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Jobcenter-Mitarbeiter irritiert - kein Alarmknopf in Essen

29.09.2012 | 10:00 Uhr
Jobcenter-Mitarbeiter irritiert - kein Alarmknopf in Essen
Jobcenter Essen in der Bismarckstraße: Hier waren 2010 zwei Mitarbeiter von einem Kunden mit einem Messer angegriffen worden.Foto: Oliver Müller

Essen.   Seit neun Monaten müssen die Essener Angestellten im Jobcenter auf den stillen Alarm am Computer verzichten. Seit Monaten drängen sie auf diese Funktion, die sie früher hatten. Nach dem tödlichen Angriff in Neuss sind sie noch mehr verunsichert. Das Amt reagiert jetzt.

Die tödliche Messerattacke auf eine Jobcenter-Mitarbeiterin in Neuss hat die Essener Jobcenter-Beschäftigten schockiert. Irritiert haben sie dagegen die Äußerungen ihres Chefs Dietmar Gutschmidt aufgenommen. Er hatte gegenüber der WAZ erklärt, dass die Mitarbeiter im Jobcenter zu ihrem Schutz unter anderem einen Alarmknopf am PC haben. Wie sich nun herausstellt, haben die Mitarbeiter diese Möglichkeit schon seit Anfang dieses Jahres nicht mehr. Das berichten mehrere Betroffene, die sich vertraulich an die WAZ gewandt haben. Einer berichtet: „Trotz wiederholter Bitte wurde dieses Extra noch nicht installiert.“

Der Alarmknopf funktioniert so: Mitarbeiter können, wenn sie sich bedroht fühlen, eine bestimmte Tastenkombination auf ihrer Tastatur drücken. Auf den PC-Bildschirmen der Kollegen in den Nachbarzimmern öffnet sich daraufhin ein Fenster, das die Warnung und die Zimmernummer anzeigt. Auch ein akustisches Signal ertönt.

Software musste ausgetauscht werden

Diese Alarmmöglichkeit hatten die Mitarbeiter im Essener Jobcenter bis Ende vergangenen Jahres. Seit das Jobcenter jedoch in die Regie der Stadt übergegangen ist, gibt es sie nicht mehr. Denn die Software musste ausgetauscht werden. Nun soll der Alarmknopf kommende Woche flächendeckend installiert werden, kündigte Gutschmidt jetzt an. Die Funktion sei nachprogrammiert worden.

Auch das Sicherheitskonzept, das nach der Messerattacke im Essener Jobcenter 2010 erstellt wurde, ist bislang nicht an die neuen Verantwortlichkeiten angepasst worden. Darin sind unter anderem noch Ansprechpartner der Arbeitsagentur genannt, die gar nicht mehr zuständig ist. Auch der Alarmknopf ist darin erwähnt. „Die Führung hat es in neun Monaten nicht geschafft, sich um das wichtigste Gut - die Gesundheit der Mitarbeiter - Gedanken zu machen“, schlussfolgert ein Betroffener erbost. Laut Gutschmidt werde das Konzept derzeit überarbeitet.

Auch die vom Jobcenter-Chef erwähnten Alarmgeräte, die einen lauten Sirenenton abgeben können, noch die eingesetzte Security scheinen den Beschäftigten ein Sicherheitsgefühl zu geben. Wie aus Äußerungen hervorgeht, glauben sie nicht daran, dass zwei Sicherheitsleute beispielsweise im Center Süd im Fall der Fälle ausreichend sind. Dieser Eindruck deckt sich auch mit den Erfahrungen einer Leserin, die im September eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen einen Sicherheitsmann bei OB Paß einreichte. Als sie die Aufsicht bei einem Gedrängel im Amt um Hilfe bat, habe der Mann barsch mit den Worten reagiert: „Ich lasse mir nicht die Fresse zerschlagen“ und sich wieder hingesetzt.

Janet Lindgens


Kommentare
11.04.2013
13:33
Jobcenter-Mitarbeiter irritiert - kein Alarmknopf in Essen
von truckdino | #29

Das Problem mit der Sicherheit... Die Firma die in den Jobcentern die Sicherheitskräfte stellt, zahlt denen 8,15 in der Stunde. Das ist Tarif. Arbeitszeit aber nur von 8:00 bis 13:30 Uhr. Also Halbtagsjob. Viele der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gehen als Aufstocker in das selbe Jobcenter,welches sie "bewachen".
Das ist so gewollt. Nun frage sich jeder wie dann Sicherheit aussehen soll.
Wer mit Bananen bezahlt soll sich nicht wundern wenn er Affen bekommt.

01.10.2012
22:39
Kein Alarmknopf in Essen
von knueppeljunge | #28

und wenn morgen ein Angriff erfolgt, fragen sich alle woher der Täter wusste, dass kein Sicherheitskonzept existiert.

Schön, dass sich die Mitarbeiter vertraulich an die WAZ gewandt haben - aber vorher Denken (!!!!) wäre auch nicht schlecht gewesen.

Zumal vertrauliches nun öffentlich ist.

01.10.2012
21:31
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #27

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

01.10.2012
18:55
Jobcenter-Mitarbeiter irritiert - kein Alarmknopf in Essen
von ZakMacHagen | #26

Bei allem Respekt für den - mit Sicherheit in manchen Fällen berechtigten -, der bei dem Besuch im JobCenter aufkommen kann. Das gibt dem Frustierten nicht das Recht, handgreiflich gegen jemanden zu werden. Man stelle sich mal vor, jedem Handwerker, auf den man wochenlang wartet und der seine Arbeit nicht zufriedenstellend ausführt, wird erst mal eine an den Kopf gehauen. Aber leider geht das in dieser Republik in diese Richtung.

