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Im Sprung durch die Firmengeschichte von Krupp in Essen

11.08.2012 | 16:00 Uhr
Ein imposanter Blick durch das riesige Panorama-Fenster. Foto: Ulrich von Born

Essen.  Thyssen Krupp führte WAZ-Leser durch das alte Stammhaus der Familie Krupp und die Konzernzentrale. 200 Jahre Konzern-Historie in Essen werden hautnah erlebt. Ein Spannungsbogen durch die Stahl-Geschichte.

Hier ein kleines Fachwerkhaus - vielleicht 100 Quadratmeter groß - da ein monumentaler Bau aus Glas, Stein und Metall. Hier kleine schummrige Räume mit dunklen Möbeln und Tapeten. Da bahnhofshallengroße Gänge, lichtdurchflutet, mit Designermöbeln ausgestattet. Das Stammhaus der Familie Krupp direkt neben dem neuen Thyssen-Krupp-Quartier - genau diesen Spannungsbogen, der 200 Jahre Krupp-Geschichte in Essen fasst, erlebten Leser bei der Aktion „WAZ öffnet Pforten“.

Erst vor wenigen Wochen wurde die Renovierung des Stammhauses abgeschlossen, berichtet Führer Michael Clarke. Die Tapeten sind erneuert, die Fußböden aufgearbeitet, die Möbel zum Teil restauriert worden. Es ist der erste „öffentliche“ Blick hinein, denn bislang wurde das Stammhaus der Krupp-Familie an der Thyssen-Krupp-Allee nur zu besonderen Anlässen geöffnet. Künftig soll es in die Führungen häufiger integriert werden.

„Hätte ich mir pompöser vorgestellt“

Blick ins „Wohnzimmer“ des Kruppschen Stammhauses. Foto: Ulrich von Born/ WAZ FotoPool

Für Gisela Scheunemann ist das ein besonderes Erlebnis: „Wie viele Jahre das gedauert hat, bis ich das mal sehen durfte.“ Die 80-Jährige kannte als Kind noch das Originalhaus, das rund 100 Meter entfernt stand und 1944 von Bomben zerstört wurde. Mit der Schule war sie Anfang der 1940er Jahre hier. „Ein bisschen anders sieht es ja aus, aber das ist egal“, findet sie. Das Innere blieb ihr natürlich damals verborgen, und jetzt ist sie fast ein bisschen enttäuscht: „Das hätte ich mir doch pompöser vorgestellt.“

Die kleine düstere Stube mit Kanapee und Esstisch, das kleine Schlafzimmer unterm Dach - als die Familie Krupp hier lebte, war sie nicht mehr reich, allerdings auch nicht wirklich bitterarm. Weil Friedrich Krupp in der Gründungsphase des Gussstahlfabrik viel Geld aufs Spiel gesetzt und verloren hatte, musste die Familie aber ihr Haus am Flachsmarkt verlassen und 1824 in das vergleichsweise bescheidene Häuschen neben der Fabrik ziehen. Später, als man längst in der Villa Hügel residierte, richtete Friedrichs Sohn Alfred das Stammhaus wieder her. Es sollte symbolisieren, aus welch kleinen Verhältnissen sich die Unternehmerfamilie nach oben gearbeitet hatte und wurde zu einem gezielt eingesetzten Mythos.

Alfred war es auch, dem die Personenwaage in Form eines Stuhles gehörte, die in einem der Zimmer zu sehen ist und die die Besucher besonders begeistert. Führer Michael Clarke berichtet, dass Alfred sich regelmäßig gewogen habe. Entsprechende Wiegelisten seien überliefert. Ansonsten besteht das Innere des Hauses aus einem „wilden“ Möbelmix aus vielen Epochen der Familiengeschichte , viele sind nachgebaut - doch ein Eindruck, wie die Familie gelebt haben könnte, bleibt.

308 Millionen Euro hat sie gekostet

Der Sprung auf die andere Seite der Thyssen-Krupp-Allee könnte kontrastreicher nicht sein. 2010 eröffnete der Konzern auf dem Gelände der Kruppschen Gussstahlfabrik seine neue Konzernzentrale. 308 Millionen Euro hat sie gekostet. Michael Clarke führt die Besucher durch die „Allee der Welten“ - eine Straße mit Bäumen aus fünf Kontinenten - über den Campus aus Wasser und grauem Stein. Im Quartier 2, dem großen Kubus, wo Manager in weißen Hemden und Krawatten hinter halbtransparenten Rollos konferieren, wandert der Blick von Rita Sybon durch die champagnerfarbene Halle: „Das gefällt mir alles sehr.“

Michael Clarke berichtet von der besonderen Sonnenblendtechnik an der Fassade, dem geothermischen Heiz- und Kühlsystem und dass das große Fenster im Quartier 1 aus 96 Einzelscheiben besteht. Die Frauen interessiert aber viel mehr, wie denn die großen Glasflächen geputzt werden. Teils mit Hubbühnen, teils mit Wartungsaufzügen, so Clarke. Schließlich dürfen die Besucher noch den „Raum der Stille“ entdecken, ein Meditationsraum, den riesigen Konferenzsaal, der bis zu 1000 Leute fasst und auch einen Blick in „normale Bürogänge“ werfen.

Wolfgang Meyers Vater war bei Krupp beschäftigt, er selbst sieht das Quartier das erste Mal. Sein Urteil: „Zu protzig.“ Ein Lob geht an Clarke: „Eine gute Führung war das.“

Krupp alt und neu

Janet Lindgens



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