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Charlie Hebdo

„Je suis Charlie“-Choreografie spaltet Essener Gesamtschüler

21.01.2015 | 00:10 Uhr
„Je suis Charlie“-Choreografie spaltet Essener Gesamtschüler

Nach emotionalen Diskussionen stellten sich rund 250 Schüler der Gesamtschule Süd zum Friedenszeichen auf.

Nach und nach strömen die Schüler nach dem zweiten Pausengong auf den Schulhof. Eine ganze Weile soll es dauern, bis auch alle rund 250 Mädchen und Jungen ihren Platz zwischen den Kreidemarkierungen gefunden haben und das große Friedenszeichen ausgefüllt ist. Es ist Dienstagmorgen, 11.40 Uhr, in der Stadtwalder Gesamtschule Süd, knapp zwei Wochen nach dem Anschlag auf das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“ – ein Ereignis, das in einer Lehranstalt mit 40 Prozent Schülern aus eingewanderten Familien natürlich für viel Gesprächsstoff sorgt.

Kein Konsens für „Wir sind Charlie“

„Unsere Schule trägt den Titel ,Gegen Rassismus – Schule mit Courage’. Aber nicht nur deswegen war klar, dass wir als Schülervertretung da was machen“, stellt Schülersprecherin Laura Kopczynski (18) fest. Ein Zeichen wollte sie zusammen mit dem zweiten Schülersprecher Jan Köllner (18) und der Schülervertretung (SV) setzen: eine „Wir sind Charlie“-Choreographie. Recht schnell mussten sie und der unterstützende Lehrer Rudi Kretschmar feststellen: Man kann auch für Toleranz sein, ohne sich mit dem „Charlie“-Slogan zu identifizieren. Kretschmar erläutert: „Dass es bei ,Charlie’ mehr um Meinungsfreiheit, als um eine inhaltliche Unterstützung für das Magazin geht, ist schwer zu kommunizieren.“

Ein großer Teil der Schüler sind Muslime. In die 40 Prozent mit Migrationshintergrund sind die gebürtige Polin Laura und Jan, der eine ungarische Mutter hat, wahrscheinlich gar nicht eingerechnet. Nein, nicht alle moslemischen Schüler zeigen Vernunft beim Thema, wie Lehrer Kretschmar schildert: „Gerade bei Jüngeren kann es schwierig werden, wenn sie die Anschläge auch noch für gerechtfertigt halten“, sagt er.

Repräsentativ? Wohl kaum, SV-Mitglied Dounia Laghmouch (17) steht für eine andere Haltung. Die junge Frau mit marokkanischen Eltern hat viele Diskussionen geführt. Auch sie wollte sich nicht so einfach mit dem „Charlie“-Slogan identifizieren. „Warum nimmt man nicht die religiösen Extremisten ins Visier, sondern Mohammed? Die stellen doch genau das Gegenteil von dem da, wofür der Islam steht“, sagt sie. Auch die SV kam ins Nachdenken: „Wir haben uns selbst die Frage nach Toleranz gestellt, deshalb dann das Friedenszeichen gewählt“, so Laura Kopczynski.

In ihrem Alltag, auch außerhalb der Schule, hat die dunkelhäutige Frau glücklicherweise kaum Berührung mit Fremdenfeindlichkeit. Bei Dounia Laghmouch sieht es etwas anders aus, gerade nach den Anschlägen. Es sind die kleinen Situationen, die einer Frau, die in Deutschland aufgewachsen ist, einfach an die Nerven gehen. Etwa, wenn sie mit ihrer Schwester in der Straßenbahn marokkanisch spricht: „Da fragt mich ein Mann, ob wir gerade einen Terroranschlag vorbereiten. Auch wenn es nur ein Witz ist: Ich frag ihn auch nicht im Spaß, ob er Nazi ist.“

Markus Grenz

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2015-01-21 00:10
Essen