Im Namen des Volkes

Wenn es einen Ort auf der Welt gibt, der die Gemüter von Stadtplanern, Juristen und Ehepaaren gleichermaßen überstrapaziert, dann die Toilette. Das stille Örtchen, wie man es fälschlicherweise oft nennt, ist zu einem mehrdimensionalen Kriegsschauplatz geworden, der uns alle noch lange beschäftigen wird. In Essen wird das besonders am Willy-Brandt-Platz deutlich. Dort gibt es bislang zwar noch gar keine Toilette, aber die Diskussion darüber ist bereits in vollem Gange. Trinkerszene, Lokalpolitiker und Unternehmer wollen sich von niemanden ans Bein pinkeln lassen und beharren auf ihren eigenen Ansichten. Schließlich sehen viele Beteiligte ihr Geschäft in Gefahr.

Aber auch in jeder Privatwohnung schwelt ein Konflikt, bei dem die Frauenwelt jahrelang das Sagen hatte. Bitte hinsetzen, hieß die Devise. Doch inzwischen hat sich das Blatt gedreht: Ein Düsseldorfer Richter hat nämlich jüngst entschieden, dass Männer sehr wohl im Stehen Wasser lassen dürfen – selbst wenn mal was daneben geht. Nicht nur Ehefrauen, auch Vermieter müssen das akzeptieren und den teuren Marmorboden im Zweifel auf eigene Kosten reinigen lassen. Über die neue Regel aus Düsseldorf kann man natürlich streiten. Orthopäden werden sie aber höchstwahrscheinlich begrüßen. Schließlich führt langes Sitzen zu Rückenschäden.