In Stein gemeißelt

Vor der Brücke..  Es hämmert und schachert, weißer Staub macht sich auf dem Boden breit – vier Mädchen im Alter von neun bis 15 Jahren üben sich in der Bildhauerei. Der Krach stört zum Glück niemand, denn der kreative Nachwuchs absolviert einen Kinder-Ferienkurs in der Bildhauerwerkstatt „Freischlag“ im Gewerbegebiet in Vor der Brücke.

„Das ist richtig toll hier und macht sehr viel Spaß“, sagt Lilith Scherf. Die neunjährige Schülerin arbeitet bedächtig mit Klüpfel und Spitzmeißel an einem Ytong-Stein. Ein Kleeblatt oder eine Blume soll am Ende des zweitägigen Workshops dabei herauskommen.

Dass es hier um ehrliche Handarbeit geht, sieht man - am Ringfinger ist ein Pflaster, darunter jedoch nur ein kleiner Kratzer. „Das ist hier nichts für zimperliche Mädchen. Lärm und Dreck muss man abkönnen, und man sollte handfest sein“, erklärt Bildhauerin Anette Lenzing mit einem Augenzwinkern. Die anderen drei Teilnehmerinnen können das bestätigen. Die beiden Geschwister Annika und Svenja Öland sind mit ihrer Cousine Eva Stolpe fleißig am Werk und strahlen Begeisterung aus. „Das ist mal etwas ganz anderes. Ich baue mir hier meinen eigenen Donut“, erklärt die zehnjährige Annika. „In den Sommerferien machen wir bestimmt auch wieder mit“, ergänzt die zwölfjährige Svenja.

„Man muss sich auf den Stein einlassen, dann schafft man schon innerhalb von zwei Tagen seine eigene Skulptur. Bei mir dauert es zum Glück nicht so lange wie bei Michelangelo und seinem David, der hat nämlich fünf Jahre gebraucht“, sagt Anette Lenzing und lacht dabei

Die gebürtige Düsseldorferin machte eine Ausbildung als Schneiderin und wollte sich danach noch weiterentwickeln. Nach dem Studium der Landschaftsarchitektur in Essen studierte sie in Bonn drei Jahre lang ihren Traumberuf: „Ich habe die Bildhauerei von der Pike auf gelernt, das ist mein Leben“, erklärt sie stolz.

Dabei arbeitet die 52-jährige hauptsächlich mit Ton, Stein und Bronze, ist aber auch an Neuem interessiert: „Für meine Skulpturen bin ich immer auf der Suche nach neuen Materialien wie Horn, Eisen, Leder oder Textil.“

Dabei ergänzt sie sich mit ihrem Mann Lukas, der sich überwiegend auf Holz spezialisiert hat und dabei oft die alte Technik des Fachwerkbaus anwendet. Der berufliche Lebensweg der beiden Kettwiger Künstler zeigt viele Parallelen - so studierte er ebenfalls in Bonn. Und in Essen ließ er sich zuvor zum Landschaftsgärtner ausbilden.

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