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Im Stau stehen für die Umwelt

21.04.2008 | 21:26 Uhr

UMWELTZONE. Ab dem 1. Oktober heißt es: Freie Fahrt nur mit Plakette. Pläne liegen zur Einsicht im Rathaus aus.

Mitarbeiter der Straßenverkehrsbehörde gaben gestern im City-Center Umweltplaketten aus. 600 Bürger stellten sich an. (NRZ-Foto: Oliver Müller)

Die Umweltzone ist noch gar nicht da. Gestern verursachte das "Sperrgebiet" aber bereits den ersten Stau. Und zwar ironischerweise dort, wo Autos gar nicht hinein dürfen: im City-Center. Das Umweltamt informierte dort auf offener Bühne über den Stand der Planungen, Mitarbeiter des Straßenverkehrsamtes prüften Fahrzeugscheine und Schadstoffklassen. Für fünf Euro gab's die passende Plakette. 600 Bürger nahmen das Angebot gerne an und reihten sich in die Schlange der Wartenden ein.

Die Umweltzone kommt, die Leute stellen sich darauf ein. Auch jene, die am Sinn des Ganzen zweifeln. "Früher haben die Leute hier Dreck gefressen, und jetzt das Ganze Theater mit dem Staub...", schimpft Eberhard Liebchen und schüttelt den Kopf. Auch Jürgen Kuhlmann steht in der Reihe. Die Einrichtung der Umweltzone vergleicht er mit "einem Stück Zucker, das man in den Baldeneysee wirft". Will heißen: Wirkung? Gleich null! Umweltdezernentin Simone Raskob hält dagegen: Die Umweltzone diene dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung.

Zum 1. Oktober soll etwa ein Drittel des Stadtgebietes zur Umweltzone erklärt werden. (Karte S. 2) So sieht es der Entwurf der Bezirksregierung vor, seit gestern liegt er im Rathaus zur Einsicht aus. Hineinfahren in die Zone dürfen dann nur Kraftfahrzeuge mit einer Umweltplakette, "Stinker" müssen draußen bleiben. Nach Angaben der Straßenverkehrsbehörde trifft das Verbot 15 000 Fahrzeuge mit dem "E-"Kennzeichen, 95 Prozent aller in Essen zugelassenen Kfz bekommen hingegen eine Umweltplakette.

Die Stadt Essen hätte sich eine größere Umweltzone gewünscht. Insbesondere die Nord-Süd-Korridore im Westen und Osten seien problematisch, laden sie doch dazu ein, die Umweltzone zu umfahren, kritisiert Umweltamtsleiter Hartwig Steinbrink. FDP und IHK hatten sich dagegen ausgesprochen, den Verkehr stärker zu beschränken. Trotz Vorbehalten werde die Verwaltung der Politik empfehlen, dem Entwurf des Landes zuzustimmen, sagt Steinbrink.

Andere sehen dringenden Bedarf für Nachbesserungen. Zum Beispiel Angelika Bohn. Wohnort und Betrieb der Schrotthändlerin liegen außerhalb der Umweltzone - und Schrottsammeln ist kein Handwerk. Eine solche Ausnahme sieht der Entwurf nicht vor, bestätigt die Verwaltung. Angelika Bohne müsste sich also einen neuen Lkw kaufen. Der alte hat erst 155 000 Kilometer gelaufen und dürfte noch zehn Jahre halten. Allein der Ladekran kostet 33 000 Euro. Angelika Bohn will einen Einwand gegen den Entwurf einbringen. Bis zum 20. Mai bleibt ihr dafür Zeit.

MARCUS SCHYMICZEK

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Kommentare
22.04.2008
09:45
Im Stau stehen für die Umwelt
von stoppt die zonen | #3

Ich möchte da nichts mehr zu sagen, eigentlich. Das ganze trieft nur so vor inkompetenz. was soll die aussperrung von 5% aller kfz denn bringen außer den betroffenen kfz haltern ärger? Da sind profilierungssüchtige ökofaschisten am werk die man bei der nächsten wahl schleunigst abstrafen muß. und das nicht durch nicht wählen gehen.

22.04.2008
08:35
Im Stau stehen für die Umwelt
von xyz | #2

Also ich find das mit der Unweltplackette so ********.Was soll das eigendlich mit der Unweltzone das bringt doch sowieso nichts,denn dann müsste der Wind ja auch ne Umweltplackette haben.Die ganzen Abgase von den Autos und andere Fahrzeuge fliegen doch sowieso da alle hin,dann frag ich mich was das mit der Umwelt zu tun hat,wenn das sowieso nichts bringt??Ist doch total benagelt sowas.

22.04.2008
08:31
Im Stau stehen für die Umwelt
von Diesel | #1

Besitzer von Fahrzeuge mit kostpsieligen Spezialumbauten sind generell die Gekniffenen. Außerdem hat Frau Bohn bis zum 03.06. Zeit, Einwendungen an die Stadt/das Land zu richten, was ihr dringend zu empfehlen ist. Denn es kann passieren, daß bei einer öffentlichen Anhörung nur Gäste zugelassen sind, die vorher ihre Stellungnahme zu den Plänen abgegeben haben.

Wahrscheinlich hat sie aber wichtigeres zut un, als sich mit der über 200-seitigen Büokratisierungsmaschine Umweltzone rumzuschlagen: sie wird Geld verdienen müssen für ein neues Auto, weil ihr das alte faktisch enteignet wird. Oder den Betrieb dichtmachen.

Das wäre ein Sieg für die Stadplaner der Neuzeit, für grüne Ideologen und linke Ausnahmetatbestandsbürokraten denn mit so schäbigen Sachen wie Schrott, Kohle, Strom und Berufsschiffahrt will man sich hier im Ruhrgebiet offensichtlich nicht mehr abgeben. Paßt nicht ins neue Image. Nirgendwo reißt man sich das Herz mit solch einer Inbrunst raus wie hier, aber das nur am Rande.

Offenbar fehlt dann der Platz für die Kreativwirtschaft. (Kreativ ist nicht gleich Kultur!)

Würde man die mal die Laufleistung der 15.000 gefährdeten Fahrzeuge gewichten, würde sogar einer Frau Raskob und Herrn Steinbrinck klar, daß diese nicht ins Gewicht fallen. Aber mit Fakten geben sich Politik und Verwaltung nur ungerne ab. Für umweltpolitischen Aktionismus muß ein Bauernopfer her. Oder eben 15.000. Das wirkt - das ist Schlagzeilenträchtig.

Und weil die Umweltzone schon jetzt als untaugliches Mittel zur Reduktion der Stickoxide bekannt ist, wird man sich was neues einfallen lassen: City-Maut. Dann blecht jeder! Das wird dann auch dem Umstand geschuldet sein, daß Kfz mit Partikelfilter die unsichtbaren, die feinsten, die allergefährlichsten Stäube auch nicht zurückhalten. Dagegen sind die groben, sichtbaren Stäube aus den alten Dieseln Kinderkram.


http://www.halt-umweltzone.de

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