Anspruchsdenken, wohin man schaut.

01.10.2012
18:47
Arge-listige Täuschung?
von wohlzufrieden | #25

Was soll der Blödsinn mit fehlenden Alarmknöpfen in den Argen? Dort gehören sie nicht hin. In Berlin fehlen die Alarmglocken. Und diese wurden zerschlagen, von Sozial-Saboteuren wie Peer Steinbrück, nämlich p(e)er Hartz IV. Hat tatsächlich jemand geglaubt, das die ständige Verarmung und Erniedrigung der Massen, unabhängig von dem abscheulichen Verbrechen in Neuss, Folgenlos bleibt? Das Leben wird nicht nur für Arge-Mitarbeiter immer gefährlicher. Was ist mit den Verkäufer/innen, die von Ladendieben oder bei Überfällen schwer verletzt oder Getötet werden? Was ist mit Kontrolleuren, Fahrern und Fahrerinnen von Bus und Bahn, die beinahe täglich zusammenschlagen werden? Was ist mit den Bürgern, die sich auf den Straßen nicht mehr sicher sein können? In unserer schönen rund um die Uhr Gesellschaft der Billigkräfte müssen wir uns wohl oder übel an diese Zustände gewöhnen. Und erwartet bloß nicht von der Politik Hilfe: Die nimmt jede Gelegenheit wahr, Keile zwischen die Menschen zu treiben.

01.10.2012
18:04
Verbesserungsvorschlag
von wohlzufrieden | #24

Wenn der "Kunde" die Arge betritt, sollte er bereits von einem SEK in Empfang genommen werden. Er wird bis auf die Unterhose ausgezogen, mit Handschellen gefesselt, und zu seinem Verhörspezialisten, Pardon Fallmanager gebracht, und in dessen Büro an den Schreibtisch gekettet. Nach Beendigung des Verhöres, Pardon des Kundengespräches wird der Kunde wieder vom SEK in Empfang genommen, aus der Arge hinaus begleitet, wo bereits seine Garderobe auf der Straße liegt. Das wäre auch für Frau von der Leyen ein weiteres wirksames Instrument, um die Bereitwilligkeit und die Arbeitswilligkeit des Sklaven, Pardon Kunden zu testen. Ach ja: Ironie aus.

01.10.2012
16:44
Jobcenter-Mitarbeiter irritiert - kein Alarmknopf in Essen
von Spatenklopper | #23

Das Problem sind nicht fehlende Alarmknöpfe, die Kernfrage muss doch sein, weshalb es überhaupt so weit kommen kann.
Ich sehen die Probleme am System und den teilweise unqualifizierten Mitarbeitern der Arge.
Um Missverständnissen vorzubeugen, ich verurteile das geschehene in Neuss oder alle sonstigen Übergriffe aufs schärfste, aber wer schonmal mit der ARGE zu tun hatte, egal ob als Arbeitssuchender oder sogar als jemand der Arbeit anzubieten hat, den wundert es nicht.
Wenn jemand zur Arge geht um Arbeitskräfte zu suchen und dort behandelt wird, als wäre man ein Aussätziger, ist für mich die Grenze des Erträglichen überschtritten, aber ich kann mich anderweitig auf dem Arbeitsmarkt umsehen, selbst aktiv werden und die Arge ignorieren.
Wenn man allerdings schon am Boden der Gesellschaft angelangt ist und in einer menschenunwürdigen Weise abgehandelt wird, verstehe ich, das manchem die Sicherungen durchbrennen.

01.10.2012
06:39
Jobcenter-Mitarbeiter in Essen fordern nach tödlicher Attacke in Neuss den Alarmknopf
von amki | #22

Alarmknopf okay, aber damit wird nichts Grundsätzliches behoben, nämlich der Personalnotstand in den Jobcentern und ARGE`n der zum größten Teil diesen Unmut hervorruft!

Die Tat in Neuss ist durch nichts zu entschuldigen.

Jerdoch ist der Unmut z. T. verständlich, berechtigt und lässt sich bei den Zuständen in den Jobcentern durchaus verstehen! Kaum persönlicher (schneller!) Kontakt möglich, lange Bearbeitungszeiten, ordnerweise Postrückstände! Wenn dies alles besser laufen würde, eine schnelle Bearbeitung sicher gestellt wird und auch mal ein Gespräch kurzfirstig geführt werden könnte, wäre schon viel, ja sehr viel Wut und Aggression bei den Kunden abgebaut!

01.10.2012
01:24
Jobcenter-Mitarbeiter in Essen fordern nach tödlicher Attacke in Neuss den Alarmknopf
von Rike57 | #21

Weg mit AlgII (HartzIV).Macht den Weg frei,
für das bedingungslose Grundeinkommen!
Beugt der Kinder-, und Altersarmut vor!
Unsere Nachbarländer sind da schon viel weiter als wir!
Wer Banken, Geld geben kann zum Zocken, den T€uro retten kann, der hat auch genug Geld fürs eigene Volk!

30.09.2012
21:02
Jobcenter-Mitarbeiter in Essen fordern nach tödlicher Attacke in Neuss den Alarmknopf
von trickflyer | #20

warum wundert mich das nicht???die grössten nullen der republik sitzen nämlich dort.und arbeiten???was ist das?

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