In Kupferdreh gibt es das älteste Open-Air-Kino in Essen

Der 40 Jahre alte Projektor hat ausgedient. Gerd Blanke, Gründer der „Natural Born Filmfreaks“, muss ein digitales Ersatzmodell auftreiben, denn Filme, die noch auf herkömmliche Weise auf die Spulen gerollt sind, sind heute nicht mehr zu haben.
Der 40 Jahre alte Projektor hat ausgedient. Gerd Blanke, Gründer der „Natural Born Filmfreaks“, muss ein digitales Ersatzmodell auftreiben, denn Filme, die noch auf herkömmliche Weise auf die Spulen gerollt sind, sind heute nicht mehr zu haben.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Seit über 30 Jahren werden im Open-Air-Kino am alten Bahnhof Kupferdreh Filme gezeigt. Die Digitalisierung bringt neue Herausforderung.

Essen-Kupferdreh.. Es ist das älteste Open-Air-Kino der Stadt: Seit über 30 Jahren laufen in den Sommermonaten am ehemaligen Kupferdreher Bahnhofsgebäude, wo heute die Gaststätte Lukas ihren Sitz hat, unter freiem Himmel Filme. Dafür, dass diese Tradition auch künftig Bestand hat, wollen die „Natural Born Filmfreaks” sorgen.

Reinhard Schiffler war es, der das Freiluftkino in den frühen 1980er Jahren an dem damals alternativ angehauchten Kulturzentrum Fritz, das sich unter dem Dach des alten Bahnhofs befand, ins Leben rief. Dann übernahm es der professioneller Kinobetreiber Michael Meyer für eine lange Zeit. Doch der verregnete Sommer 2011 verhagelte ihm offenbar die Laune, weshalb er das Open-Air-Kino aufgab.

Der Filmfan Gerd Blanke wollte allerdings nicht auf das cineastische Vergnügen unter freiem Himmel verzichten – zumal der anfängliche Boom der Open-Air-Kinos zu diesem Zeitpunkt längst verebbt war. In Meyers letzter Saison half Blanke noch als Filmvorführer aus – und ließ sich schnell davon überzeugen, den Betrieb auch ohne Meyer aufrechtzuerhalten. „Mir war zwar von Anfang an klar, dass sich kein Gewinn erwirtschaften ließ, aber die Sache steht im Vordergrund”, so Blanke

So flimmerte 2012 erstmals der Projektor am Lukas unter der Flagge der von Blanke gegründeten „Natural Born Filmfreaks”: Neben Kassenschlagern wie „Die Tribute von Panem” legten sie einen Schwerpunkt auf Arthouse-Filme: „Wir wollen vor allem auch Streifen präsentieren, die normalerweise nicht im Kino zu finden sind.”

Analoge Projektoren werden selten

Doch schon damals deutete sich an: Filme auf traditionellen Rollen für die alten, analogen Projektoren werden immer seltener, denn die Filmindustrie durchlebt ihre digitale Revolution. Die Filme kommen nun auf digitalen Festplatten daher, wofür entsprechende neue Geräte zum Abspielen und Projizieren benötigt werden. Im vergangenen Jahr versuchten die „Natural Born Filmfreaks“ dieses Problem noch zu umgehen, indem sie sich auf Musikfilme konzentrierten, wie den Konzertfilm-Klassiker „Woodstock”. „Doch auch diese gibt es kaum noch auf traditionellen Filmrollen, zumal sich der Filmvertrieb auch radikal verändert hat”, bedauert Blanke.

Das heißt konkret: Der über 50 Jahre alte Projektor, der bisher am Lukas treu seine Dienste geleistet hat, hat nun leider ausgedient. Doch einen neuen zu besorgen, ist nicht einfach – schon allein der Kosten wegen. „Ein gebrauchter digitaler Projektor, der die notwendigen technischen Voraussetzungen erfüllen würde, kostet 25 000 Euro“, so Blanke. Für ein neues Gerät wären 10 000 Euro zusätzlich fällig. Ob sich das mit dem Arthouse-Konzept stemmen lässt, ist fraglich – zumal Freilichtkinos naturgemäß vom Wetter abhängig sind: „Der vergangene, verregnete Sommer hat uns unsere Bilanz gehörig verhagelt.“

Eine kostengünstigere Alternative wäre ein Blu-Ray-Projektor: Der würde nur die Hälfte kosten, der qualitative Verlust sei zu verschmerzen. Dennoch: Ob auch so ein Gerät in diesem Jahr aufzutreiben ist, wisse er noch nicht: „Es gestaltet sich schwierig.“

Eine weitere Alternative wäre ein Mietgerät für zirka 70 Euro am Tag. „Bei den 7 Euro Eintritt, die wir nehmen und von denen 50 Prozent an den Verleih gehen, müssten wir pro Vorstellung 20 Leute mehr haben, damit sich das rentiert.”

Einjährige Pause ist möglich

Bei all diesen Schwierigkeiten will Blanke dennoch das Open-Air-Kino am Lukas nicht sterben lassen: „Der Enthusiasmus ist weiter da.“ Vom momentanen Stand der Dinge aus ist es jedoch möglich, dass das Freilicht-Vergnügen ein Jahr lang pausiert: „Wir könnten dann intensiv an einer Lösung arbeiten, um uns im kommenden Jahr wieder voll auf das Programm zu konzentrieren.”

Und vielleicht gibt es dann nicht nur im Sommer Kino am alten Kupferdreher Bahnhof: „Die digitalen Projektoren sind mobiler, so könnten wir auch im Winter Kino, zum Beispiel in den Räumlichkeiten des Lukas, anbieten.” Ein neues Ganzjahreskino für Kupferdreh – dafür würde sich das Warten lohnen.