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Jetzt kommt Leben ins Essener Univiertel - große Allbau-Wohnungen noch frei

05.12.2012 | 08:00 Uhr
Ins Univiertel zwischen der Essener Innenstadt und der Uni kommt langsam Leben.Foto: Ulrich von Born / WAZ Foto Pool

Essen.   Die Zukunft beginnt abschnittsweise im Essener Univiertel zwischen Innenstadt und Campus: Während bei einigen Wohnbaufeldern in der „Grünen Mitte“ noch nicht einmal der erste Spatenstich erfolgt ist, brühen sich Mieter und Eigentümer andernorts den ersten Kaffee auf.

Sein Schädel brummt, die Nase läuft, der Fußweg trieft vor Matsche und der Küchenfritze nebenan macht beim Zuschneiden der Arbeitsplatte einen Höllenlärm. Tür zu. Schon die Rom-Reise hat Hans-Rainer Burisch krankheitsbedingt absagen müssen, ein guter Grund eigentlich, so richtig schlechte Laune zu haben, aber irgendwie kriegt er das nicht richtig hin.

Sondern steht auf seinem neuen Balkon im zweiten Stock und erinnert sich, wie das war, damals, im Herbst 2010, als er mit seiner Frau lange vergeblich nach neuen vier Wänden suchte, um sich etwas kleiner zu setzen. Wie er an den Prospekt fürs Univiertel geriet und die Burischs sich dachten: Diese 92 Quadratmeter, „ja, das könnte es sein.“

Das ist es auch geworden für den einstigen Leiter des städtischen Wahlamts und seine Frau und für all die anderen, die in diesen Tagen und Wochen erstes Leben in das Quartier zwischen Innenstadt und Uni-Campus bringen. Es wimmelt nur so von Baustellen-Geschäftigkeit in allen Phasen:

An den Klingelschildern der Eigentumswohnungen von Dornieden hängen schon akkurat ausgedruckte Namensschilder und ein Gärtner lockert die Rollrasen-Felder mit kleinen Rabatten voller Gräser auf, beim Hochtief-Komplex nebenan stehen gleich vier Möbelwagen vor der Tür, während die Dachbegrünung der Tiefgarage eingeharkt wird und das Schaukelgerät auf die erste Belastungsprobe durch die Kurzen wartet.

Allbau-Mieter kommen ab Februar

Etwas warten müssen noch die Mieter beim Allbau gegenüber: In zwei Monaten, am 1. Februar, ist dort Einzug, 80 Prozent der Wohnungen sind vergeben, ein paar ganz große sind noch frei: „Verständlich, die wollen erst sehen, wie das so wird“, sagt Allbau-Sprecher Dieter Remy.

Es wird schön, zumindest, wenn man „keine Landpomeranze“ ist, wie Burisch augenzwinkernd bemerkt: „So’n bissken Häuser drum herum – wir brauchen das.“ Ein städtisches Viertel eben, das da abschnittsweise wächst: Im Osten des Univiertel-Areals, gleich neben dem Hörsaal-Zentrum für die Uni haben die ersten acht von 19 Stadtvillen der Eckehard Adamas Wohnungsbau GmbH das Kellerdasein hinter sich, für „Park View“ einen Wohnkomplex neben dem AOK-Neubau ist die Baugrube bereits ausgehoben, und in ein paar Wochen sollen auch die zwei übrigen Wohnprojekte in die Baugrube gehen: Evonik Wohnen und das Versorgungswerk der Architektenkammer NRW im Westen, wo Burischs derzeit noch auf Erdhügel schauen.

Neubauten im Uni-Viertel

W e n n sie hinschauen, denn es gilt noch auf so viele Kleinigkeiten zu gucken: Warum wird der Anschluss mit Glasfaserkabel so teuer? Warum stiefelten auch nach der Wohnungsübergabe noch Bauarbeiter durchs neue Domizil? Und wieso sind da unten vor der Haustür jetzt zwei Treppenstufen, wo der Prospekt nur eine vorsah? „Eine Stufe kommt man ja mit dem Rollator noch hoch“, sagt Burisch und lacht erleichtert: Ist zum Glück ja noch nicht so weit.

Leider dauert’s auch noch ein paar Monate, bis im Allbau -Komplex nebenan ein Café samt Bäckerei einzieht. Egal. Kein Grund, mehr als bisher verschnupft zu sein.

