung über die Bands heraus, sondern auch den spielerischen Ehrgeiz, das Unmögliche möglich zu machen: Drei Festival-Tage, pickepacke voll mit angesagten Entdeckungen, Wunschkandidaten und Echo-Preisträgern, und das bei einem Etat, mit dem manch anderes Festival das Vorprogramm bestreitet, das ist die hohe Kunst dieses Vereins, der sich kurz JOE wie Jazz Offensive Essen nennt, und sein nicht nur in Fachkreisen hochgelobtes Jazz-Festival vom 15. bis 18. Januar zum 19. Mal im Katakomben-Theater ausrichtet.

Das längst über die Stadtgrenzen etablierte Musiker-Festival punktet dabei nicht nur mit Atmosphäre, sondern vor allem mit den guten Kontakten der zwei Organisatoren, die auch mal ihre Lehrmeister auf die Bühne holen, wie den Folkwang-Professor und Trompeten-Tausendsassa Uli Beckerhoff, der mit seinem Beckerhoff Quartett zukunftsweisen Töne anschlägt. Und: Renken und Hengst gehen im Zusammenspiel mit Oliver Maas und Hartmut Kracht in diesem Jahr auch selber auf die Bühne, ein Novum. Abgerundet wird der Festivalsamstag von Jazz-Saxofonistin Ingrid Laubrock. 2012 noch „Improviser in Residence“ in Moers und künstlerisch wie privat längst in New York zu Hausen, kommt sie mit „Lily’s Déja Vu“ nach Essen.

Abstecher ins Katakomben-Theater

Die, wie Hengst erklärt, gerade im Jazz immer noch große Bereitschaft, der guten Stimmung halber auch mal für sehr kleine Gagen zu spielen, hat den Vorteil, dass das Festival nicht in einen Superstar-Auftritt und Beiwerk zerfällt, sondern drei Abende lang auf hohem Niveau überrascht. Das beweist schon der Donnerstag mit dem Auftritt des „Lisbeth Quartett“. Die Echo-Jazz-Preisträger 2012 sind gerade auf Tournee und konnten für einen Abstecher ins Katakomben-Theater gewonnen werden. „Ein Glücksfall“, sagt Renken. Ebenso wie der Besuch von Avantgarde-Gitarrist Marc Ducret, der mit Trio und neuem Programm in Essen spielt. Bassist John Eckhardt und Partnerin Katrin Bethge am Projektor eröffnen neue Erlebnisklangwelten als „Visuel Bassic“.

Stilistische Vielfalt ist auch am Freitag, 16. Januar angesagt. Der Auftritt von „Retroviseur“ ist ein Zusammenspiel mit dem Deutsch-Französischen Kulturzentrum, „Ugurel + Strings“ streichen originell gegen klassische Erwartungen an. Und die kurzfristige Absage von „KUU“ konnte noch mit der Verpflichtung eines langjährigen Wunschkandidaten, dem Han Bennink Trio, aufgefangen werden. Am Ende reichte die Kapazität sogar noch für einen zusätzlichen, vierten Festivaltag. Der Sonntag, 18. Januar, gehört dem Essener Jazz Orchester. Die mit vielen Essener Musiker besetzte Big Band ist die Zugabe eines Festivals, für das die Planung zum 20. Geburtstag praktisch schon wieder anläuft.