Jeder fünfte Siebtklässler sieht schlecht

Sehtestaktion für Viertklässler durch Unterstützung von Essenern Optikern während der Radfahrausbildung. Im Bild: Sabine Kaprolat von der Verkehrswacht und Optiker Hans-Joachim Meyer von Optik Schwalen
Sehtestaktion für Viertklässler durch Unterstützung von Essenern Optikern während der Radfahrausbildung. Im Bild: Sabine Kaprolat von der Verkehrswacht und Optiker Hans-Joachim Meyer von Optik Schwalen
Foto: WAZ FotoPool

Essen.. Fast jeder fünfte Siebtklässler sieht schlecht. Bei 19,5 Prozent der untersuchten Schüler lag das gemessene Sehvermögen auf einem oder beiden Augen unter 70 Prozent des Durchschnittswertes, berichten Verkehrswacht und Optiker. Bei den Viertklässlern dagegen ist das Ergebnis etwas besser als in den Vorjahren: 15 Prozent der Schüler bekamen die Empfehlung, einen Augenarzt aufzusuchen.

Die Reihenuntersuchung der Essener Schüler führt die Verkehrswacht mit ehrenamtlicher Hilfe von rund 30 Optikern durch. Damit schließt sie seit Jahrzehnten eine Lücke, erklärt Geschäftsführerin Bettina Rust: „Die Sehkraft von Kindern wird bei den Schuleingangsuntersuchungen gemessen - und dann erst wieder, wenn die Jugendlichen ihren Führerschein machen. Im Alter dazwischen kann mit den Augen ganz viel passieren.“ Deshalb dockt die Verkehrswacht ihre Reihenuntersuchung an die Aktivitäten zum Fahrrad-Pass in den Schulen an.

Bei Auffälligkeiten werden den Eltern geraten zum Augenarzt zu gehen.

Die Untersuchungen sind repräsentativ: Dieses Jahr haben Optiker wie Hans-Joachim Meyer von Optik Schwalen 2729 Viertklässler vor das Testgerät gesetzt, mehr als die Hälfte aller Essener Schüler in den vierten Klassen. Unterschreitet das Sehvermögen die 70-Prozent-Marke, bekommt der Klassenlehrer zur Weitergabe an die Eltern einen Brief mit der Empfehlung, einen Augenarzt aufzusuchen. Und dem Hinweis: „Diese Untersuchung ist kostenlos!“ „Wir können niemanden zwingen“, sagt Meyer. „Wir schauen nur nach Auffälligkeiten. Alles andere muss der Augenarzt machen. Bettina Rust ergänzt: „Und die Daten werden auch nirgendwo gespeichert.“

Die Schulen begrüßen die Aktion ausdrücklich. Bei den Eltern stößt sie dagegen zuweilen auf ein geteiltes Echo. Meyer: „Mir haben schon Eltern gesagt: Mein Kind kriegt keine Brille. Es hat doch keinen Makel! Oder wir kriegen zu hören: Ihr wollt doch nur Brillen verkaufen! Manchmal stoßen wir bei den Eltern auf echtes Desinteresse. Ich hatte schon Kinder, die auf beiden Augen weniger als 30 Prozent Sehkraft hatten. Das muss doch jemandem aufgefallen sein!“ Schlechtes Sehen, das wissen Lehrer, kann Ursache für schlechte Schulleistungen sein. Und, sagt die Verkehrswacht-Geschäftsführerin, für Unfälle im Straßenverkehr gerade in der dunklen Jahreszeit.

Die schlechten Ergebnisse der Untersuchung bei den Siebtklässlern bucht der Optiker übrigens auf das Konto Eitelkeit: Besondern Mädchen fänden Brillen doof.