Jäger der verlorenen Schätze

Steele..  Zu den sehenswerten Orten der Domstadt Köln zählt auch das bereits 1910 eröffnete Schnütgen-Museum, in dem es eine der größten Sammlungen christlicher Sakralkunst des Mittelalters gibt. Diesen historischen Schatz – und dies wissen wahrscheinlich die wenigsten – verdanken die Domstädter einem waschechten Steelenser: Johann Wilhelm Alexander Schnütgen, dem späteren Domvikar zu Köln, der am 22. Februar 1843 das Licht der Welt erblickte.

Die Wurzeln der Familie Schnütgen liegen im Sauerland, im kleinen Ort Listendohl, wo Alexander Schnütgen am 23. November des Jahres 1918 starb. Verbindungen nach Steele gab es aber schon früh. Sein Vater war Angestellter der Zeche Neu Schottland in Steele. Alexander jedoch hatte andere Pläne. Nach dem Besuch der sogenannten Elementarschule in Steele wechselte er im Spätherbst 1852 auf das Burggymnasium, der damals einzigen höheren Lehranstalt in der gesamten Stadt Essen.

Bei knapp 7000 Einwohnern, die die Ruhrstadt damals zählte, war Alexander Schnütgen einer von rund 200 Schülern, die zu diesem Zeitpunkt das Gymnasium besuchten. In seinem kleinen Buch „Heimatklänge“ erinnert er sich an die Schulzeit zurück: „Viele Schüler machten täglich den durchschnittlich eine Stunde messenden Weg aus (…) den Nachbarorten Steele, Kray, Stoppenberg, Altenessen, Borbeck, Huttrop und Rellinghausen.“ Einige kamen sogar aus dem zwei Stunden entfernten Werden.

In dieser Zeit lernte Schnütgen Carl Humann kennen, dessen Familie im Nachbarhaus wohnte. Carl war zwar bereits fünf Jahre älter als Alexander, besuchte aber am Gymnasium die Klasse über ihm. Oft machten sie beide gemeinsam auf den beschwerlichen Weg von Steele nach Essen. Nach Abitur und Abschluss des Theologiestudiums wurde Schnütgen im Jahr 1866 zum Priester geweiht und gleich darauf zum Domvikar ernannt. Ein Jahr später folgte dann die Berufung zum Domherrn in Köln.

Kirchenspeicher, Sakristeien

Schon früh entdeckte der Geistliche sein Interesse an der Kunst. Auf seinen zahlreichen Reisen durch die Erzdiözese bot sich Schnütgen oft Gelegenheit, verstaubte Kirchenspeicher und längst vergessene Sakristeien nach kirchlichen Kunstschätzen zu durchstöbern. Aber auch auf Versteigerungen, bei Händlern und sogar an der Haustüre wurde er fündig. So rettete der Vikar in Köln etliche Kunstwerke vor den Verfall. Im Laufe der Jahre entstand eine stattliche private Sammlung, die rund 6000 Exponate zählte. Noch zu Lebzeiten, im Jahr 1906, schenkte Schnütgen diese der Stadt Köln, die sich jedoch verpflichtete, die Sammlung auf Dauer zu erhalten. Vier Jahre später wurde das Museum Schnütgen eröffnet. Heute finden sich im Museum an der Cäcilienstraße mehr als 11 000 Werke christlicher Sakralkunst des Mittelalters. Schnütgens Kunstsammlung befindet sich im Erweiterungsbau von 2011, dem aufwendig sanierten Bibliothekstrakt aus den 1950er Jahren, dem atmosphärischen Cäciliengarten und dem Herzstück des Hauses, der romanischen Cäcilienkirche. Für sein Schaffen und Lebenswerk erhielt Alexander Schnütgen zahlreiche Ehrungen. So trug der Ehrenbürger der Stadt Köln auch den Titel des Ehrendoktors der Universität Münster und der Katholischen Universität Löwen.