Jede Woche ein neuer Nachbar – Ärger um private Ferienzimmer

Lothar und Christel Hatwich vor dem Haus an der Brauerstraße, in dem sie seit 40 Jahren wohnen.
Lothar und Christel Hatwich vor dem Haus an der Brauerstraße, in dem sie seit 40 Jahren wohnen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
  • Wohnunsgseigentümer im Südviertel fühlen sich hilflos
  • In ihrem Haus werden drei Wohnungen über Ferienportale angeboten
  • In Essen ist rechtliche Lage durch fehlende Satzung schwammig

Essen-Südviertel.. Die steigende Zahl der Vermietungen von Ferienwohnungen in privaten Unterkünften bereitet nicht nur der Hotelbranche in Essen Bauchschmerzen. Auch in Eigentümergemeinschaften können Konflikte entstehen, wenn die Nachbarn alle paar Wochen oder sogar Tage wechseln.

Ein solcher Streit ist in einem Mehrfamilienhaus an der Brauerstraße entbrannt – einer ruhigen Nebenstraße unweit des RWE-Turms: Die zentrale Lage zwischen Innenstadt und Rüttenscheid war einer der Gründe, warum Lothar Hatwich und seine Ehefrau Christel vor 40 Jahren einzogen und ihre Wohnung nach 20 Jahren gekauft haben.

Baugenehmigung und Gewerbeschein erforderlich

Seit einigen Monaten aber sehen die beiden Rentner ihre Wohnqualität schwinden. „Drei Wohnungen im Erdgeschoss, deren Mieter weggezogen oder verstorben sind, wurden von einer Person gekauft und in Ferienappartements umgewandelt. Seitdem ist es nachts oft laut, wenn die Touristen mit ihren Rollkoffern anrücken. Außerdem halten sich ständig fremde Menschen im Haus auf, die sich nicht immer an die Regeln halten“, sagt Lothar Hatwich.

Die Gesellschaft, die die Ferienwohnungen im Auftrag der Eigentümerin betreut und auf diversen Portalen im Internet anbietet, widerspricht diesen Vorwürfen. Bis auf die Hatwichs habe niemand im Haus ein Problem mit der Vermietung auf Zeit, wie der Vertreter der GmbH sagt.

Unabhängig davon sei es allein Sache der Eigentümerin, was sie mit den Wohnungen mache. Das Geschäft dürfte sich im Vergleich zur herkömmlichen Vermietung lohnen: Pro Nacht kostet die möblierte und 57 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnung an der Brauerstraße 50 Euro; für einen Monat werden pauschal 1200 Euro fällig.

Keine Zweckentfremdungssatzung

Tatsächlich ist die rechtliche Lage in Essen schwammig: Da es hier – im Gegensatz zu anderen Städten wie Bonn – keine Zweckentfremdungssatzung in Bezug auf nicht gemeldete Ferienwohnungen gibt, hat die Stadt keine Handhabe, um gegen „ungenehmigte“ Ferienwohnungen und die Vermieter vorzugehen. Und von diesen illegalen Wohnungen dürfte es eine Menge geben. Denn wer seine Privatwohnung in eine weit lukrativere Ferienwohnung umwandeln will, braucht dafür eine Baugenehmigung.

Wohnungsmangel „Erfahrungsgemäß wissen das jedoch viele (...) nicht. Deswegen ist vermutlich eine hohe Anzahl der privaten Ferienwohnungen nicht genehmigt“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt. In der Regel sei es aber kein Problem, eine Baugenehmigung nachträglich einzuholen: „Vorausgesetzt, die Wohnung befindet sich nicht in einem reinen Wohngebiet. Dort ist eine gewerbliche Vermietung von Ferienwohnungen nicht genehmigungsfähig“, heißt es weiter. Neben der Baugenehmigung muss jeder Vermieter einer Ferienwohnung ein Gewerbe anmelden.

Kapazitäten, um zu prüfen, ob Genehmigung und Gewerbeschein vorliegen, hat die Stadt jedoch kaum. Wie es sich im konkreten Fall an der Brauerstraße verhält, konnte die Stadt am Freitag nicht mitteilen.