Investition in Kita trotz leerer Kasse

Dellwig..  Die Feste feiern, wie sie fallen, das können sie in der Kindertagesstätte an der Zugstraße in Dellwig. Wie im letzten Sommer, als Popsängerin Nena der evangelischen Kita einen Besuch abstattete und mit den Kindern fröhliche Lieder sang.

Gestern gab es wieder etwas zu feiern: Richtfest für den Anbau. Er soll im Sommer für Kinder ab einem Jahr zur Verfügung stehen. „Das Richtfest wollen wir heute in aller Form feiern, denn so etwas haben die Kinder noch nicht erlebt“, kündigte Pfarrer Fritz Pahlke, festlich im hellblauen Jackett gekleidet, an. Dass der Zimmermann nach jeden Vers ein Schnapsglas auf dem Boden zerschellen lässt, ließ die kleinen Dellwiger gespannt warten.

Spannung liegt allerdings auch über der Kirchengemeinde. Wie berichtet, entzündet sich der Streit zwischen den Bezirken um die Schließung des Gemeindehauses in Gerschede. In Zeiten knapper und immer leerer werdender Kassen müssen unpopuläre Maßnahmen getroffen werden.

Kirchmeister Jörg Th. Thiede verteidigte daher auch vehement die Erweiterung des Dellwiger Kindergartens: „Als Kirchengemeinde haben wir uns bewusst für die Kita-Arbeit entschieden. Wir hätten andererseits auch alle Gemeindezentren erhalten können.“

Dass die evangelische Kirchengemeinde Frintrop-Dellwig-Gerschede sich auch schon einmal anders entschieden hat, ist auch kein Geheimnis: Vor elf Jahren schloss sie ihren Kindergarten an der jetzt 100-jährigen Friedenskirche in Dellwig. „Schrumpfende Kinderzahlen“ wurden damals als Begründung genannt.

Ein Jahrzehnt später sieht sich der Kindergartenträger vor völlig neue Aufgaben gestellt. Jetzt geht es darum, möglichst viele Kleinstkinder im Alter von etwa einem Jahr aufzunehmen. „Die Nachfrage ist enorm gestiegen. Für die drei Plätze für Kinder unter zwei Jahren haben wir fast zehn Mal so viele Anmeldungen“, berichtet Anne Mulisch. Ähnlich sieht es bei den zweijährigen Kindern aus: Für die 15 Plätze gingen über 60 Anmeldungen ein. Insgesamt besuchen derzeit 88 Kinder die vier Gruppen, künftig sind es 87 Kinder ebenfalls in vier Gruppen.

Öffentliche Fördermittel

Diese Entwicklung zwang die evangelische Kirchengemeinde zum Handeln. Nach umfangreicher Planung und Bewilligung der öffentlichen Fördermittel wurde Anfang März auf einer Wiese neben dem Eingangsgebäude mit den ersten Bauarbeiten begonnen. „Ein mutiger Schritt“, wie der Kirchmeister findet. 660 000 Euro kostet der Flachdachanbau, der speziell für die kleinsten, etwa ein Jahr alten Kinder bestimmt ist. 260 000 Euro trägt davon die Gemeinde, der Rest kommt von Bund und Land.

Und so verfolgten die 88 Kinder mit verschiedenem kulturellen und religiösen Hintergrund das Richtfest. Ein Mitarbeiter der Baufirma Spieckermann, die das Fest sponserte, zog den bunten Kranz in die Höhe, und Zimmermann Herbert Vennhoff aus Wulfen sagte seinen Spruch — und zerdepperte traditionsgemäß ein Schnapsglas.

Die Kinder haben es überlebt . . .