Jagd in Essen-Freisenbruch verunsichert Spaziergänger

Foto: Christof Koepsel / FUNKE Foto Services
Freisenbrucher wundern sich über Jäger in der Nähe von Wanderweg, Spielplatz und Seniorenheim. Alles rechtens, sagt die Kreisjägerschaft, und will beruhigen.

Freisenbruch.. Als Peter Link an Silvester eine Runde mit seinem Sohn Max im Kinderwagen und Hündin Lilli am Waldweg drehen wollte, endete dieser Spaziergang mit einem Schrecken – und schließlich mit einem Polizeieinsatz. Die Beamten rückten wegen einer mutmaßlichen Gefahr aus. Denn der Vater rief sie an diesem Morgen, nachdem mehrere Schüsse gefallen seien, „weil ein Jäger nur wenige Meter neben mir schoss“.

Peter Link betont, dass er kein Jagdgegner sei. In dieser Situation aber sorgte er sich um die Sicherheit. Er konnte sich nicht vorstellen, dass eine Jagd so nahe an Spazierwegen erlaubt sei und steht mit dieser Meinung nicht allein. Andere Anwohner beschreiben den Ort (einen neu geteerten Weg) als eine Strecke, die viele Läufer, Hundebesitzer und auch Radfahrer nutzten. Dort befindet sich ein Kinderspielplatz, ein Stückchen weiter liegen Seniorenheim und Fußballplatz, in die andere Richtung das Bürgerhaus Oststadt. Kurzum: Kaum vorstellbar, dass hier scharf geschossen werden dürfe.

Tatsächlich war die Jagd in Freisenbruch rechtens. Zum einen gebe es Gebiete, die zu Jagdbereichen zählen, erklärt Hans-Bernhard Mann, Vorsitzender der Essener Kreisjägerschaft. Aber selbst in befriedeten Gebieten besteht die Möglichkeit zur Jagd. Nur erfordere diese zuvor eine Genehmigung der Unteren Jagdbehörde, sagt Mann, der kritische Diskussionen zur Jagd kenne. Zuletzt kochten die Gemüter hoch, als es um die Kanadagänse in der Gruga ging.

Der Grugapark gilt wie der Borbecker Schlosspark, wie öffentliche Plätze oder Friedhöfe als befriedetes Gebiet. „Dort ruht die Jagd“, erklärt Mann. Wenn in den Bereichen dennoch Tiere bejagt werden, müssten dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Zunächst müssen Versuche gescheitert sein, die Tiere auf andere Art zu vergrämen. Erst dann sei eine Genehmigung überhaupt möglich. Was es nicht gibt, sind bestimmte Abstände, die Jäger etwa zu Gebäuden einhalten müssten. In Richtung von Häusern schießen sie ohnehin nicht, sagt Mann.

Er bemühe sich, besorgte Menschen in solchen Situationen zu beruhigen und kann sich selbst an keinen Jagdunfall in Essen erinnern. „Das oberste Gebot für Jäger lautet, dass jeder für seinen Schuss verantwortlich ist.“ Das heißt, dass er haftbar sei. So gelten höchste Sicherheitsmaßnahmen. Wer etwa über einen Zaun steigt, müsse zuvor die Munition aus dem Gewehr entnehmen. Wenn doch etwas passieren sollte, was sehr unwahrscheinlich sei, dann drohen strenge Sanktionen. Weiterhin gebe es etwa Jagdverbote wie zur Nachtzeit. Zur Mittagszeit seien Jäger um Rücksicht bemüht. Bei einer Treibjagd stellten sie Warnschilder auf. Diese Schilder hätten sich auch die Freisenbrucher gewünscht, um selbst entscheiden zu können, ob sie den Waldweg während der Jagd gehen oder lieber meiden wollen.

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