Im Park des Knappschaftskrankenhauses Steele erzählt jeder Baum eine Geschichte

Foto: Knut Vahlensieck / WAZ Fotopool
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Was wir bereits wissen
Der Park des Knappschafts-Krankenhauses in Steele bietet verwunschene Orte, Obstwiesen mit alten Apfel- und Brinensorten und himmlische Ruhe - für Patienten, aber auch für Besucher.

Essen.. Das Knappschaftskrankenhaus in Steele hat eine bewegte Geschichte. – und eine ganz persönliche Bedeutung für mich. Das gilt auch für den Park, der heute ein Quell der Ruhe ist, nicht nur für Patienten.

Am Tag, als hier die Entbindungsstation geschlossen wurde, hätte ich heulen können. Denn im Knappschaftskrankenhaus sind drei Generationen meiner Familie geboren. Anderen haben wir mit Krankenbesuchen die Zeit verkürzt, und am Sterbebett meines Vaters haben wir hier auch gesessen. Bei all diesen Gelegenheiten bot uns der Park um das Krankenhaus Erholung an einer Stelle, die man hier, unweit von Steeler Straße und Westfalenstraße, nicht unbedingt vermutet.

Auf der Rückseite des Krankenhauses gelegen, bestimmt den Park heute eine Allee, die bis zum städtischen Ruhrhöhenweg führt. Fast von überall aus eröffnet sie einen Blick von hoch oben auf die Ruhr, den man stundenlang genießen kann. Verwunschene Winkel im Unterholz gewähren Kindern ein kleines Abenteuerland, ein Heilkräutergarten gibt Einblicke in die europäische, chinesische und ayurvedische Heilkunst. Lugt man auf eine der Bänke in den Heckennischen, erwischt man den einen oder anderen bei der verbotenen Zigarette – oder einer Knutscherei.

Knutschen und Körperübungen

Die große Rasenfläche bietet den Patienten der Naturheilkundeklinik auch eine optimale Unterlage für asiatische Körperübungen. Für den einen oder anderen mag das befremdlich anmuten, es beruhigt aber schon beim Zusehen ungemein. Überhaupt hat die Naturheilkundeklinik großen Einfluss auf den Park. Denn in Zeiten von hohem Kostendruck hilft die Klinik mit ihrer guten Reputation, das Überleben des Parks zu sichern.

Hier hat jeder Baum seine Geschichte, weil Patenschaften ihm eine besondere Bedeutung geben. Da hat ein Neffe seiner Tante einen Baum gewidmet, die schon vor Jahren selbst für Eltern und Gatten eine Baumpatenschaft übernahm, weil sie den Weg zum Friedhof nicht mehr bewältigen konnte. Nun hat sie hier selbst einen Paten-Baum. Auch für Neugeborene werden Bäume gepflanzt, anonyme Organspender erhalten einen Dankes-Baum. Rund 40 unterschiedliche Arten erhielten so mittlerweile ihre ganz eigene Widmung.

Kirsten Woyk, die Umweltbeauftragte der Kliniken Essen-Mitte, ist für den Park mitverantwortlich und freut sich über die Vielfalt. Sie weiß aber auch, dass eine grüne Oase gut organisiert sein will. Da müssen Patienten das Mähen größerer Rasenflächen in Kauf nehmen, da weichen alte Baumbestände wegen der Verkehrssicherungspflichten. Daher rauschen die Pappeln hinter der früheren Entbindungsstation leider nicht mehr, doch neue Bäume trösten über den Verlust des beruhigenden Geräuschs allmählich hinweg.

Für nähere Informationen hat der Naturschutzbund „Nabu“ zu den Gewächsen im Park einen Schaukasten aufgestellt. In diesem Jahr ist der Wildapfel Baum des Jahres, darum hat man eine der alten Obstwiesen reaktiviert. Hier wachsen nun auch Sorten wie der Rheinische Bohnapfel, die Conference-Birne und die Köstliche von Charneux.

Wir kommen noch immer häufig her, selbst wenn wir niemanden besuchen. Unser Sohn hat hier Radfahren gelernt, seinen ersten Zauberstab von der Weide vor seinem Geburtszimmer geschnitten und den ersten Schnee-Engel gezaubert.

Bleibt zu hoffen, dass die Kostenschraube dem Park nicht irgendwann zusetzt und viele Menschen – Patienten wie Besucher – weiterhin in dieser Anlage den Blick weit stellen, Gedanken sammeln oder einfach abschalten können.

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