Universitätsviertel in Zahlen

Rund 13,3 Hektar (= 27 Fußballplätze) groß ist das Universitätsviertel – Grüne Mitte Essen. Allein vier Hektar davon machen Grün- und Wasserflächen in der Geländemitte und der Fuß- und Radweg am nördlichen Rand aus. Insgesamt entstehen rund 400 Wohneinheiten in verschiedenen Bauprojekten, dazu rund 60.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für Büros – darunter der Neubau der AOK-Zentrale und der neue Standort für die WAZ-Unternehmensgruppe . Insgesamt investiert die öffentliche Hand ca. 32 Millionen Euro, Private weitere 500 Millionen.

Essens Schrott-Immobilien

Wolfgang Kintscher



Kommentare
21.12.2012
03:24
Unglaublich
von Shy_Eye | #5

Mir persönlich ist das alles zu künstlich und leblos, hat kein Charakter.

Nun bin ich mir sicher: Kreativität, Ideenfindung und das Auge für Attraktivität, kommt nicht mit dem Geld!
Für über 5000 Millionen hätte ich was besseres geliefert ;)

05.12.2012
18:27
Jetzt kommt Leben ins Essener Univiertel - große Allbau-Wohnungen noch frei
von maxim | #4

Wirklich mutig von den Leuten so viel Geld in eine Immobilie in dieser Lage zu investieren. Auf der anderen Seite wäre es doch schön, wenn ein paar Mitteleuropäer oder sogar Deutsche in dieser Ecke wohnen würden.

05.12.2012
15:21
Die Gentrifizierung schreitet auch in Essen voran
von schweinchen_schlau | #3

Wenn sich schon der ehemalige Wahlamtsleiter hier nach einem passenden Domizil umschaut, ist die Richtung klar. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wird auch die Stahlstraße "clean" werden und muss den "Hospiz-ETWs" weichen.

Die "Best-Ager" greifen nun auch in Essen, wie in anderen Großstädten nach der City. Dann kommt man auch noch mit dem Rollator zum Limbecker Platz.

Konsum bis nichts mehr geht. Schade, dass das letzte Hemd doch keine Taschen hat.

05.12.2012
13:55
"Akkurat ausgedruckte Namensschilder" - noch!
von karlleokraus | #2

Eindrucksvolle Photos aus der "Grünen Mitte", keine Frage.
Und trotzdem, hier werden viele "kleine" Leute massenhaft Geld versenken.
Entscheidend bei einer Immobilie ist und bleibt die Lage, der Rest ist veränderbar.
Aber, zur Not hilft, zumindest für eine gewisse Zeit, auch ein guter Security Service.

1 Antwort
Jetzt kommt Leben ins Essener Univiertel - große Allbau-Wohnungen noch frei
von dschidschi5 | #2-1

Ich denke auch, dass es ohne Security-Service nicht gehen wird. Ich würde sicher nicht gerne nach Einbruch der Dunkelheit dort freiwillig entlang gehen.

05.12.2012
12:32
Jetzt kommt Leben ins Essener Univiertel - große Allbau-Wohnungen noch frei
von dschidschi5 | #1

Ich wundere mich ja immer noch, warum Leute sich für teures Geld in so einem Plattenbau-Ghetto einkaufen.
Aber man lernt ja immer noch dazu....

2 Antworten
Jetzt kommt Leben ins Essener Univiertel - große Allbau-Wohnungen noch frei
von Ma3a | #1-1

@ dschidschi5: Plattenbauviertel? :D
Die Wohnungen die da entstehen sind von der Lage und Ausstattung top.

Was mich zemlich aufregt ist das direkt nebenan die Uni aus allen Nähten platzt und der verfügbare Platz wird mit Luxusimmobilien zugepflastert! Da sieht man einmal wieder welcher Stellenwert Bildung heutzutage hat!

Jetzt kommt Leben ins Essener Univiertel - große Allbau-Wohnungen noch frei
von dschidschi5 | #1-2

@1-1:
Über die Ausstattung kann ich nichts sagen, aber daß die Lage "top" sein soll, habe ich schon die ganze Zeit nicht verstanden. Auf der einen Seite die hässliche, vernachlässigte Uni, schräg gegenüber die Stahlstraße (tolle Lage, wirklich..., hihihi) und auf der anderen Seite gegenüber wechseln sich türkische Händler mit Sexshops ab - reden wir wirklich beide über dieselbe Sache? Ach, ich vergass noch den "Prachtbau", in dem früher der Waschsalon war - der trägt wirklich zur Aufwertung des Viertels bei...
In Bezug auf die Uni muss ich Ihnen natürlich zustimmen.

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